vergrößernverkleinern
Christoph Metzelder absolvierte bisher 47 Länderspiele für Deutschland © imago

Im zweiten Teil des Sport1-Interviews spricht Christoph Metzelder über die Rolle von Michael Ballack und seine eigenen Führungsaufgaben.

Sport1: Stört es Sie als Mitspieler, dass Ballack erneut im Mittelpunkt steht, obwohl er in den beiden anstehenden WM-Qualifikationsspielen gar nicht dabei ist?

Metzelder: Die Tatsache, dass er verletzt ist, ist das größere Problem für uns. Dass er und Torsten Frings ausfallen ist, ist kein optimaler Start in die WM-Qualifikation. Es ist also eher ein sportliches Thema, das andere wird hier nicht diskutiert.

Sport1: Von einer Isolation des Kapitäns kann also keine Rede sein?

Metzelder: Natürlich haben wir Spieler, die bestimmte Rollen ausführen müssen. Jens Lehmann war immer ein streitbarer Kopf. Das war manchmal zwar etwas direkt, aber eigentlich immer seine große Stärke. Man kann nicht nur Spieler haben, die Diplomaten sind und ausgleichend wirken, sondern man braucht auch Leute, die Reizpunkte setzen können. Michael Ballack ist Kapitän und hat die größte Erfahrung. Dass er auch mal Reizpunkte setzt, ist völlig normal.

Sport1: Ballack und Frings sind in den beiden nächsten Spielen nicht dabei. Inwiefern verändert sich dadurch die mannschaftsinterne Hierarchie?

Metzelder: Ein Turnier ist immer ein Einschnitt. Mit Beginn einer neuen Saison muss der Trainer versuchen, einen klaren Schnitt zu machen oder einen fließenden Übergang hinzubekommen. Dadurch ergeben sich sportlich und im Führungskreis neue Konstellationen. Natürlich bin auch ich da nun gefordert. Ich habe bei der WM 2006 Führungsaufgaben übernommen. Da habe ich meine eigene Art und Weise. Bei der EM wurde ich diesem Anspruch nicht mehr so gerecht, weil ich mich total auf mich fokussieren musste. In Zukunft werde ich wieder mehr für das Team tun.

Sport1: Das geht nur als Stammspieler. Der Bundestrainer hat öffentlich die "Erbhöfe" abgeschafft. Wie sehen Sie Ihre Position im Konkurrenzkampf im DFB-Team?

Metzelder: Ich glaube, dass es nie Erbhöfe gab. Grundsätzlich zählt für die Nationalmannschaft die Leistung dort und sekundär die Leistung im Verein. Ich habe auch damals im Fall Jens Lehmann gesagt: Solange er in der Nationalmannschaft seine Leistung bringt, ist das, was im Verein passiert, zweitrangig. Das gilt genauso für mich. Ich bin Sportler. Wenn man bei Real Madrid spielt, hat man jeden Tag die Konkurrenzsituation. Damit habe ich auch in der Nationalmannschaft kein Problem. Wenn ich gesund bin, gibt es an mir keine Zweifel.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel