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Sami Hyypiä (l.) kam 1999 von Willem II Tilburg zum FC Liverpool © getty

Deutschlands Gegner Finnland hat einige klangvolle Namen im Aufgebot. Aber die Stützen des Teams haben ihren Zenit überschritten.

Von Christian Paschwitz

München/Helsinki - Es war der 2. Juni 2001, als Mikael Forssell so richtig zuschlug. Tatort war wie heute das Olympiastadion von Helsinki.

Zwei Tore schenkte Finnlands Stürmer der deutschen Nationalmannschaft ein - nur mit viel Mühe gelang der DFB-Auswahl danach in der WM-Qualifikation immerhin ein 2:2.

Geschichte wiederholt sich: Am Mittwoch (ab 19 Uhr LIVE) geht es für die Deutschen nun wieder gegen die Finnen um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Es bestehen allerdings große Zweifel, dass Suomi das schwarz-rot-goldene Ensemble erneut vor solche Probleme wie vor sieben Jahren stellt.

Denn wenngleich Finnland zwar nach wie vor einige klangvolle Namen in seinem Aufgebot hat - deren Zenit scheint endgültig überschritten.

Altstar Litmanen fehlt

Es ist bezeichnend für die eher geringe Qualität der Finnen, dass ausgerechnet Altstar Jari Litmanen noch immer der wichtigste Spieler ist.

Der inzwischen 37-jährige Rekord-Nationalspieler (115 Einsätze), der in der Saison 2004/2005 auch ein kurzes Bundesliga-Intermezzo bei Hansa Rostock gab, fällt nun jedoch krankheitsbedingt aus.

Die Frage, ob der heute für den FC Lahti kickende Ex-Weltklasse-Stürmer (FC Barcelona und Ajax Amsterdam) etwas hätte ausrichten können gegen die deutsche Defensive, bleibt damit so oder so ungeklärt.

Auch Hyypiä im Abschwung

Stattdessen muss Finnlands britischer Nationaltrainer Stuart Baxter auf die zweite verbliebene Lichtgestalt setzen, deren Stern allerdings im Untergehen begriffen ist.

Sami Hyypiä soll in der Innenverteidigung gegen die deutschen Stürmer die Stabilität bewirken, für die er bei den Blau-Weißen mittlerweile seit fast 16 Jahren einsteht.

"Ich versuche nur von der Einstellung her immer mit gutem Beispiel voranzugehen und muntere die Mitspieler auf", sagt der Routinier.

Keine Spielpraxis in Liverpool

Dabei braucht der kopfballstarke Hyypiä derzeit eher selber jemanden, der ihn aufbaut: Denn in der Premier League beim FC Liverpool spielt er kaum noch eine Rolle und geht einer ungewissen Zukunft entgegen.

Im 25-Mann-Kader für die Champions League fehlt der 34-Jährige ganz. "Diese Entscheidung des Klubs ist natürlich eine Riesenenttäuschung", gibt Hyypiä zu, der mit den "Reds" alle möglichen europäischen Trophäen holte und beide englischen Pokale gewann.

"Es ist für mich Überraschung und Schock zugleich."

Der Dauerbrenner der Premier League (seit 1999 mehr als 300 Liga-Spiele) ist gleich doppelt verbittert, weil ihm Klubcoach Rafael Benitez im Sommer die Freigabe für einen Wechsel zu Stoke City verweigerte. Mit der Konsequenz, dass Hyypiä gegen Deutschland ohne Spielpraxis auflaufen wird.

Forssell noch ohne Anschluss

Der Glanz vergangener Tage blättert ebenso bei Stürmer Forssell: Die bisherige Saison ist an dem Neuzugang von Hannover 96 völlig vorbeigegangen - drei Spiele, dreimal schwach, dreimal kein Tor.

Und jetzt gegen das DFB-Team mit Klubkollege Robert Enke zwischen den Pfosten als einzige Spitze mal wieder auf sich allein gestellt. Das wird's schwer, sich endlich einmal für ein internationales Turnier zu qualifizieren. Noch nie waren die Finnen, denen obendrein Innenverteidiger Hannu Tihinen, Teemu Tainio (Mittelfeld) und Keeper Niko Mäenpää (alle verletzt) fehlt, bei einer WM oder EM dabei.

Warum das andere skandinavische Nationen wie Schweden und Norweger immer wieder schaffen? "Das fragen wir uns auch ständig", sagte Forssell im "kicker": "Vielleicht liegt's an unserer Fußballkultur und der Liga. Es fehlt auch in der Breite."

Auch Pasanen nicht im Saft

Am Mittwoch fehlt zudem eine im Saft stehende Defensive. Siehe auch Forssells Bundesliga-Kollege Petri Pasanen: Bloß eine Saison-Partie steht für den 27-Jährigen bei Werder Bremen zu Buche.

Den internen Konkurrenzkampf gegen Sebastian Boenisch hat Pasanen verloren. Auf der rechten Seite (Clemens Fritz) kommt der Finne ebenso wenig zum Zug.

Selbst gegen einen bisher nur in der österreichischen Liga kickenden Youngster wie Sebastian Prödl vermag sich der Abwehr-Allrounder momentan nicht durchzusetzen.

Coach Baxter mit Zweckoptimismus

Doch trotz Verletzungssorgen und generell dünner Besetzung, vor allem im Mittelfeld, übt sich Nationalcoach Baxter in Zweckoptimismus: "Wir haben eine gute Mannschaft."

Und bei der setzt er auch moralische Maßstäbe an: Wegen seiner Verurteilung nach Trunkenheit am Steuer warf Baxter Alexej Jeremenko (Saturn Moskau) aus dem Kader und lässt dessen jüngeren und weniger hoch gehandelten Bruder Roman (Dynamo Kiew) auflaufen.

"Alexej muss sich das Nationaltrikot auch außerhalb des Platzes verdienen", meint der Coach. So wie Hyypiä oder Litmanen.

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