Ein Maßstab war der müde Kick in Baku sicher nicht. Trotzdem gibt die Tendenz der vergangenen Monate berechtigten Anlass zur Sorge.

Dieses Spiel hat - mit Ausnahme der in allen Bereichen äußerst gastfreundlichen Aserbaidschaner - eigentlich niemand gebraucht.

Nicht die deutschen Nationalspieler, die kurz nach dem Saisonstart noch weit von der Bestform entfernt sind.

Nicht Joachim Löw, für den sich nach dem glanzlosen Pflichtsieg im WM-Qualifikationsspiel mehr Fragen als Antworten ergeben.

Und schon gar nicht die Anhänger der DFB-Auswahl, die vor dem Fernseher zwischen Langeweile und Verärgerung schwankten.

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Dabei war es leider ein fast schon wieder zur Gewohnheit gewordenes Auftreten der Nationalmannschaft: Blutarm, ohne Intensität, Ideen und Schwung.

Von der Begeisterung des WM-Teams, an der Löw ja maßgeblich beteiligt war, ist fast nichts mehr geblieben.

Seit dem glänzenden 2:1 im März 2007 in Tschechien hat die deutsche Elf nur noch im EM-Viertelfinale gegen Portugal und in der ersten Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland voll überzeugen können - zu wenig für eine selbst ernannte Weltklasse-Mannschaft.

Viel ist nach Jürgen Klinsmanns Scheitern beim FC Bayern darüber geredet worden, dass der Ex-Bundestrainer ohne einen Mann mit Löws Fachkompetenz an seiner Seite große Probleme hat.

Zuletzt konnte man aber auch zum Umkehrschluss kommen: Ohne Motivator Klinsmann fehlt dem DFB-Team unter Löw die Euphorie, mit der bei der WM andere Defizite kompensiert wurden.

Deshalb häufen sich die unansehnlichen Vorstellungen wie jetzt in Aserbaidschan.

Ein Maßstab war der müde Kick in Baku aus vielerlei Gründen nicht. Trotzdem gibt die Tendenz der vergangenen Monate berechtigten Anlass zur Sorge.

Eine Niederlage auf Kunstrasen in Russland ist keinesfalls auszuschließen und dann käme es in der Relegation angesichts der möglichen Gegner wie Frankreich, Portugal, Kroatien oder der Türkei zu einem Lotteriespiel mit offenem Ausgang.

Vielleicht war daher einer der wenigen positiven Dinge dieses ersten Länderspiels der WM-Saison, die aktuell große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit überdeutlich gemacht zu haben.

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