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Serdar Tasci (vorne) absolvierte gegen Aserbaidschan sein achtes Länderspiel © imago

Der Bundestrainer nimmt seine Spieler nach dem 2:0 in Aserbaidschan in Schutz. Er fordert allerdings auch einen Leistungssprung.

Aus Baku berichtet Gregor Derichs

Baku - Ab 4.30 Uhr deutscher Zeit war Wecken angesagt, um 7 Uhr ging es mit dem Lufthansa-Charterflug LH 5011 vom Flughafen Heydar Aliyev zurück in die Heimat.

Den ersten Schritt der elf Monate langen Saison, die am 11. Juli 2010 in Johannesburg im WM-Finale enden soll, hatte die deutsche Nationalmannschaft vollzogen.

Dienst nach Vorschrift war am Abend zuvor beim Ausflug hinter den Kaukasus ans Kaspische Meer geleistet worden.

"Wir sind froh, dass wir die Pflichtaufgabe gelöst haben", sagte Michael Ballack nach dem 2:0 (1:0) gegen Aserbaidschan.

"Die Mannschaft ist noch nicht in einem optimalen Zustand. Da ist noch viel Luft nach oben", erklärte der Kapitän, der von Frankfurt nach London weiterflog und einen Zeitunterschied von vier Stunden zu verkraften hatte.

Löws Appelle werden gehört

Ein Abenteuer war der Besuch in der Nähe der Krisenregionen Südossetien, Berg-Karabach, Tschetschenien und Kurdistan nicht. In der freundlicher Atmosphäre des gastgebenden Fußball-Verbandes, mit dem ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts als Cheftrainer, reichten die Tore von Bastian Schweinsteiger (12.) und Miroslav Klose (53.) um einen Auftrag zu erfüllen 139331(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Bundestrainer Joachim Löw hatte mit energischen Appellen vor dem Beginn und in der Pause die frühen Tore in beiden Halbzeiten eingefordert.

Mit drei Punkten, dem sechsten Sieg im siebten Qualifikationsspiel, näherte sich das Team beim holprigen Saisonstart wieder einen Schritt dem "Showdown" um den direkten Zutritt zur WM, der am 10. Oktober gegen den Gruppenzweiten ansteht. "Auf Kunstrasen in Moskau ist Russland extrem gut", warnte Löw. "Wir dürfen uns keinen Ausrutscher erlauben." (DATENCENTER: WM-Quali)

"Niemand ist in absoluter Topverfassung"

Der DFB-Coach hatte Verständnis dafür, dass seine Spieler den Auftrag des schlichten Pflichtspielsieges glanzlos erfüllten. "Niemand ist in absoluter Topverfassung. Es wäre auch ein Wunder", erklärte der 48-Jährige. (REAKTIONEN: Die Stimmen zum Spiel)

"Sie können zu diesem frühen Saisonzeitpunkt nicht ihr hundertprozentiges Leistungsvermögen haben. Sie brauchen noch sechs, sieben Spiele, um auf hohem Niveau zu sein", sagte Löw.

Defensive bereitet Sorgen

Am 5. September in Leverkusen im Test gegen Südafrika und am 9. September im Rückspiel in Hannover gegen Aserbaidschan erwartet Löw aber einen Leistungssprung. "Wir müssen dann an den Lauf- und Passwegen arbeiten und uns verstehen", sagte er.

Vor allem die Defensive muss sich sicherer präsentieren. "Es war kein Abend ohne Sorgen?, gestand der Bundestrainer im Tofik-Bachramow-Stadion, in dem sich die Kaukasier vor 28 000 Zuschauern redlich bemühten.

Glücklicherweise für die DFB-Elf ist Torgefährlichkeit für die Aserbaidschaner eine fremde Fähigkeit. Kein einziges Tor erzielten sie in sechs Qualifikationsspielen, und auch gegen Deutschland sahen die Bemühungen nach vorne in entscheidenden Momenten jämmerlich aus.

Mertesacker: "Da hat nicht viel zusammengepasst"

Dass sich Löw dennoch Sorgen machte, ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Situation mit nervlicher Belastung verknüpft ist. Sein Team darf keine Punkte mehr abgeben, nur gegen die Russen würde ein Remis ausreichen. Sonst droht der gefährliche Umweg über die Relegation.

"Da hat noch nicht viel zusammengepasst", gab Per Mertesacker zu, der teilweise wie ein Libero alter Prägung agierte, aber auch auf den unangenehmen Gegner verwies: "Hier haben sich viele Mannschaften schwergetan, wir gehören jetzt auch dazu."

Insgesamt war die Defensive anfällig. Vor allem Marcel Schäfer wirkte auf der linken Seite überfordert. (ANALYSE: Das DFB-Team in der Einzelkritik)

"Wir haben ein bisschen viel zugelassen", meinte Robert Enke. Er blieb bei seinem fünften Qualifikationseinsatz zum vierten Mal ohne Gegentor. "Jedes Spiel zu null ist sehr gut und ein kleiner Schritt für mich", sagte der Hannoveraner.

Torwartfrage noch offen

Ob er Torwart Nummer eins bleibt, ist eine spannende Frage bis zum Russland-Duell. In Mittelfeld und Sturm wird sich personell nicht mehr viel tun. Bis auf Lukas Podolski, der verletzt fehlte, scheint es sich um Löws bevorzugte Formation zu handeln.

Er wird Sami Khedira demnächst auf der Position von Thomas Hitzlsperger testen. Mesut Özil könnte eine echte "Jokerrolle" zukommen.

Die wichtigste offene Frage ist nach dem Trip nach Baku, wann und wie der Vize-Europameister die gewünschte Topform erreicht. Löw sieht sich nicht unter Zeitdruck:

"Russland ist noch in weiter Ferne."

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