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Sparringspartner oder schwere Hürde? Die DFB-Stürmer stehen auf dem Prüfstand © getty

Beim Auftakt zur WM-Quali steht besonders die zuletzt schwächelnde Angriffsabteilung der DFB-Elf im Fokus.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Vaduz - Oliver Bierhoff hat gute Erinnerungen an Liechtenstein.

Und so präsentierte sich der Teammanager locker plaudernd beim Abschlusstraining der deutschen Mannschaft vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel gegen den 130. der Weltrangliste (ab 20.15 Uhr LIVE).

Denn ein deutlicher Sieg zum Auftakt ist Pflicht für den EM-Zweiten, so wie bei den bisherigen beiden Länderspielen:

1996 gewann die DFB-Auswahl 9:1, 2000 mit 8:2 gegen den hoffnungslos unterlegenen Fußball-Zwerg. Beide Male traf der damalige Nationalstürmer Bierhoff.

Deshalb fordert er auch diesmal: "Wir brauchen Punkte, wir brauchen Tore - so viele wie möglich.

Löw: Kein Vergleich mit San Marino

Ähnlich sieht es Joachim Löw. Gleichzeitig warnt der Bundestrainer aber davor, mit einem Rekordsieg wie dem 13:0 in San Marino nach der WM 2006 zu rechnen.

"Wir wollen und werden gewinnen", sagt er. "Aber Liechtenstein ist nicht zu vergleichen mit San Marino. Sie haben zu Hause gegen große Mannschaften wie England oder Spanien nur knapp verloren und in der EM-Qualifikation in Portugal ein Unentschieden erreicht."

Vielleicht will Löw damit auch ein wenig den Druck von seinen Stürmern nehmen, denn die "Abteilung Attacke" präsentiert sich auch rund zwei Monate nach der EM weit von der Bestform entfernt.

Sturm-Quartett außer Form

Mario Gomez kam nach seiner enttäuschenden Euro noch am besten aus den Startlöchern, während der angeschlagene Kevin Kuranyi (Rückenprobleme), der unzufriedene Bayern-Bankdrücker Lukas Podolski und auch Miroslav Klose weiter schwächeln.

Podolski, den die spanische Tageszeitung "Marca" am Samstag zu "ersten Verstärkungsoption" von Real Madrid im Wintertransferfenster auserkor, steht nach der erneuten öffentlichen Klage über seine Situation bei Bayern München in der Bringschuld.

WM-Torschützenkönig Klose, der die deutsche Elf in Vaduz in seinem 83. Länderspiel als Kapitän auf den Platz führen wird, konnte immerhin die Diskussionen um seine Torflaute in der Bundesliga durch den "geschenkten" Elfmeter-Treffer beim 4:1 gegen Hertha BSC beenden.

"So ein Bundesliga-Tor kann eine gewisse Hilfe sein", meint Löw, der aber vor allem auf die ansteigende Formkurve des 30-Jährigen setzt:

"Sehe klare Steigerung bei Miro"

"Bei der Präsenz auf dem Platz sehe ich eine klare Steigerung im Vergleich zur Vorbereitung aufs Belgien-Spiel und einen eindeutigen Fortschritt im körperlichen Bereich. Jeder weiß, was Miro leisten kann, wenn er sich körperlich wohl fühlt."

Auch Klose selber zeigt sich zuversichtlich. "Ich bin absolut guter Dinge, dass es jetzt aufwärts geht", meinte er. "Für mich ist es wichtig, dass ich das Fitness-Level erreiche, das ich brauche. Man muss halt versuchen, sich im Training wieder Sicherheit zu holen."

Oder im Spiel gegen einen Außenseiter wie Liechtenstein, in dem alle Stürmer etwas für ihr angeschlagenes Selbstvertrauen tun können.

"Entscheidend ist es, gegen gute Mannschaften zu treffen"

"Natürlich kann man gegen so einen Gegner etwas für seine Quote tun. Aber entscheidend ist es, gegen gute Mannschaften zu treffen", meint allerdings Ex-Torjäger Klaus Fischer, der die Situation im deutschen Angriff skeptisch beurteilt.

"Unsere Stürmer sind im Moment sicher nicht in Top-Form. Besonders Gomez hat mich bei der EM enttäuscht. Auch Klose muss mehr bringen", sagte er im Gespräch mit Sport1.de.

Das Hauptproblem aus Sicht des 45-maligen Nationalspielers (32 Tore): "Bei uns warten mir zu viele darauf, dass ihnen der Ball auf den Kopf fällt. Aber international sind Stürmer im Kommen, die beweglich und nicht auszurechnen sind. Das zeigt sich bei anderen Nationen, etwa den Spaniern mit Villa und Torres."

Fischer pro Helmes und Kießling

Ausnahmen davon sind für Fischer derzeit nur die beiden Leverkusener Patrick Helmes und Stefan Kießling, wobei Letzterer trotz seiner Gala beim 5:2 gegen Hoffenheim momentan bei Löw nur Nachrücker ist.

Helmes dagegen, der sich nach seinem Wechsel aus Köln hervorragend in Leverkusen eingewöhnt hat, scharrt mit den Hufen und erhält auch vom Bundestrainer Lob. Doch gegen Liechtenstein ist er erneut nur zweite Wahl, Klose und Podolski bilden die Anfangsformation.

Vielleicht auch in Erinnerung an das Schützenfest in San Marino, als allein Podolski viermal traf. "Ein guter Start in die WM-Qualifikation ist für uns enorm wichtig", weiß Löw.

"In der EM-Qualifikation hat uns der Sieg gegen San Marino gleich viel Selbstvertrauen gebracht und durch die Gruppenphase getragen."

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