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Piotr Trochowski hat bislang 14 Länderspiele auf seinem Konto © imago

Piotr Trochowski hat seine Chance gegen Liechtenstein genutzt und sich in der Vordergrund gespielt. Jetzt soll der Stammplatz her.

Aus St. Gallen berichtet Martin Volkmar

St. Gallen - Bei der EM spielte er keine einzige Minute, doch rund zwei Monate später ist Piotr Trochowski auf dem Weg zur festen Größe im DFB-Team.

Der kleine Hamburger war neben Lukas Podolski der Gewinner des 6:0 in Liechtenstein und erhielt für seine Leistung Lob von allen Seiten.

"Piotr Trochowski hat noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat mehr Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten", meinte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Abflug am Montagmittag aus dem Quartier in St. Gallen zum Spiel in Finnland.

"Er setzt immer mehr um, was er bei uns schon länger im Training gezeigt hat, aber nie so richtig im Spiel."

"Der bessere Ballack"

Fast schon euphorisch äußerte sich DSF-Experte Udo Lattek. "Er war der bessere Ballack! Er hat hervorragend gespielt", sagte er im Doppelpass.

"Was er über die linke Seite gemeinsam mit Podolski ablieferte, sah richtig gut eingespielt aus. So gut habe ich ihn in der Nationalmannschaft noch nie gesehen. Wenn das keine Eintagsfliege war und er die Leistung gegen Finnland bestätigen kann, dann muss Ballack wirklich aufpassen!"

Was Trochowskis Höhenflug in den letzten beiden Spielen gegen Belgien (2:0) und Liechtenstein wirklich wert ist, dürfte sich schon am Mittwoch in Finnland (ab 19 Uhr LIVE ) und bei den weiteren WM-Qualifikationsspielen im Oktober gegen Russland und Wales zeigen.

Stammplatz im DFB-Team als erklärtes Ziel

Sollte der HSV-Mittelfeldspieler seinen Formanstieg gegen diese wesentlich höher einzuschätzenden Gegner bestätigen, hätte er einen großen Schritt zum Stammspieler gemacht.

Denn das ist das erklärte Ziel. "Der Bundestrainer meinte, dass von mir mehr kommen muss. Ich habe mir nach der EM einiges vorgenommen und werde versuchen, anzugreifen", sagte Trochowski. "Wenn ich das Vertrauen geschenkt bekomme, dann gebe ich es auch zurück."

Hilfreicher Trainerwechsel beim HSV

Dies war zuletzt nicht nur bei der Nationalmannschaft, sondern auch beim Hamburger SV der Fall. Geholfen hat ihm dabei der Trainerwechsel vom eher defensiv orientierten Huub Stevens zu Martin Jol und auch der Weggang von Rafael van der Vaart.

"Wir haben mit ihm einen sehr guten Griff gemacht", sagte "Troche" über Jol. "Er ist ein sehr guter Trainer, der mir geholfen und mich motiviert hat."

Leistungsträger im Klub

Sieben Punkte holten die Hanseaten aus den ersten drei Spielen und Trochowski gehörte immer zu den Leistungsträgern.

Kein Vergleich zur Vorsaison, als er unter Stevens häufig nur Bankdrücker war und bis zuletzt um seinen Platz im EM-Aufgebot bangen musste.

Löw nahm ihn dennoch mit zur Euro, schenkte ihm dort aber kein Vertrauen. "Ich habe mich im Training voll reingehängt, deshalb war die Enttäuschung schon sehr groß", erklärte Trochowski, der nicht eine Minute spielte. "Aber das ist Schnee von gestern."

Risikoreiches Spiel als Fluch und Segen

Aktuell hat er das Vertrauen des Bundestrainers, das er für sein risikoreiches Spiel braucht. Denn oft gehen Trochowskis Pässe auch ins Leere. Wenn sie aber ankommen, sorgt das meist für gefährliche Szenen. So wie gegen Liechtenstein bei seinen Vorlagen zu den zwei Toren von Lukas Podolski.

"Ich versuche immer, den tödlichen Pass zu spielen. Da kann nicht jeder Ball ankommen. Aber mir reicht es, wenn einer ankommt und wir dadurch 1:0 gewinnen. Deshalb werde ich so weiterspielen", erklärte er.

Gutes Zusammenspiel mit Lahm

Dabei profitiert der 24-Jährige auch von seinem Partner auf der linken Seite, die sich aktuell zum Paradestück des deutschen Teams entwickelt hat. Philipp Lahm kennt Trochowski schon aus gemeinsamen Zeiten in der B-Jugend des FC Bayern.

"Piotr blüht jetzt richtig auf. Er ist im Moment sehr gut drauf und deshalb freut es mich, mit ihm zusammenzuspielen", erklärte Lahm, der gegen Finnland sein 50. Länderspiel bestreiten wird.

Trochowski gibt das Lob gerne zurück: "Philipp hinter sich zu wissen, ist ein gutes Gefühl. Er ist in meinen Augen absolute Weltklasse auf dieser Position."

Davon ist der 14-fache Nationalspieler noch einiges entfernt. Einen ersten Schritt hat er in den vergangenen Monaten aber gemacht. Nun muss gegen Finnland der zweite folgen.

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