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Verteidiger mit Torriecher: Andreas Beck (r.) - im Zweikampf mit Mario Balotelli © getty

Andreas Beck verrät nach dem EM-Finaleinzug der U 21 sein Erfolgsgeheimnis. Trainer Horst Hrubesch hat bereits die Engländer im Blick.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Held des Spiels grinste, als wäre gerade für ihn eine Riesenüberraschungparty arrangiert worden.

Doch Andreas Beck hatte ja selbst den Startschuss zum Feiern gegeben.

Mit einem fulminanten Hammer aus 25 Metern bescherte er Deutschlands U 21 den 1:0-Sieg im EM-Halbfinale gegen Italien.

"Meine Familie und meine Freundin waren da", berichtete der Hoffenheimer Abwehrspieler.

"Ich habe meiner Freundin versprochen, ihr zuzuwinken und ein Küsschen zu schicken, wenn ich ein Tor mache. Und so war es dann ja auch."

Deutsche Abwehr mit Rissen

Bis zur 48. Minute und Becks Coup waren es allerdings die "Azzurri", die in weiten Teilen das Spiel bestimmten (zum Spielbericht: Beck und Neuer führen U 21 ins Finale).

Und die bislang so sichere deutsche Abwehr zeigte deutliche Risse - vor allem bei Eckbällen.

Allerdings verzichteten die italienischen Angreifer Mario Balotelli und Robert Acquafresca großzügig darauf, daraus Profit zu schlagen.

Nun steht Deutschland beim Turnier in Schweden im Finale gegen den Erzrivalen England (Mo, ab 20.30 Uhr LIVE), der Gastgeber Schweden im ersten Semifinale im Elfmeterschießen überwunden hatte. (DATENCENTER: Die U-21-EM)

Der "Squadra Azzura" blieben am Ende hingegen nur warmherzige Worte von Italiens Presse.

"Italia da applausi, ma passa la Germania", ("Applaus für Italien, aber Deutschland kommt weiter"), titelte etwa der "Corriere dello Sport".

Und schrieb weiter, dass Italiens Jungprofis sich "erhobenen Hauptes" verabschiedeten.

Casiraghi tieftraurig

"Das Ausscheiden tut sehr weh", meinte Italiens U-21-Coach Gigi Casiraghi.

Seinem Team wollte er keinen Vorwurf machen.

"Wir haben uns viele Torchancen erarbeitet, hatten ja das Spiel von Anfang bis Ende in der Hand. Wir gehen nach unserer besten Partie."

Neuer: "Wir sind verdient weiter"

Auf Becks Führungstor war eine stärkere Phase der Deutschen gefolgt, ehe Italien wieder vehement angriff.

Dank eines starken Keepers Manuel Neuer überstand die Elf von Horst Hrubesch auch das.

Neuer genoss den Finaleinzug mit sichtlicher Genugtuung.

"Wir haben uns nur gefreut", sagte der Schalker. "Wir waren effektiv und haben gezeigt, dass wir Italien schlagen können. Damit sind wir verdient weiter."

Von seinem Trainer bekam der Torhüter ein dickes Kompliment. "Manuel ist ein Ausnahmetalent, das muss man wissen."

Hrubesch sieht Vorteile für Deutschland

Hrubesch analysierte optimistisch die Ausgangslage für das Finale gegen England.

"Wir haben den Vorteil, dass wir einen Tag mehr Pause gehabt und keine Verlängerung gespielt haben."

Besonderes Augenmerk wird Hrubesch nun auf Standards legen, dort hat er eine Stärke der "Three Lions" ausgemacht.

Zumal die deutsche Defensive gerade bei hohen Bällen im Halbfinale Probleme offenbarte.

"Hatten das ein oder andere Mal Glück"

"Wir haben uns durch einige dumme Fehler unter Druck gesetzt, die Italiener kamen zu einigen Eckbällen, da hatten wir das eine oder andere Mal Glück. In der zweiten Halbzeit war es so, wie ich es mir vorstelle."

Im Finale kann Hrubesch wohl wieder auf Kapitän Sami Khedira und Marko Marin zurückgreifen.

Der Stuttgarter Khedira hatte im Halbfinale wegen eines Blutergusses im Knie gefehlt, der künftige Bremer Marin war nach 55 Minuten nach einem Schlag auf den Fuß ausgewechselt worden.

Dejagah fehlt gesperrt

"Bei Sami sieht es gut aus. Er kann schon wieder trainieren. Und bei Marko ist es wohl nichts Großartiges", meinte Hrubesch.

Verzichten muss der Coach somit wohl nur auf den Wolfsburger Stürmer Ashkan Dejagah, der gegen die Italiener nach einer dummen Schwalbe seine zweite Gelbe Karte sah und gesperrt ist.

Matchwinner Andreas Beck wird indes sich überlegen, was er Freundin und Familie für einen Finalsieg versprechen könnte.

Seinen Siegtreffer erklärte er am Freitagabend ganz einfach: "Ich war frei, habe nur den Torhüter gesehen und ich dachte, ich ziehe mal eben ab."

Später gab es ein Küsschen zu Belohnung ? manchmal kann Fußball so einfach sein.

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