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Oliver Bierhoff (r.) im Quali-Rückspiel 2001 gegen Janne Saarinen © imago

Es gab Zeiten, da waren deutsche Siege gegen Finnland nur eine Frage der Höhe. Heute jedoch ist der Respekt vor dem Gegner groß.

Vom DFB-Team berichten Martin van de Flierdt und Martin Volkmar

Helsinki - Es gab Zeiten, in denen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor einem WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland den Sinn intensiven Aufwärmens hinterfragten.

Schließlich, so hätten sie argumentieren können, hatten sie die Nordeuropäer auch aus dem Stand rund spielen können. Im Vorfeld der WM 1982 in Spanien siegten die DFB-Kicker in Finnland mit 4:0, daheim ließen sie gar ein 7:1 folgen.

Vor der WM 1990 in Italien war der angehende Weltmeister mit den besten Balltretern Suomis beim 4:0-Auswärtserfolg und einem 6:1 daheim nur wenig gnädiger.

Schützenfest? Das war einmal

An ein ähnliches Schützenfest beim WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch (ab 19 Uhr LIVE) im Olympiastadion von Helsinki verschwendet aber niemand im deutschen Lager auch nur einen Gedanken.

Denn die einst belächelten Nordlichter sind zu einem ernsthaften Rivalen um die Spitzenplätze der WM-Qualifikationsgruppe 4 erwachsen.

"Finnland wird mindestens eine Stufe schwerer als Liechtenstein", meint Bastian Schweinsteiger. "Die Finnen sind nur knapp an der EM-Teilnahme gescheitert und haben einige gute Spieler. Es wird ein sehr zweikampfbetontes Spiel werden."

"Erster Härtetest"

Teammanager Oliver Bierhoff zählt die Mannschaft des englischen Trainers Stuart Baxter zu den "schwereren Brocken" in der Gruppe.

Beim 6:0 in Liechtenstein zum Start in die WM-Qualifikation habe die DFB-Auswahl zwar "mit sehr viel Engagement und Harmonie" gespielt. "Doch gerade Finnland ist der erste Härtetest, dem das Team standhalten muss", forderte Bierhoff im Gespräch mit Sport1.de.

Man darf gespannt sein, ob die neue Abwehrzentrale mit Torwart Robert Enke und den beiden Innenverteidigern Serdar Tasci und Heiko Westermann auch erhöhten Anforderungen souverän standhält.

Hitzlsperger, Rolfes und Trochowski auf dem Prüfstand

Helsinki wird zudem genauere Aufschlüsse darüber bringen, ob Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes die abwesenden Platzhirsche Michael Ballack und Torsten Frings auch gegen ernstzunehmende Gegnerschaft gleichwertig ersetzen können und ob sich Piotr Trochowski gegen ebensolche in Szene zu setzen vermag.

Dass die Finnen inzwischen in diese Kategorie aufgestiegen sind, weiß Bierhoff aus unguter Erinnerung. In der Qualifikation zur WM 2002 in Südkorea und Japan musste er sich mit der Auswahl Rudi Völlers in den bislang letzten Partien gegen Suomi zweimal mit einem Remis zufrieden geben.

Im Hinspiel hatte der heutige Hannoveraner Mikael Forssell, geboren in Steinfurt bei Münster, die Finnen am 2. Juni 2001 in Helsinki gegen ein desolates DFB-Team zu einer 2:0-Halbzeitführung geschossen.

Janckers spektakulärer Knaller

Ein bärenstarker Oliver Kahn verhinderte Schlimmeres, so dass die deutsche Elf durch einen schmeichelhaften Foulelfmeter Ballacks - Carsten Jancker war mehr oder minder der Schwerkraft anheimgefallen - und einen sehenswerten Distanzschuss Janckers ein schmeichelhaftes 2:2 erreichte.

"Sie kommen immer wieder zurück", meinte der diesmal verletzt fehlende finnische Superstar Jari Litmanen damals ernüchtert. "Das ist das Leben, das ist deutsch."

Im Rückspiel am 6. Oktober des gleichen Jahres in Gelsenkirchen wusste die deutsche Auswahl dieses Kompliment aber nicht zu bestätigen.

Im Fernduell mit England hätte ihr ein Sieg das direkte WM-Ticket eingebracht. Doch Unvermögen und ein überragender finnischer Schlussmann Antti Niemi ließen einen deutschen Erfolg nicht zustande kommen.

Bierhoffs Privatduell mit Niemi

"Die Kritik hat sich schon stark auf mich konzentriert, daran kann ich mich noch gut erinnern", denkt Bierhoff zurück. "Dabei war ich damals mit meiner Leistung gar nicht so unzufrieden."

Der Angreifer hatte zwischen der 65. und 75. Minute zunächst die Latte getroffen, ehe er mit einem Schuss und einem platzierten Kopfball an Niemi scheiterte. Schließlich lenkte der finnische Schlussmann auch noch einen Heber Bierhoffs an die Latte.

So mussten die deutschen Spieler nach Abpfiff ihres 0:0 auf TV-Monitoren miterleben, wie David Beckham England mit einem Freistoßtor zum 2:2 gegen Griechenland in letzter Minute zur WM schoss, während sie in der Relegation gegen die Ukraine antreten mussten.

Gleich vorneweg laufen

Ein ähnliches Szenario gilt es in der laufenden Qualifikation zu vermeiden. "Ein Sieg wäre ein wichtiger Schritt", sagt Bierhoff daher. "Dann hat man die optimale Punkteausbeute geholt, läuft direkt vorneweg und kann im Oktober gegen Wales und vor allem Russland noch einen weiteren Schritt machen."

Liverpools Abwehrrecke Sami Hyypiä und Forssell, die einzigen "Überlebenden" der Begegnung auf Schalke, werden mit ihrem Team ihr Möglichstes tun, um das zu verhindern.

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