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Michael Ballack absolvierte gegen Aserbaidschan sein 93. Länderspiel © getty

Für DFB-Kapitän Michael Ballack könnte diese Saison die letzte Chance auf große internationale Titel bieten. Sport1.de sprach mit ihm.

Von Martin Volkmar

München - Es war eine sehr kurze Nacht für Michael Ballack.

Nur ein paar Stunden durfte der Kapitän der Nationalmannschaft nach dem glanzlosen 2:0-Pflichtsieg gegen Aserbaidschan schlafen.

Dann ging es zurück mit dem DFB-Tross nach Frankfurt und von da weiter in seine Wahlheimat London, wo die lange Reise am Nachmittag endlich endete.

Trotzdem nahm sich Ballack auf dem Rückflug kurz Zeit für Sport1.de, um seine Erwartungen an die neue Saison zu formulieren.

"Fokus liegt auf der Meisterschaft"

"Wie jedes Jahr wollen wir natürlich so viele Titel wie möglich gewinnen. Unser besonderer Fokus liegt auf dem Gewinn der Meisterschaft", sagte er zu seinen Zielen mit dem FC Chelsea.

Den ersten Titel holte der Mittelfeldspieler bereits am vergangenen Sonntag, als er mit dem Pokalsieger Meister Manchester United im Supercup-Finale in Wembley bezwang und nach seiner Einwechslung im Elfmeterschießen sicher verwandelte.

Nun starten die Blues am Samstag gegen Hull City in die Premier League und es ist offensichtlich, dass es eine besondere Spielzeit für Ballack werden dürfte.

Die letzte Chance auf große Titel?

Schließlich könnte sie für den im September 33-Jährigen die letzte Chance auf große internationale Titel bieten, zumal sein Vertrag in London nur noch um ein Jahr verlängert wurde.

Immerhin hängt Ballack ungeachtet des Gewinns von vier Meisterschaften und fünf nationalen Pokalerfolgen ein Ruf als "ewiger Zweiter" nach.

Grund für diese sachlich nicht ganz haltbare Behauptung ist die Tatsache, dass er in zahlreichen großen Finals nur zweiter Sieger wurde: WM 2002, EM 2008 sowie in der Champions League 2002 und 2008.

Hinzu kommen fünf Vize-Meisterschaften im Verein. Nun nimmt "der Unvollendete" ("Hamburger Abendblatt") einen neuen Anlauf mit Chelsea in Premier League und auch der Champions League.

"Nach dem knappen Scheitern in den vergangenen Jahren denke ich, dass wir sie dieses Jahr gewinnen können", hofft Ballack.

WM-Finale als Höhepunkt

Die Krönung aber wäre am Ende im Juli 2010 der WM-Triumph in Südafrika. "Als Sportler setzt man sich in seiner ganzen Karriere langfristige Ziele", erklärte der 93-malige Nationalspieler vor seiner vermutlich letzten Weltmeisterschaft.

"Natürlich denkt man daran, bei der WM dabei zu sein, und man träumt auch vom Titel. Das ist doch klar."

Dass es bis dahin allerdings noch ein äußerst weiter Weg ist, zeigte der mühsame Auftakt in Baku überdeutlich. "Wir sind froh, dass wir den Pflichtsieg heimgefahren haben", meinte der Spielführer. (DATENCENTER: WM-Quali)

Er gestand aber unumwunden die Defizite ein: "Wir waren nicht in einem optimalen Zustand, es gibt einiges zu bemängeln. Wir haben noch viel Luft nach oben."

Das gilt auch für Ballack selber, der nach einem Zehenbruch in der Vorbereitung erst seit einer Woche wieder im Mannschaftstraining ist und das Länderspiel wegen einer Oberschenkelverhärtung im Abschlusstraining beinahe noch absagen musste.

Gegen Aserbaidschan phasenweise untergetaucht

Entsprechend zurückhaltend agierte der Teamleader gegen Aserbaidschan und tauchte phasenweise sogar unter.

Auf Dauer muss und wird er sich wieder mehr in den Vordergrund spielen, denn mit einem Ballack als Mitläufer hätte die DFB-Auswahl bei der WM definitiv keine Chance.

Zudem dürfte ihm dann auch die Ersatzbank bei Chelseas Millionen-Ensemble drohen. Im Moment aber spricht vieles dafür, dass er bei den Blues wie schon unter Jose Mourinho, Avram Grant und Guus Hiddink gesetzt sein wird.

Joachim Löw wundert diese Wertschätzung nicht. "Er hat eine immense Erfahrung und große Qualität. Er ist ein absoluter Führungsspieler", sagt der Bundestrainer.

Große Wertschätzung von Ancelotti - und umgekehrt

Das soll auch unter dem neuen Chelsea-Coach Carlo Ancelotti so bleiben.

Der Ex-Trainer des AC Mailand hält große Stücke auf ihn und auch der Deutsche lobt seinen neuen Boss. "Carlo Ancelotti ist ein Meistertrainer, der schon viel gewonnen hat und viel Erfahrung in den Klub einbringt", sagte Ballack Sport1.de.

"Taktisch spielen wir etwas anders, nicht mehr das 4-3-3 der vergangenen Jahre. Er bevorzugt das 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld."

Den defensiven Part hat Ancelotti dabei offenbar für den Deutschen vorgesehen. Unter einer solchen Rolle als Backup für Lampard und Deco würden aber wie schon in der Vorsaison seine Stärken in der Offensive leiden und damit auch die Wahrnehmung bei Fans und Medien.

Rooney: "Für mich ist Ballack Weltklasse"

Immerhin kann er sich auf die hohe Meinung der Experten verlassen. "Für mich ist Michael Ballack immer noch ein Weltklassespieler", erklärte beispielsweise Wanye Rooney kürzlich im "kicker".

"Ich sage sogar: Er ist einer der besten Spieler der vergangenen zehn Jahre. Er wird sich wieder durchsetzen."

Und auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, gegen den Ballack nach dem verlorenen EM-Finale beinahe handgreiflich geworden wäre, bezeichnete ihn als einzigen deutschen Weltstar und meinte: "Qualität hängt nicht nur von Titeln ab."

Ein Lob, das Ballack gut tun dürfte. Lieber wäre es ihm aber, wenn es anders wäre. Vielleicht bleibt ihm dazu nur noch diese Saison.

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