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Schalker Sängerknaben: Benedikt Höwedes (l.) und Manuel Neuer © getty

Die deutsche U 21 feiert ihren Titelgewinn bei der EM in Schweden ausgelassen. Mit ihrem Sieg beglückt sie die DFB-Offiziellen.

Von Matthias Becker

München - Vielleicht brauchte es einfach eine kalte Dusche, um Horst Hrubesch endlich aus seiner Anspannung zu lösen.

Zwei Minuten vor Ende des EM-Finals gegen England spritzten seine Ersatzspieler den deutschen U-21-Trainer mit ihren Wasserflaschen nass.

Erst in diesem Moment huschte ein Lächeln über das Gesicht von Hrubesch.

Der hatte bis dahin trotz der klaren 4:0-Führung gegen England weiter verbissen und vehement Anweisungen gegeben.

Doch nach der "Titel-Dusche" konnte die lange Party-Nacht von Malmö beginnen. 123834(DIASHOW: Die Bilder des Finales)

"Haben uns eine schöne Feier verdient"

Direkt nach dem Schlusspfiff gab Mats Hummels, einer der Besten im Team, die Richtung für den weiteren Verlauf des Abends vor.

"Wir waren heiß auf dieses Spiel, das hat man uns angemerkt. Jetzt haben wir uns eine schöne Feier verdient", sagte der Dortmunder.

Erst 80 Minuten nach dem Schlusspfiff kamen mit Andreas Beck und Benedikt Höwedes, Arm in Arm, freudetrunken und schon etwas heiser die ersten Europameister in "Euro-Helden 2009"-Shirts aus der Kabine

Und Helden sind sie in Augen des DFB wahrlich: Erstmals ist Deutschland U-21-Europameister, als erster Verband hält der DFB gleichzeitig die europäischen Titel bei U 17, U 19 und U 21. (zum Spielbericht)

Zwanziger feiert mit

Dafür wurden die Spieler um den überragenden Mesut Özil (EINZELKRITIK: Özil Matchwinner, Castro bissig) und die starke Defensive mit Torhüter Manuel Neuer dann beim Titel-Bankett im Nobelrestaurant "Hipp" auch von der DFB-Prominenz gefeiert.

"Ich bin einfach nur stolz auf meine Mannschaft, weil wir dieses schwierige Spiel so klar für uns entschieden haben", sagte Hrubesch.

DFB-Präsident Theo Zwanziger stimmte in die Lobeshymnen ein und bekannte: "Das ist ein großer Tag für den deutschen Fußball", meinte Zwanziger und rief den Spielern zu: "Feiert, solche Sternstunden gibt es nicht immer!" (DATENCENTER: Die U-21-EM)

Diese ließen sich nicht zweimal bitten, forderten mit "Theo, rück die Kohle raus" gesanglich ihre Siegprämie von 12.000 Euro und machten im Klub "Etage" die Nacht zum Tag.

"Das ist einfach nur geil", meinte der Hoffenheimer Beck. Und der künftige Bremer Marko Marin, der das Finale wegen einer Fußverletzung verpasst hatte, jubelte:

"Schmerzen spüre ich im Moment gar nicht. Das war mein erster Titel, jetzt will ich mehr."

Selbstbewusste Zielvorgabe umgesetzt

Das werden sie beim DFB gerne hören. Besonders hoch einzuschätzen ist zusätzlich aber auch, dass mit dem Sieg gegen England auch die eigene selbstbewusste Zielvorgabe eingelöst wurde.

Von Beginn der Vorbereitung gaben die DFB-Offiziellen um Sportdirektor Matthias Sammer den Titel als Ziel aus. "Es macht doch keinen Sinn, zu einem Turnier zu fahren und zu sagen: 'Ich will Dritter, Vierter oder Fünfter werden'", hatte Hrubesch im Sport1.de-Interview erklärt.

Und seine Spieler wurden von dieser offensiven Herangehensweise nicht gehemmt, sondern sogar beflügelt. "Wir haben den Titel gewonnen. Das war von Anfang an unser Ziel", sagte Özil, der zugab: "Wir hatten eine Menge Selbstbewusstsein."

"Jetzt haben wir Blut geleckt"

Die Implantation des "Sieger-Gens", wie es Sammer im Vorfeld nannte, war also bei dieser vielversprechenden Generation von Nachwuchsfußballern erfolgreich.

"Davon habe ich so viele Nächte geträumt. Jetzt haben wir Blut geleckt und wollen mehr", bekannte Beck.

Das wird einer, der am Montag auch in Malmö war, besonders gerne hören: Joachim Löw. Für den steht im kommenden Jahr eine WM ein. Und einige der hungrigen Europameister werden wohl auch dann dabei sein.

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