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Patrick Helmes bestritt bislang sechs Länderspiele für Deutschland © getty

Patrick Helmes zeigt sich enttäuscht, dass er zuletzt bei Löw nicht zum Zug kam. Er ist aber sicher, dass seine Zeit kommen wird.

Aus Helsinki berichtet Martin van de Flierdt

Helsinki - Sein Name fällt immer wieder, wenn Joachim Löw über die Hoffnungsträger der nahen Zukunft spricht. "Von Patrick Helmes erwarte ich mir einiges", sagt der Bundestrainer.

Dennoch nominierte er den Neu-Leverkusener, der bei Bayer mit drei Toren in vier Pflichtspielen einen guten Saisonstart hingelegt hat, nicht für den 18er-Kader für die WM-Qualifikationspartie gegen Liechtenstein (6:0).

"Klar, habe ich gedacht, dass ich dabei bin", macht Helmes keinen Hehl aus seiner Enttäuschung.

Im Sport1-Interview spricht er über seine gestiegenen Ansprüche im DFB-Team und das erste Derby mit Bayer gegen seinen Ex-Klub Köln.

Sport1: Herr Helmes, Sie standen gegen Liechtenstein nicht im 18er-Kader. Hat Sie das überrascht?

Patrick Helmes: Klar, habe ich gedacht, dass ich dabei bin, denn ich habe in der Bundesliga ja auch gute Leistungen gezeigt. Das war mal wieder eine Entscheidung, mit der ich klar kommen muss. Anscheinend hat es einfach noch nicht gereicht. Meine Zeit wird kommen.

Sport1: Können Sie die Entscheidung denn nachvollziehen?

Helmes: Natürlich haben die anderen vier Stürmer insofern einen Vorsprung, dass sie schon ein bisschen länger in der ersten Liga spielen und den einen oder anderen Einsatz in der Nationalmannschaft mehr haben als ich. Von daher ist es normal, dass ich noch ein bisschen hintendran bin. Aber ich habe schon gehofft, gegen Liechtenstein meine Chance zu bekommen. Es sollte nicht sein. Der Trainer wird schon wissen, wann er mich bringen wird.

Sport1: Joachim Löw lobt Sie derzeit, wann immer er kann. Wie ist die interne Kommunikation?

Helmes: Der Trainer redet viel mit mir, das ist auch gut für mich. Es war zwar schade, dass ich bei der EM nicht dabei war. Das habe ich aber aufgrund der neuen Aufgabe in Leverkusen gut verkraftet. Ich weiß, dass der Trainer verdammt viel von mir hält.

Sport1: Dennoch lässt er Sie nicht spielen?

Helmes: Er sagt, ich müsse Geduld haben. Aber ich hoffe, dass ich in spätestens einem halben Jahr mittendrin bin. Warum sollte ich abwarten? Wir Stürmer sind alle fünf in derselben Liga und können uns jetzt jede Woche miteinander messen. Ich bin nicht mehr die Nummer fünf, sondern einer von Fünf, auch wenn ich gegen Liechtenstein draußen gesessen habe.

Sport1: Heißt das, Sie werden ungeduldig, wenn Sie nicht bald mehr Einsatzzeit in der Nationalmannschaft erhalten?

Helmes: Ich will schon in einem halben Jahr eine feste Größe sein, das ist mein Ziel. Ich habe mir schon in Köln beinahe die EM-Teilnahme erarbeitet. Letztendlich hat Oliver Neuville einen kleinen Vorteil gehabt, so dass ich nach Hause gefahren bin. Aber jetzt geht alles von vorne los und ich arbeite hart an mir.

Sport1: Ihr Vereinstrainer Bruno Labbadia hat zuletzt Ihre Trefferquote bemängelt.

Helmes: Er hat klar gesagt, dass ich einer der Führungsspieler in der Mannschaft bin. Von daher bin ich auch einer der Ersten, der um die Ohren bekommt. Bruno Labbadia war selbst ein Klassestürmer. Er weiß, wovon er redet. Wenn er mich kritisiert, sehe ich das eher als Anreiz, die Dinger reinzumachen, damit er dann nichts mehr sagt.

Sport1: Sie sind unter großem Mediengetöse von Köln nach Leverkusen gewechselt. Müssen Sie immer noch mit Schmähungen von der linken Rheinseite leben?

Helmes: Nein, persönlich kam nie etwas und wird auch nie etwas kommen. Ich habe in der Rückrunde gezeigt, dass ich alles für den Verein gebe, und habe die nötigen Tore geschossen. Es war ein versöhnlicher Abschied mit dem Aufstieg. Die Fans haben mich geliebt, ich bin da gut angekommen. Deshalb hat es ihnen wehgetan, dass ich weggegangen bin. Dort ist nie etwas Böses gewesen, deshalb bin ich im Guten weggegangen.

Sport1: War es im Nachhinein klug, die Wechselabsicht so früh öffentlich zu machen?

Helmes: Ich bin eben nicht der Typ, der monatelang verhandelt, wenn die Sache für mich klar und erledigt ist. Ich hätte natürlich noch pokern können, aber das wäre ja völliger Blödsinn gewesen. So wusste der FC, dass ich diesen Sommer weg bin und konnte entsprechend planen. Mit den Jungs verstehe ich mich immer noch gut, auch mit Manager Michael Meier und Präsident Wolfgang Overath.

Sport1: Was erwarten Sie vom ersten Derby im Bayer-Trikot?

Helmes: Ich freue mich darauf, weil ich meine alten Kollegen sehe. Natürlich weiß ich, dass ich in Köln ausgepfiffen werde. Aber das ist normal. Die Leute dort wissen schon, was ich für den FC geleistet habe. Von daher denke ich, dass es nicht ganz so wild wird.

Sport1: Am Wochenende treffen Sie mit Bayer erst einmal auf den HSV, der enorm aufgerüstet hat. Herrscht da eher Vorfreude oder Angst?

Helmes: Das wird ein Topspiel, weil Hamburg auch eine spielerisch starke Mannschaft ist. Da werden wir unsere Chancen bekommen und hoffentlich nutzen. Wir sind gut drauf, der HSV auch. Das wird ein offensives Hin und Her, auf das wir uns alle freuen.

Sport1: Haben Sie bei der Nationalmannschaft schon mit Piotr Trochowski oder Marcell Jansen darüber gesprochen?

Helmes: Nein, wir Leverkusener reden nicht mit denen (grinst).

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