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Hrubesch hofft, "trotzdem ein schlagkräftiges Team für die WM zusammenstellen zu können" © getty

Die deutschen Klubs müssen die U-20-Spieler für die WM nicht abstellen. Der DFB kritisiert die FIFA und fordert klare Regelungen.

Frankfurt/Main - Der Deutsche Fußball-Bund hat im Abstellungsstreit für die U-20-WM in Ägypten (25. September bis 16. Oktober) klein beigegeben und den "schwarzen Peter" an den Weltverband FIFA weitergegeben.

Die Bundesligisten müssen ihre Spieler nicht für die Endrunde in Afrika abstellen, Deutschland wird als amtierender U-19-Europameister damit mit einem Rumpfteam bei der WM antreten müssen.

Der DFB gab die Schuld für die verfahrene Situation der FIFA, die die Endrunde wegen der Witterungsbedingungen in Ägypten mitten in der Saison und nicht wie gewohnt in der Sommerpause durchführen lässt.

Hrubesch sagt geplanten Lehrgang ab

Nun will sich der Verband bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und der FIFA dafür einsetzen, dass Endturniere nicht mehr während der Bundesliga-Saison ausgetragen werden.

Das ist das Ergebnis eines Gesprächs am Donnerstag zwischen dem DFB, der Deutschen Fußball Liga (DFL) und den Bundesliga-Managern der betroffenen Vereine in Frankfurt am Main.

Als erste Reaktion hat Trainer Horst Hrubesch einen für die kommende Woche geplanten Lehrgang mit einem vorläufigen 28-köpfigen Aufgebot abgesagt.

Auch Sammer kritisiert die FIFA

"Da die Klubs in dieser wichtigen Phase der Saison ihre Spieler nicht abstellen, werden wir als Europameister in Ägypten leider nicht mit der Top-Besetzung antreten können. Angesichts unserer hohen Ansprüche ist dies eine ganz bittere Konstellation", erklärte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

"Aus sportlicher Sicht ist es ein absolutes Unding, dass die FIFA diesen Zeitpunkt gewählt hat. Insofern kommt es hier zu einer krassen Wettbewerbsverzerrung. So wertet die FIFA ihre eigene WM ab", so Sammer weiter.

Im Zeitraum der U-20-WM finden mindestens zwei Bundesligaspiele, ein Spieltag im DFB-Pokal sowie in Champions- und Europa League statt.

Zukünftig eindeutige Regelungen

In einem Rundschreiben vom 31. Juli hatte die FIFA deutlich gemacht, dass keine Abstellungspflicht besteht.

Für DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ist "dieser Vorfall ein Anlass, offiziell an FIFA und UEFA heranzutreten, damit eine solche Konstellation bei künftigen Turnieren nicht mehr eintritt, sondern diese Wettbewerbe durch den internationalen Terminkalender geschützt werden".

DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus forderte: "Nach Olympia 2008 hat die FIFA uns erneut und unnötig vor große Probleme gestellt. Daher müssen für die Zukunft klare Regelungen her."

DFB muss Beschwerde einlegen, nicht die DFL

Hieronymus hatte vor kurzem bereits klargestellt, dass sich von nationaler Seite der DFB und nicht die DFL für eine bessere Koordinierung einsetzen muss.

"Wir erwarten vom DFB, dass er bei der FIFA die Interessen der Liga den internationalen Kalender betreffend vertritt. Das ist der einzige Weg, um in der Zukunft solche Terminkollisionen zu vermeiden", hatte Hieronymus gesagt.

"FIFA und UEFA setzen sich über Ligainteressen hinweg, das ist ein Problem. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir von der DFL bei FIFA-Präsident Blatter anrufen können, um mit ihm Termine zu diskutieren", so der 50-Jährige.

Hrubesch ist enttäuscht

Machtlos bei dieser Diskussion ist Hrubesch.

Der U-20-Trainer, der im Vorjahr die U 19 und im Juni die U 21 zu EM-Titeln geführt hatte, zeigte sich tief enttäuscht und sagte prompt den geplanten Lehrgang ab.

"Meine Aufgabe in den kommenden Wochen ist es nun, auf diese völlig neue Personalsituation zu reagieren. Ich muss sehen, wer mir zur Verfügung steht und wen ich zusätzlich nominieren kann", sagte Hrubesch: "Die Klubs haben sich für diese neue Ausgangslage gesprächsbereit gezeigt und deshalb hoffe ich, dass wir trotzdem ein schlagkräftiges Team für die WM zusammenstellen können."

Bis zum 24. August 2009 muss der DFB der FIFA einen vorläufigen Kader mit 30 Spielern benennen.

Dieser wird am 11. September auf das 21-köpfige WM-Aufgebot reduziert.

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