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Bierhoff (l.) und Ballack spielten von 1999 bis 2002 noch gemeinsam für die DFB-Elf © imago

Wenn es nach DFB-Boss Zwanziger geht, sollte der Streit mittlerweile beendet sein. Doch von Harmonie ist noch nichts zu bemerken.

Von der DFB-Elf berichtet Martin Volkmar

St. Gallen/Helsinki - Entgegen aller Beteuerungen schwelt der Konflikt zwischen Oliver Bierhoff und Michael Ballack weiter.

Und er erschwert zumindest die Konzentration der deutschen Nationalmannschaft auf die WM-Qualifikation, in der am Mittwoch mit Finnland (ab 19 Uhr LIVE) der erste Härtetest bevorsteht.

Daher sah sich DFB-Präsident Theo Zwanziger am Montag genötigt, öffentlich ein Ende des Streits zwischen Teammanager und Kapitän zu fordern.

"So etwas muss intern geklärt werden und darf nicht über die Medien immer am Laufen gehalten werden", erklärte der Verbandsboss.

"Von meiner Seite aus ist alles gesagt"

Immerhin legte Bierhoff nicht noch mal nach. Er werde sich nicht mehr zu diesem Thema äußern, sagte er Sport1.de: "Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich blicke nach vorne."

Ähnlich äußerte sich der Ex-Nationalspieler schon Mittwoch nach der offiziellen Versöhnung der beiden Streithähne, die unmittelbar nach dem EM-Finale gegen Spanien auf dem Platz heftig aneinander geraten waren.

Gleichzeitig hatte Bierhoff aber den bislang unumstrittenen Ballack sportlich in Frage gestellt.

"Die Nationalmannschaft hat mit Michael Ballack gute Spiele gemacht, und sie hat ohne Michael Ballack gut gespielt. Sie ist also nicht abhängig von ihm", hatte er erklärt.

Ballacks Konter

Nun konterte Ballack. "Die Nationalmannschaft hat schon gewonnen, als Oliver Bierhoff noch nicht ihr Manager war", sagte der momentan verletzt fehlende Mittelfeldspieler der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Und auch zukünftig wird es für den Erfolg nicht entscheidend sein, ob Bierhoff Manager ist oder nicht."

Freunde dürften die beiden wohl nicht mehr werden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da mittlerweile Ruhe eingekehrt ist", meinte auch Udo Lattek im DSF-Doppelpass.

"Klar ausgeräumt ist der Konflikt dieser beiden Sturköpfe, die so unterschiedlich sind, damit wohl nicht. Das zeigt sich erst wenn Ballack wieder bei der Mannschaft mit dabei ist."

Zumindest bis zu den WM-Qualifikationsspielen im Oktober gegen Russland und Wales, wenn der Chelsea-Star nach auskurierter Fußverletzung zurückkehren soll, wird das Problem wohl weiter köcheln.

Zwanziger will nicht noch mal schlichten

Zumal Zwanziger, der bei dem so genannten Schlichtungsgespräch in der Sportschule Oberhaching telefonisch zugeschaltet war, eine erneute Vermittlung vorerst ausschloss. "Beide müssen selbst zusammenfinden", sagte er.

So lange werden die Spekulationen über ein tiefer gehendes Zerwürfnis der beiden weitergehen. So berichtete der "kicker", dass einer der Hauptgründe des Konflikts die verschiedenen Werbepartner von Bierhoff und Ballack seien.

Darüber hinaus hat der Kapitän offenbar ein grundsätzliches Problem mit seinem Vor-Vorgänger beim DFB, der sich in den wüsten Beschimpfungen nach dem EM-Finale entluden.

Probleme mit Bierhoffs "Besserwisserei"

Ebenso wie vielen Verantwortlichen aus der Bundesliga, allen voran Rudi Völler, stört sich angeblich auch Ballack an Bierhoffs Auftreten. Seine Einlassungen über die Modernisierung der Nationalmannschaft seit der Amtsübernahme von ihm, Jürgen Klinsmann und Joachim Löw werden häufig als besserwisserisch wahrgenommen.

Gleichzeitig hat auch Ballacks Standing in der DFB-Auswahl gelitten, weil er bei der EM-Endrunde vor allem die jungen Mitspieler oft hart kritisierte und selber nicht die von allen erhofften Top-Leistungen abrufen konnte.

Deshalb hat Trainer-Altmeister Udo Lattek einen guten Rat. "Ballack kann seine Macht in der Nationalmannschaft nur zurückgewinnen, wenn er nach seiner Rückkehr Leistung bringt. Er darf jetzt nicht klein beigeben, aber auch nicht das Maul aufreißen, er muss einfach nur gut Fußball spielen."

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