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Manuel Neuer bestritt auf der Asienreise sein erstes A-Länderspiel © getty

Manuel Neuer ist der große Gewinner des Sommers. Setzt er jetzt bei der WM 2010 die große deutsche Torwart-Tradition fort?

Von Matthias Becker

München ? Er ist im wohlverdienten Urlaub, doch ganz Fußball-Deutschland spricht fast nur über ihn: Manuel Neuer.

Gäbe es eine Extra-Trophäe für den größten Gewinner der Bundesliga-Sommerpause, Neuer wäre der Sieg nicht zu nehmen.

Erst absolvierte er auf der Asienreise der Nationalmannschaft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sein erstes Spiel im A-Team.

Dann eroberte er mit der U-21-Auswahl bei der EM in Schweden den Titel, spielte teils überragend und kassierte nur einen Gegentreffer im gesamten Turnier (NACHBERICHT: "Theo, rück' die Kohle raus").

Großes Lob von Löw

Und während sich Neuer für zwei Wochen in die Sonne verabschiedet hat, wird in der Heimat eine Lobeshymne nach der anderen auf ihn gesungen.

"In den letzten zwei Monaten ist sein Wert noch einmal gestiegen", sagt Bundestrainer Joachim Löw, der dem Schalker Keeper "eine starke Persönlichkeit bescheinigt" und feststellt:

"Er strahlt Ruhe und Kraft aus und das überträgt sich auf die gesamte Mannschaft."

Kowarz schwärmt

Noch enthusiastischer wird Kurt Kowarz, wenn es um Neuer geht. "Ich habe noch nie einen Torhüter mit solch außergewöhnlichen Fähigkeiten gesehen", sagt der Torwarttrainer der deutschen U 21 dem "kicker".

Neuer habe gute Reaktionen, sei fußballerisch sehr stark und könne mit seinen präzisen Abwürfen und Abstößen das Spiel schnell machen, schwärmt Kowarz weiter:

"Ich bin kein Hellseher, aber wenn ich eine Prognose abgeben müsste, würde ich sagen: Neuer steht bei der WM im Tor."

Zeichen durch die Asienreise

Noch vor einem Jahr wäre seine Teilnahme beim Turnier in Südafrika schon als großer Erfolg gewertet worden. Heute ist er so etwas wie die gefühlte Nummer eins.

Es war sicherlich kein Zufall, dass Neuer als einziger Spieler des U-21-Kaders von der Vorbereitung für die EM abgezogen wurde, um von Löw bei der stressigen Asienreise getestet zu werden. 123834(DIASHOW: Die Bilder des Finales)

Löw: "Manuel gehört die Zukunft"

Das DFB-Trainer-Team hat sich inzwischen auf die vier Kandidaten Neuer, Tim Wiese (Werder Bremen), Robert Enke (Hannover 96) und Rene Adler (Bayer Leverkusen) festgelegt.

Löw gibt einen ersten Hinweis, wenn er sagt: "Wir stellen keine Rangfolge auf, aber Manuel gehört die Zukunft."

Neuer selbst weiß, dass "die nächste Saison entscheidet".

Und da hat er gegenüber den Konkurrenten zumindest keinen Nachteil. Denn außer Bremens Wiese spielen diese ebenso wenig international wie er mit Schalke 04.

Neuer Abwerbungsversuch aus München?

Geht es nach dem FC Bayern, könnte Neuer seine Perspektiven sogar noch weiter verbessern.

Die Münchner wollten den 23-Jährigen schon im Juni unbedingt verpflichten und waren angeblich sogar bereit, bis zu 20 Millionen Euro nach Gelsenkirchen zu überweisen.

Nachdem von dort mehr als eine deutliche Absage kam, geht der "kicker" aber trotzdem davon aus, dass die Münchner in der bis 31. August andauernden Transferperiode noch einen Versuch unternehmen werden.

Magath riskiert Konflikt mit Tönnies

Da könnten sich die Bayern bei ihrem Ex-Trainer Felix Magath aber die Zähne ausbeißen.

Magath hat auf Schalke die sportliche Alleinherrschaft übernommen und ist sogar bereit einen Konflikt mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies zu riskieren, um Neuer zu halten (Bayern hakt Neuer ab) .

"Neuer ist der aller, allerletzte Spieler, den ich abgeben würde", sagte Magath. Schalke wolle schließlich um die Meisterschaft mitspielen:

"Da gebe ich doch nicht einen deutschen Nationaltorhüter ab, der auch noch aus Schalke kommt und in Gelsenkirchen geboren ist."

Tönnies hatte vorher durchblicken lassen, dass ein Verkauf möglich sei, wenn "eine Schmerzgrenze" überschritten sei, wie er "Reviersport" sagte.

Neuer entspannt

Die komfortabelste Position hat nun natürlich Neuer selbst. Ikone des Neuaufbaus auf Schalke oder Champions League mit den Bayern - die Alternativen könnten schlechter sein.

"Grundsätzlich gilt: ich habe Vertrag bei Schalke 04, Schalke 04 ist mein Verein, ich kenne und genieße die hohe Wertschätzung der Fans", sagt Neuer und verweist auf Magaths Absage:

"Unser neuer Coach Felix Magath hat eine klare Aussage getroffen, der auch nichts hinzu zu fügen ist."

Die gefühlte Nummer eins bleibt Schalker - vorerst.

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