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Robert Enke wechselte 2004 aus Teneriffa nach Hannover © imago

Auch wenn das Rennen formell noch offen ist: Torwarttrainer Andreas Köpke macht klar, dass die Vorentscheidung gefallen ist.

Von Martin Hoffmann

München - Der DFB gibt sich die größtmögliche Mühe, alles noch offen wirken zu lassen.

Alle vier Top-Torhüter kommen in diesem Jahr noch zum Zuge, jeder darf mal 90 Minuten durchspielen.

Das sieht nach einem Vierkampf auf Augenhöhe aus - doch das ist er wohl nicht mehr.

Alles läuft auf einen Mann zu, der bei der WM in Südafrika das begehrte Trikot mit der Nummer eins bekommen wird: Robert Enke. 66576(DIASHOW: Deutschlands Nationalkeeper)

"Robert hat die Nase vorn"

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke bestätigt das in der "Bild" indirekt - zum Missfallen von Tim Wieses Bremer Coach Thomas Schaaf.

"Robert hat die Nase vorn", ließ der ehemalige Nationalkeeper wissen: "Er hat sehr gute Leistungen gezeigt. Wenn alles normal läuft, wird Robert gegen Russland im Tor stehen."

Was man dazu wissen muss: Köpkes Chef Joachim Löw hat besagter Qualifikationspartie am 19. Oktober entscheidende Bedeutung zugemessen.

Wer in diesem wohl entscheidenden Duell um den Gruppensieg auflaufe, so Löw, habe auch für die Weltmeisterschaft die besten Karten.

Vorentscheidung ist abzulesen

"Die Entscheidung ist gefallen", titelt die Zeitung daher schon mit vielen Ausrufezeichen im zugehörigen Text.

Das mag noch verfrüht sein, aber als Vorentscheidung sind Köpkes Äußerung in jedem Fall zu deuten.

Enke kann wohl nur noch von einer Verletzung, einer gewaltigen Formkrise oder höherer Gewalt gestoppt werden.

Nur Enkes Spiel ist von Wert

Das lässt sich auch schon daraus ablesen, dass zwar allen vier DFB-Keepern demnächst ein 90-Minuten-Spiel zugesichert worden ist.

Aber nur das Spiel von Enke am 10. September gegen Aserbaidschan in Hannover ist ein Pflichtspiel.

Rene Adlers Spiel gegen Südafrika (5. September) ist ein Freundschaftskick, die von Tim Wiese und Manuel Neuer gegen Chile und Ägypten im November könnten gar noch ausfallen, wenn Deutschland in die WM-Relegation muss.

In allen WM-Qualifikationspartien wird aber wohl Enke zwischen den Pfosten stehen.

WM-Keeper mit 69 Gegentoren?

Köpke baut auch schon einmal den zu erwartenden Fragen vor, wie man einem Keeper die Nummer eins anvertrauen kann, der bei seinem Verein in der vergangenen Saison 69 Tore kassiert hat.

"Bis jetzt hat er mit Hannover 96 in drei Spielen zwei Tore kassiert. Wenn er den Schnitt hält, wäre das grandios", meint Köpke - wohl nicht in aller Ernsthaftigkeit.

Worauf es ankomme: "Robert hat in allen Länderspielen stark gehalten. Das ist entscheidend."

Wiese der Verlierer

So wie sich Enke von dem gegenwärtigen Trend ermutigt fühlen darf, so schlecht sieht es für Tim Wiese aus.

Köpke hat schon angekündigt, dass der Bremer wohl auch gegen Russland und dem vorherigen Quali-Spiel gegen Finnland (15. Oktober) außen vor bleibt.

"Nach jetzigem Planungsstand werden für Russland und Finnland wieder Enke, Adler und Neuer nominiert."

Schaaf verärgert

Warum Neuer und nicht Wiese? "Tim war zuletzt fast immer dabei. Und ich halte nichts davon, dass wir in Leverkusen zwei Torhüter spielen lassen. Manuel kennen wir noch nicht so gut, deshalb ist er bei den nächsten Länderspielen im Kader."

Bremens Manager Klaus Allofs hat es schon mit Unverständnis quittiert - ins selbe Horn stößt nun Trainer Thomas Schaaf.

"Das ist für uns absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar. Tim ist zu Recht sehr enttäuscht, denn er hat zuletzt in allen drei Wettbewerben hervorragend gehalten."

Löw habe "das Recht auf die Entscheidung, aber wir haben das Recht auf eine Meinung".

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