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Bastian Schweinsteiger (l.) erzielte das zwischenzeitliche 0:4 © imago

Jogi Löw findet nach dem Spiel in Liechtenstein nur lobende Worte und spricht Miroslav Klose eine Einsatzgarantie aus.

Aus St. Gallen berichtet Martin Volkmar

St. Gallen/Vaduz - Nass geschwitzt, aber innerlich in bester Verfassung trat Joachim Löw nach dem Sonntagstraining in der St. Galler AGF-Arena vor die wartenden Journalisten.

Grund für die gute Laune war die Video-Analyse des 6:0-Erfolgs der deutschen Nationalmannschaft zum Auftakt der WM-Qualifikation am Abend zuvor.

"Ich habe mir am Morgen noch mal die Aufzeichnung angeschaut und bin sehr zufrieden, weil Liechtenstein normalerweise gegen große Mannschaften viel bessere Ergebnisse erzielt", erklärte der Bundestrainer.

"Ich denke, mit dem ersten Schritt Richtung WM-Qualifikation können wir zufrieden sein."

Mit Verweis auf die Probleme anderer Top-Nationen an diesem Wochenende und bei früheren Auftritten beim Fußball-Zwerg aus Liechtenstein vernachlässigte Löw die weniger erfreulichen Aspekte und strich die positiven heraus.

Lob für die Einstellung

"Ich habe vor dem Spiel gesagt: So, wie die Einstellung sein wird, so wird auch das Ergebnis ausfallen. Wir sind mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen", lobte der 48-Jährige, für den die Partie beim Weltranglisten-130. den "Charakter eines Pokalspiels" hatte.

Ähnlich sah es Bastian Schweinsteiger. "Das war so wie die erste Runde im Pokal", sagte er Sport1.de nach dem Duell im Dauerregen von Vaduz.

"Da muss man eigentlich noch konzentrierter zu Werke gehen als gegen größere Mannschaften, weil es noch schwieriger ist, sich zu motivieren. Aber das haben wir eigentlich ganz gut geschafft und viele Chancen herausgespielt."

In der Tat stimmte die Einstellung des Teams ebenso wie das Ergebnis und die Tatsache, dass Bayern-Sorgenkind Lukas Podolski zweimal traf, sorgte für zusätzliche Freude im DFB-Lager.

Podolski zeigt, was Klose fehlt

Gerade im Vergleich zu Podolski wurde aber auch überdeutlich, dass Miroslav Klose weiter in einer tiefen Formkrise steckt. Der Ersatz-Kapitän für den verletzten Michael Ballack war nur ein Schatten vergangener Tage.

Trotzdem kam kein kritisches Wort über Löws Lippen. "Miro ist auf jeden Fall körperlich auf dem Weg der Besserung", sagte er und gab dem Routinier zugleich eine Einsatzgarantie für das nächste Qualifikationsspiel am Mittwoch in Finnland.

"Er braucht vielleicht das ein oder andere Erfolgserlebnis in den nächsten Wochen und dann wird man wieder den Miroslav Klose sehen, den wir kennen. Die Tore wären auch mit Klose gefallen."

Dass die Treffer erst nach der Pause fielen, als die tapferen Liechtensteiner ihre Kräfte verließen, wurde ebenfalls nicht weiter thematisiert oder höchstens mit fehlendem Glück im Abschluss begründet.

Eine Halbzeit Probleme im Spiel nach vorne

Dabei blieb in der Offensive lange Zeit vieles nur Stückwerk, zu oft wurde durch die Mitte und zu wenig über außen gespielt, zündende Ideen sah man selten.

"Die erste Halbzeit hat mir nicht sonderlich gefallen, weil dass, was immer gefordert wurde, schnell nach vorne zu spielen, kaum stattgefunden hat", analysierte Sport1-Kolumnist Udo Lattek im DSF-Doppelpass.

"Man hat sich den Ball hinten zugeschoben, wodurch sich Liechtenstein locker hinten reinstellen und die Räume eng machen konnte. Wir sind erst stärker geworden, als Liechtenstein schwächer wurde. Dann haben wir aber phasenweise so gespielt, dass man sagen kann: Diese Mannschaft hat Zukunft!"

Verletzte Stammkräfte nicht vermisst

Dieser letzte Eindruck, der bekanntlich haften bleibt, war vermutlich der Hauptgrund für die Zufriedenheit im deutschen Lager. Und die Tatsache, dass die verletzten Stammkräfte Ballack, Torsten Frings und Per Mertesacker nicht groß vermisst wurden.

"Wir haben einige junge Spieler mit viel Erfahrung, die über Jahre in der Nationalmannschaft sehr gute Leistungen gezeigt haben", lobte Löw.

"Lukas hat wie einige andere eine sehr gute Einstellung mitgebracht und zwei Tore erzielt. Aber auch Bastian Schweinsteiger, Thomas Hitzlsperger und Philipp Lahm zeigen seit Monaten starke Leistungen."

Hinzu kam die überzeugende Vorstellung des neuen Abwehr-Dreiecks Robert Enke, Heiko Westermann und Serdar Tasci sowie von Piotr Trochowski. Mittwoch in Helsinki wird sich zeigen, ob die neue Zuversicht auch den ersten Härtetest übersteht.

"Finnland um Klassen besser"

"In Finnland wird es ein ganz anderes Spiel. Viel leidenschaftlicher, viel härter und mit einer ganz anderen Atmosphäre", weiß Löw.

"Finnland ist um Klassen besser als Liechtenstein. Wir werden aber versuchen, dort so offensiv zu spielen wie in Liechtenstein und auch das Spiel zu gewinnen."

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