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Berti Vogts trainierte von 1990 bis 1998 die deutsche Nationalmannschaft © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht der frühere U-21-Nationalcoach über die Erfolge von Horst Hrubesch und die Arbeit in Aserbaidschan.

Von Felix Götz

München - Nach 27 Jahren hat es eine deutsche U-21-Nationalmannschaft endlich wieder ins Finale einer EM geschafft (zum Halbfinal-Spielbericht: Beck und Neuer führen U 21 ins Finale), wo das Team von Bundestrainer Horst Hrubesch nun auf England (ab 20.15 Uhr LIVE) trifft.

Auch 1982 hieß der Gegner im Endspiel England. Nach Hin- und Rückspiel musste sich das Team des damaligen Trainers Berti Vogts den "Three Lions" geschlagen geben.

Im Interview mit Sport1.de erinnert sich der heutige Nationaltrainer von Aserbaidschan vor allem an die mangelnde Unterstützung vom DFB.

Der 62-Jährige drückt Horst Hrubesch die Daumen und verrät, wem die positive Entwicklung zu verdanken ist. Zudem gibt er einen Einblick in seine schwierige Arbeit im Kaukasus.

Sport1.de: Herr Vogts, 1982 standen Sie als Trainer mit der deutschen U-21-Nationalelf im Finale gegen England. Welche Erinnerungen sind daran geblieben?

Berti Vogts: Man darf das mit heute nicht vergleichen. Das Finale wurde damals mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Was mich heute aber noch ärgert ist, dass man vom DFB keine Unterstützung hatte. Ich musste sogar drei Spieler an die A-Nationalmannschaft abgeben, weil ein Freundschaftsspiel anstand. Das war sehr ärgerlich.

Sport1.de: Heute ist die Unterstützung aber gut, oder?

Vogts: Wie man heute die U 21 unterstützt, ist großartig, und der DFB hat den richtigen Weg eingeschlagen. Wir hatten damals nicht den Stellenwert, den das Team heute besitzt.

Sport1.de: Sie hatten damals einige Spieler im Team, die später groß herauskamen. Pierre Littbarski, Eike Immel und Rudi Völler beispielsweise. Wer war damals der große Star?

Vogts: Das waren nicht nur Littbarski und Völler. In diesem Jahrgang waren auch Bernd Schuster und Lothar Matthäus, die damals schon in der A-Mannschaft gespielt haben. Das war ein außergewöhnlicher Jahrgang. Diese Spieler waren schon 1982 Persönlichkeiten, die alleine ihre Entscheidungen getroffen haben. Und genau das habe ich auch immer gefördert. Heute haben die Spieler das Problem, dass sie von ihren Managern abhängig sind.

Sport1.de: Gibt es Parallelen zwischen der Mannschaft von damals und der heutigen?

Vogts: Wie gesagt, man kann das überhaupt nicht vergleichen. Wir haben uns sonntagsabends getroffen und mussten am Dienstag gegen England spielen. Heute geht man an den Tegernsee und bereitet sich drei Wochen vor.

Sport1.de: Wie bewerten Sie die Leistung der U 21?

Vogts: Ich freue mich vor allem für Horst Hrubesch. (DATENCENTER: Die U-21-EM) Und ich freue mich, dass Deutschland eine U-21-Elf hat, die den angemessenen Stellenwert hat und dementsprechend unterstützt wird. Ich drücke die Daumen. Es wäre zu schön, wenn wir nach den Erfolgen mit der U 17 und der U 19 auch noch diesen Titel holen könnten.

Sport1.de: Ist diese positive Entwicklung der Verdienst von Matthias Sammer?

Vogts: Diese Entwicklung hat begonnen, als Wolfgang Niersbach das übernommen hat. Er hat klargemacht, dass man alle Teams gleich behandeln muss und sie permanent unterstützen und fördern muss. Nun war wichtig, dass Matthias Sammer durchgesetzt hat, dass alle Teams mit dem gleichen System spielen. Das wollte ich 1981 bereits machen. Dann haben es die Landesverbände abgelehnt. Und man muss auch sagen, dass Niersbach und Dr. Theo Zwanziger voll hinter dem Sportdirektor stehen.

Sport1.de: Welcher Spieler der jetzigen U 21 hat Ihrer Meinung nach die höchste Qualität?

Vogts: Ich kenne die Spieler nicht gut genug, um sie genau zu beurteilen. Ich verbringe schließlich drei Wochen des Monats in Aserbaidschan. Um die einzelnen Spieler wirklich beurteilen zu können, muss ich sie mir live anschauen. Denn heute ist das Spiel ohne Ball, was man im Fernsehen nicht so gut sehen kann, eine sehr wichtige Rolle.

Sport1.de: Sie haben Aserbaidschan bereits angesprochen. Vor kurzem haben sie beschlossen, dass ihr dortiges Engagement weiter gehen soll. Was reizt Sie an der Aufgabe so sehr?

Vogts: Ich habe dort eine Mission zu erfüllen. Ich habe die Aufgabe, eine neue Nationalmannschaft aufzubauen. Das braucht eben seine Zeit. Mal sehen, wie lange es noch interessant ist.

Sport1.de: Eine abenteuerliche Aufgabe, oder?

Vogts: Ja. Der Verband wurde erst 1992 gegründet und wir haben nur knapp 60 Mannschaften. Das ist sehr schwierig. Das große Problem ist, dass die Vereine zu viele Ausländer beschäftigen. Dadurch kommen junge Spieler - ich habe sieben Spieler unter 21 Jahre in der Nationalmannschaft, kaum zum Einsatz.

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