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Für Philipp Lahm ist die Partie gegen Finnland das 50. Länderspiel © imago

Während Westermann und Tasci den arrivierten Defensiv-Kräften den Rang ablaufen, hat Lahm im DFB-Team einen Stammplatz sicher.

Aus Helsinki berichtet Martin van de Flierdt

Helsinki - Philipp Lahm verfügt über einen Status, der ihn in den Tagen vor dem WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch in Helsinki gegen Finnland (ab 19 Uhr LIVE) unter den deutschen Abwehrspielern einzigartig macht: Er ist unumstrittener Stammspieler.

"Philipp hält seit Jahren permanent ein wahnsinnig hohes Niveau und legt eine Konstanz an den Tag, die kein anderer Spieler gezeigt hat", lobt Bundestrainer Joachim Löw den Münchner Außenverteidiger, "für mich ist er ein Weltklassespieler."

Duo mit weißer Weste

Daneben will im Olympiastadion von 1952 auch Heiko Westermann zumindest hinsichtlich des Stammplatzes einen großen Schritt in die Richtung machen, die Lahm schon lange eingeschlagen hat.

Zweimal hat der während der EM noch zum Bankdrücken verurteilte Schalker zuletzt mit dem Stuttgarter Serdar Tasci die Innenverteidigung gebildet, zweimal spielte die deutsche Auswahl zu null.

Gegen Liechtenstein gelang Westermann zudem als Sahnehäubchen sein erstes Länderspieltor zum 6:0-Endstand. In Finnland erwartet ihn nun ein echter Härtetest.

"Der Bundestrainer gibt mir die Chance, in der Abwehrzentrale zu spielen. Da liegen meine Stärken", begründet der 25-Jährige seine guten Leistungen mit nur dürftig versteckter Kritik an seinem Vereinstrainer Fred Rutten. Der Niederländer hatte den Defensivallrounder zuletzt im Mittelfeld aufgeboten.

Auf Tasci ist Verlass

An der Seite Westermanns erwies sich der Stuttgarter Serdar Tasci in seinen ersten beiden Länderspielen als verlässlicher Partner in der Innenverteidigung.

"Wir haben zweimal zusammen verteidigt, und das Zusammenspiel klappt immer besser", findet der 21-Jährige, "wir sind beide Spieler, die ihre Aufgabe sachlich erledigen und die Ruhe bewahren."

Er sei im deutschen Auswahlkader angekommen, meint der Sohn türkischer Gastarbeiter, der keinen Geringeren als Christoph Metzelder vorerst aus der Startelf verdrängt hat.

"Metze ist zweite Wahl"

"Der Trainer hat gesagt, dass das Leistungsprinzip zählt. Damit sind die Karten neu gemischt", sagt Tasci voller Selbstvertrauen, "wer der Beste im Training ist, spielt."

Metzelder hatte vor dem Liechtenstein-Spiel im Sport1-Interview noch behauptet, dass es an ihm "keine Zweifel gibt", wenn er gesund sei. Nicht zuletzt deswegen hatte er sich vorgenommen, wieder mehr Führungsaufgaben im Nationalteam zu übernehmen.

"Metze ist jetzt erstmal zweite Wahl", stellt Löw nüchtern fest, "trotzdem steht ihm eine Führungsrolle in der Mannschaft weiterhin zu. Wir müssen ihn in den nächsten Monaten wieder stark machen. Denn er wird in den nächsten Jahren weiter sehr wichtig für uns sein."

Fritz auf der Kippe

Gedanken darüber, dass er selbst nach der Rückkehr des in Bremen gerade wieder ins Training eingestiegenen Per Mertesacker seinen Platz im Team an einen erstarkten Metzelder verlieren könnte, macht sich der Schalker derzeit offenbar nicht.

In Sorge um seine Stellung in der Mannschaft muss dagegen Clemens Fritz sein, auch wenn der Bremer Rechtsverteidiger im Abschlusstraining am Dienstag noch das Leibchen der auserwählten Elf überstreifen durfte.

"Er war gegen Liechtenstein nicht in der Verfassung, die man von ihm kennt. Er war nicht so präsent", räumt Löw ein, "er lebt von seiner Technik und Dynamik, beides hat ihm in Vaduz gefehlt."

Hinkel lauert auf seine Chance

Um diese Qualitäten könnte gegen die Finnen Andreas Hinkel das deutsche Spiel bereichern. "Beim FC Sevilla und Celtic Glasgow habe ich eine gewisse Erfahrung gesammelt und eine Winner-Mentalität entwickelt", behauptet der ehemalige Stuttgarter von sich, "die werde ich versuchen einzubringen."

Gelingt ihm das, dürfte er im Oktober bei den nächsten WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales seinen Platz im Aufgebot verteidigen, auch wenn der Berliner Arne Friedrich zurückkommt, der derzeit verletzungsbedingte Fitnessrückstande aufholt.

Wenn nicht, wird womöglich der Seitenwechsel von Linksverteidiger Lahm wieder ein Thema. Das würde den Neu-Hamburger Marcell Jansen freuen. Denn der hat derzeit ein gravierendes Problem: Lahm ist unumstritten und hat (s)einen Stammplatz.

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