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Miroslav Klose traf erstmals seit mehr als sechs Jahren dreifach für Deutschland © imago

Noch in Liechtenstein hätte Miroslav Klose keinen Lastwagen getroffen. In Helsinki erlebte er eine überraschende Renaissance.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Helsinki/München ? Die 31. Minute im WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Helsinki gegen Finnland (3:3) spiegelte das ganze Elend des Miroslav Klose der letzten Wochen wider:

Butterweich hatte Bastian Schweinsteiger den Ball von der rechten Seite in die Mitte geflankt, Finnlands Abwehrchef Sami Hyypiä war unter der Hereingabe durchgetaucht. Klose, ganz allein sieben Meter vor dem Tor, stieg entschlossen zum Kopfball hoch - und ließ die Kugel über den Scheitel rutschen.

"Das war eine Chance, die ich reinmachen muss", sagte der Münchner nach der Partie, mit Betonung auf dem "muss". Er tat es nicht.

Statt in Führung zu gehen, geriet die deutsche Mannschaft im Gegenzug durch Jonatan Johansson mit 0:1 in Rückstand (33.). Das passte nur zu gut in die Geschichte vom Ritter der traurigen Gestalt, die der 30-Jährige zuletzt geschrieben hatte.

Doch diese Geschichte sollte im Olympiastadion kurz darauf abrupt zu Ende gehen. Ein Pass von Piotr Trochowski aus dem Halbfeld, eine geschmeidige Ballmitnahme mit der Brust, die Hyypiä stolpernd zurückließ, ein eiskalter Abschluss gegen den Lauf von Torhüter Jussi Jääskeläinen - es stand 1:1 (38.), und "Stolper-Klose" war von da an Vergangenheit.

"Ich habe nie an mir gezweifelt", nahm der WM-Torschützenkönig von 2006 später für sich in Anspruch. "Es zeichnet mich aus, dass ich gelernt habe, mit vergebenen Möglichkeiten umzugehen. Wenn man zwei Chancen versiebt hat, muss man eben noch an die dritte oder vierte glauben."

Das Glück des Tüchtigen

Er nutzte in Helsinki noch zwei weitere Gelegenheiten: Erst staubte er reaktionsschnell ab, als Jääskeläinen seinen Kopfball nicht festhalten konnte (45.). Dann stand er richtig, als die Versuche von Trochowski und Mario Gomez abgeblockt wurden (83.).

"Wenn man einmal Glück hat, springt einem solch ein Ball auch wieder vor die Füße", nahm Klose das Ende seiner "Seuche" äußerlich gelassen zu Kenntnis. "Für mich ist das keine Befreiung gewesen."

Er freue sich einfach nur, sagte der Mann, der mit nun 44 Länderspieltoren Uwe Seeler auf den siebten Platz der ewigen DFB-Torjägerliste verdrängt hat. Drei Tore in einem Spiel hatte Klose zuvor schon dreimal für Deutschland erzielt, zuletzt am 1. Juni 2002 beim 8:0 im Vorrundenspiel der WM in Südkorea und Japan gegen Saudi-Arabien.

Löws Vertrauen zahlt sich aus

"Wer mich kennt, der weiß, dass ich das drin habe", meinte er zu seiner Leistung. "Ab und zu kann ich das dann auch zeigen." Bundestrainer Joachim Löw scheint ihn gut zu kennen, denn er bot ihm in Finnland trotz des schwachen Auftritts in Liechtenstein (6:0) zuvor erneut die dafür nötige Plattform.

"Ich habe keine starke Kritik an ihm geübt, denn ich wusste, dass er zurückkommt", begründete Löw seine Rückendeckung. "Vertrauen zahlt sich im Leben immer aus." Klose habe schon in den Trainingseinheiten in Finnland stark verbessert agiert, "vor allem körperlich".

Auch im Mannschaftskreis wurde das Ende der Torflaute des aktuellen Kapitäns mit Freude registriert. "Er hat lange darauf warten müssen, dass bei ihm der Knoten platzt", sagte Thomas Hitzlsperger Sport1.de gegenüber. "Letztlich war es aber nur eine Frage der Zeit."

"Psycho-Klose"? Lachhaft!

Klose habe es "all den Kritikern bewiesen", meinte Heiko Westermann. "Er hat es sich verdient, so wie er arbeitet." Bastian Schweinsteiger führte an, er habe über "die Schlagzeilen von Psycho-Klose ohnehin nur lachen können".

Lukas Podolski schließlich, mit dem Klose schon am Wochenende in Köln wieder um einen freien Platz im Sturm von Bayern München konkurriert, hatte wieder "den Miro, den wir kennen" gesehen. Selbst der gegnerische Trainer zog seinen Hut.

"Natürlich wollen die Fans Spieler sehen, die technisch versiert sind wie ein Lionel Messi", räumte Stuart Baxter zwar ein. "Aber dieser Miroslav Klose ist ein richtig unangenehmer Gegenspieler."

Vom bemitleidenswerten Chancentod zum umjubelten Helden hat der Angreifer netto nur etwas mehr als eine Halbzeit gebraucht. Traumjob Torjäger - sollte man meinen. "Spielerfrau wäre schöner", scherzte Klose. "Aber Stürmer ist auch nicht schlecht."

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