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Die deutsche U-21-Nationalelf besiegte im EM-Finale England mit 4:0 © getty

Die Talente erkämpfen sich ihre Plätze in der Bundesliga zurück. Einige werden gar hartnäckig beim Bundestrainer vorstellig.

München - Mit drei EM-Titeln im Rücken (U 21 feiert) starten die Talente in der Bundesliga den größten Angriff seit dem Bosman-Urteil.

Nie zuvor seit jenem Richterspruch von 1995, der einen extremen Anstieg des Ausländeranteils bewirkte, standen so viele junge Deutsche im Kader. Nie zuvor in diesem Zeitraum waren mehr Spitzenkräfte darunter.

Über 40 Prozent der Bundesliga-Spieler sind 23 Jahre oder jünger, fast fünf Prozent mehr als in der vergangenen Saison.

Und vor allem der Kader der U-21-Europameister bietet zahlreiche Kandidaten auf den ganz großen Durchbruch.

20 der 23 Akteure aus dem Kader stehen bei Bundesligisten unter Vertrag, mehr als ein halbes Dutzend von ihnen darf sogar auf eine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika hoffen (Hrubesch: "WM kommt zu früh").

Löw macht Hoffnung

"Manche haben schon bei uns gespielt. Manche kommen vielleicht schon bald hinzu. Und einige haben die Chance, kurzfristig auf den WM-Zug aufzuspringen", meint Bundestrainer Joachim Löw.

Der Schalker Torhüter Manuel Neuer (Perfekter Sommer für die gefühlte Nummer eins), Außenverteidiger Andreas Beck (Hoffenheim) und die Bremer Offensivspieler Marko Marin und Mesut Özil haben hervorragende Aussichten auf eine WM-Teilnahme.

Auch die Innenverteidiger Benedikt Höwedes (Schalke), Jerome Boateng (Hamburg) oder Mittelfeldspieler Sami Khedira (Stuttgart) haben realistische Chancen, auch Gonzalo Castro (Leverkusen) oder Mats Hummels (Dortmund) dürfen bei optimalem Saisonverlauf hoffen.

"Mesut ist genial"

Nach dem Triumph von Malmö, womit der DFB nach den Erfolgen bei U 19 und U 17 als erster Verband gleichzeitig im Besitz aller EM-Titel im Juniorenbereich ist, lobte Löw vor allem Neuer und Özil.

Neuer habe "phänomenal gehalten", ihm gehöre die Zukunft. "Und wenn Mesut sein Potenzial ausschöpft, ist er einfach genial."

Hinzu kommt schon wieder ein ganzes Rudel nachrückender junger Wilder.

WM als Problem

Die U-19-Europameister von 2008 stehen vor einem ganz wichtigen Jahr.

Sie bilden sowohl den Kern der U 20, die im September/Oktober bei der WM in Ägypten antritt, als auch der neuen U 21, die die Qualifikation für die EM 2011 schaffen soll - und haben genau deshalb ein Problem.

Manche fürchten durch wochenlange Abwesenheit Probleme im Kampf um den so nahen Stammplatz, manche Vereine wollen die Spieler als Zeichen gesteigerten Wertes nicht freigeben.

Badstuber darf nicht zur WM

Bayern München hat bereits öffentlich gemacht, dass man Verteidiger Holger Badstuber, der auf dem besten Weg zu einem Stammplatz ist, nicht für die U-20-WM freistellen werde.

Aber auch Timo Gebhart in Stuttgart oder Toni Kroos in Leverkusen sind aus diesem Kreis Kandidaten bei ihren Klubs für einen Platz in der ersten Elf.

Auch Gebharts Klubkollege Christian Träsch, Stefan Reinartz (Leverkusen), die Schalker Lewis Holtby und Denny Latza, der Nürnberger Denis Diekmeier, der Dortmunder Sven Bender oder die Kölner Taner Yalcin und Kevin Pezzoni gehören zu dieser Kategorie.

Mainz ändert Konzept

Und auch Klubs, die bisher weniger auf Talente gesetzt haben, kündigen einen Wertewechsel an.

Im Aufstiegskampf der Zweiten Liga habe man in erster Linie auf erfahrene Kräfte gesetzt, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel: "Das wird sich ändern."

Das Fundament ist da, die Mainzer A-Jugend wurde in diesem Jahr zum ersten Mal Meister.

Der 18 Jahre alte Stürmer Andre Schürrle ist die Überraschung der Vorbereitung und ganz nahe am Stammplatz.

Wo bleiben die Stürmer?

Und gerade Offensivspieler werden gebraucht. Denn Löw hat ein großes Problem erkannt.

Die U 21 habe die EM "fast ohne Stürmer bestritten. Und wenn man die U 20 oder die U 19 sieht, da kommt auch nicht viel Qualität und Quantität im Sturm nach. Man müsste es schaffen, dass jedes Jahr Podolskis oder ein Mario Gomez nachrücken. "

Die Hoffnungsträger hier stehen in den Vereinen meist im zweiten oder dritten Glied:

Thomas Müller (Bayern München), Richard Sukuta-Pasu (Leverkusen), Alexander Esswein (Wolfsburg), Marco Terrazzino (Hoffenheim) oder Julian Schieber und Alessandro Riedle (beide Stuttgart).

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