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Auch bei der U-20-WM ist für Horst Hrubesch der Titel das Ziel © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Horst Hrubesch über den großen Erfolg der U 21 und über seine Ziele. Auch das A-Team ist ein Thema.

Von Matthias Becker

München - Er ist wohl momentan der begehrteste Nationaltrainer beim Deutschen Fußball-Bund. Horst Hrubesch errichtete sich mit dem ersten Triumph einer deutschen U-21-Auswahl bei einer Europameisterschaft sein eigenes Denkmal.

Bereits mit der U 19 war dem einstigen "Kopfball-Ungeheuer" dieses Kunststück gelungen (NACHBERICHT: "Theo, rück' die Kohle raus") .

Im Interview mit Sport1.de erzählt Hrubesch, wie er sich nach dem Abschied von "seinen Jungs" fühlt.

Er spart nicht mit Lob, ist jedoch äußerst realistisch, was die Zukunftsaussichten der U-21-Spieler im A-Team angeht. Besonders die Entwicklung von Marko Marin erläutert der akribische Arbeiter genau.

Sport1.de: Herr Hrubesch, was überwiegt nach dem großen Triumph bei der EM: Freude, Erleichterung oder Stolz über das erreichte Ziel?

Horst Hrubesch: Alles. Es ist noch ein bisschen Wehmut dabei, weil ich die U 21 jetzt an Rainer Adrion abgebe. Vor allem die Spieler können aber stolz sein auf das, was sie geleistet haben. Sie haben sich in das Turnier reingebissen, am Schluss ein super Spiel abgeliefert und sind verdient Europameister geworden 123834(DIASHOW: Die Bilder des Finales).

Sport1.de: War die Feier in Malmö dem Erfolg angemessen?

Hrubesch: Na klar. Die Jungs waren ja kaum noch zu halten. Es ist aber alles im normalen Rahmen geblieben. Sie haben ihren Spaß gehabt und gehen jetzt in den verdienten Urlaub.

Sport1.de: Bei aller Freude über den Titel: Wie fällt Ihr Fazit der EM aus? Es gab ja nicht nur Sonnenschein.

Hrubesch: Das Gesamtfazit ist positiv ausgefallen. Klar ist aber auch, dass wir uns zwischenzeitlich schwer getan haben. Auf der einen Seite war die Vorbereitungszeit sehr kurz, die letzten Spieler sind erst beim letzten Trainingslager in Barsinghausen zur Mannschaft gestoßen. Außerdem haben wir etwas flexibler gespielt.

Sport1.de: Zumindest mit den letzten beiden Partien konnten Sie aber komplett zufrieden sein, oder?

Hrubesch: Im Halbfinale hat man gemerkt, dass die Mannschaft, nachdem die große Last weg war, wesentlich befreiter gespielt hat. Von der Art und Weise, wie sie dieses Spiel bestritten hat, war das absolut o.k.. Im Finale waren wir dann wirklich da und sind so aufgetreten, wie ich mir das vorgestellt habe (zum Spielbericht).

Sport1.de: Nach dem Titelgewinn haben Sie gesagt, 'Joachim Löw geht guten Zeiten entgegen'. Was muss noch passieren, damit die Jungs wirklich den Sprung zu Stützen des A-Teams schaffen?

Hrubesch: Entscheidend ist, dass die Jungs das Vertrauen haben. Wenn sie die Sicherheit haben, sind sie in der Lage, richtig attraktiven Fußball zu spielen und den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen. Bei uns sind die Spieler ja meistens ziemlich früh dran, werden mit 18, 19 oder 20 schon ins A-Team berufen. Der ein oder andere braucht vielleicht auch länger, um auf diesem Niveau gleichmäßig seine Leistung zu bringen.

Sport1.de: Können Sie ein Beispiel nennen?

Hrubesch: Das sieht man etwa an Marko Marin. Der hat jetzt in Schweden vielleicht nicht überragend gespielt, zumal er verletzt war. Es kann sein, dass er etwas mehr Zeit braucht und diese Sprünge eben erst mit 22, 23 oder 24 macht. Der ein oder andere - da denke ich beispielsweise an Mesut Özil (EINZELKRITIK: Özil Matchwinner, Castro bissig) - wird über kurz oder lang auf jeden Fall in der Lage sein, bei der Nationalmannschaft anzuklopfen.

Sport1.de: Welchen Spielern trauen Sie für die WM in Südafrika den Sprung ins A-Team zu?

Hrubesch: Die WM kommt für diese Jungs vielleicht ein bisschen zu früh. Der Jogi wird bei der WM im kommenden Jahr eine gestandene Mannschaft aufbieten müssen. Vielleicht geht der ein oder andere mit, der Blick wird sich für sie aber eher auf die EM 2012 richten.

Sport1.de: Der DFB hält momentan alle Junioren-EM-Titel. Wird sich das ? ähnlich wie es die frühere Nachwuchs-Macht Spanien momentan erlebt ? bald auch in einer Dominanz im Senioren-Bereich widerspiegeln?

Hrubesch: In einer Dominanz vielleicht nicht. Wenn man aber sieht, was in den letzten Jahren seit der Europameisterschaft 2000 mit dem Talentförderprogramm auf die Beine gestellt wurde, dann merkt man, dass diese Maßnahmen alle gefruchtet haben. Ob es jetzt bei den Landesverbänden war, beim DFB oder auch in den Vereinen. Diese Früchte werden sich letztlich auch in der Nationalmannschaft auswirken.

Sport1.de: Für Sie steht nach zwei EM-Titeln innerhalb eines Jahres schon die nächste große Aufgabe mit der U-20-WM an. Welche Aufgaben müssen Sie denn in der Vorbereitung noch lösen?

Hrubesch: Ich hoffe, dass die Bundesliga mir die Spieler komplett zur Verfügung stellt. Wenn wir mit unserer besten Mannschaft dort antreten, haben wir eine gute Chance, um den Titel zu spielen.

Sport1.de: Das Ziel ist also wie schon bei der U 21 klar der Titel?

Hrubesch: Wir sind mit dieser Mannschaft Europameister in der U 19 geworden. Das ist eine eingespielte Mannschaft, da greift ein Rad ins andere. Man muss eine Zielsetzung haben. Wenn man schon als Europameister zu einer WM fährt, dann muss das Ziel klar der Titel sein.

Sport1.de: Wie sehen Sie die Chancen, dass das tatsächlich gelingt?

Hrubesch: Wir haben die Qualitäten, sind vor allen Dingen eine Mannschaft, die auch von den Spielerpersönlichkeiten her in sich gewachsen ist und eine Hierarchie herausgebildet hat. Als Deutschland muss man solche Turniere angehen und klar sagen: "Wir spielen um den Titel". Wir werden nicht immer Erfolg haben, das ist klar. Aber man muss sich die Ziele einfach setzen.

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