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Podolski (r.) traf gegen Liechtenstein doppelt, Klose ging hingegen leer aus © imago

Was die Leistung angeht, trennen Miroslav Klose und Lukas Podolski momentan Welten. Doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit.

Aus St. Gallen berichtet Martin Volkmar

St. Gallen - Der eine ließ Taten statt Worte sprechen. Der andere war auf dem Platz nicht zu sehen und versuchte das danach vergeblich zu erklären.

So unterschiedlich wie die Leistungen von Lukas Podolski und Miroslav Klose beim 6:0 gegen Liechtenstein waren auch die Auftritte danach.

"Poldi" kam als einer der ersten und ging auch als einer der ersten, denn seine Antworten waren wieder mal rekordverdächtig kurz.

"Auch schon vor den Toren selbstbewusst"

Ob der Doppelpack gut fürs angekratzte Selbstbewusstsein gewesen sei? "Ich habe auch schon vor den zwei Toren Selbstbewusstsein gehabt", sagte der Bayern-Bankdrücker Sport1.de.

Auch sei seine Leistung keine Botschaft an seinen Klub gewesen, wo er weiterhin nur zweite Wahl ist: "Nee, gar nicht."

Kein Kommentar zu Real Madrid

Die öffentlich vorgetragenen Wechselabsichten wiederholte er zwar nicht, dementieren wollte Podolski das angebliche Interesse von Real Madrid aber auch nicht: "Das möchte ich nicht kommentieren."

Und weiter: "Ich habe ja gesagt, dass ich unzufrieden bin, wenn ich nicht spiele. Bei der Nationalmannschaft fühle mich hier sehr wohl und habe das Vertrauen das Trainers."

Das ist wohl der entscheidende Unterschied zum FC Bayern. Warum allerdings in München Miroslav Klose die Nase vorn haben soll, ist aus sportlicher Sicht kaum mehr nachvollziehbar.

Lattek: "Kloses Bonus ist aufgebraucht"

"Der Bonus von Miro Klose ist aufgebraucht. Jetzt müssen ihn Joachim Löw und Jürgen Klinsmann auch mal auf die Bank setzen", forderte Ex-Bayern-Coach Udo Lattek im DSF-Doppelpass.

"Mann muss jetzt die Reißleine ziehen, er soll sich neu konzentrieren und ausräumen, was ihn belastet."

Über diese Gründe für die Formkrise des WM-Torschützenkönigs rätseln die Experten. Die anhaltenden Gerüchte über private Probleme bestritt Klose zum wiederholten Mal.

"Nein, ich habe kein Kopfproblem. Mir geht es gut", sagte der 30-Jährige. Dass es aber zumindest mit seiner Konzentration momentan nicht weit her ist, zeigte ein kleiner Zwischenfall in der Halbzeit.

Spielführerbinde in der Kabine vergessen

Der 83-malige Nationalspieler, der Michael Ballack als Kapitän vertrat, hatte die Binde in der Kabine vergessen, so dass die zweite Hälfte erst mit Verspätung angepfiffen werden konnte.

Trotz allem sieht der Bundestrainer den Routinier weit weniger kritisch. "Miro ist auf jeden Fall körperlich auf dem Weg der Besserung", wiederholte Joachim Löw seine Aussagen vor dem Spiel.

"Er braucht vielleicht das ein oder andere Erfolgserlebnis in den nächsten Wochen und dann wird man wieder den Miroslav Klose sehen, den wir kennen. Er ist ein Stürmer mit internationalem Format und wird seine Form auch wieder finden."

Auch Gomez und Kuranyi nicht in Top-Form

Daher soll Klose das Team auch am Mittwoch in Finnland als Spielführer aufs Feld führen. Leichter macht es Löw dabei die Tatsache, dass die Nachrücker Mario Gomez und vor allem Kevin Kuranyi ebenfalls nicht in Top-Form sind.

Und Patrick Helmes, der eigentlich nach seinem guten Saisonstart in Leverkusen einen Platz in der Startelf verdient hätte, bleibt in der Stürmer-Hierarchie vorerst nur die Nummer fünf.

"Mich stellt die Situation nicht vor ein Problem", meinte Löw. "Ich weiß, dass Gomez, Kuranyi und auch Klose Stürmer mit viel Torinstinkt und Qualitäten sind. Auch sie werden wieder ihre Treffer erzielen."

Löws Treue zahlt sich aus

Zumindest bei Podolski hat sich die Treue des Bundestrainers bislang ausgezahlt. Schon bei der EM-Endrunde gehörte der 23-Jährige nach einer enttäuschenden Saison beim FC Bayern zu den besten DFB-Akteuren.

Gegen Liechtenstein brachte "Poldi" die deutsche Mannschaft mit seinen Länderspieltreffern 29 und 30 auf die Siegerstraße und verdrängte dadurch Andreas Möller von Platz 14 der ewigen DFB-Torschützenliste.

"Beide Tore waren klasse herausgespielt", lobte Löw. "Wenn Lukas so aus der Bewegung kommt, ist er nur schwer aus dem Spiel herauszunehmen."

Ein ähnliches Patentrezept müsste der Bundestrainer nun für Klose und auch für Gomez und Kuranyi finden.

Vielleicht reicht aber auch anhaltende Rückendeckung aus. Podolski ist dafür ja das beste Beispiel.

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