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Bundestrainer Joachim Löw führte 2008 die Nationalelf ins EM-Finale © getty

Der Bundestrainer wehrt sich gegen Kritik an der Torhüter-Entscheidung. Werders Tim Wiese verspricht er eine Bewährungschance.

München - Joachim Löw ist in die Offensive gegangen und hat seine Kritiker in die Schranken verwiesen.

"Ich sehe überhaupt keinen Grund dazu, dass wir uns rechtfertigen sollen", sagte der Bundestrainer im Interview mit der "Welt am Sonntag".

"Es wäre doch fahrlässig, wenn wir Spieler nicht nach Leistungskriterien auswählen würden. Das kann sich kein Trainer leisten. Wir treffen Entscheidungen, von denen wir hundertprozentig überzeugt sind."

Löw wies die Vorwürfe, bei der Nominierung für die Nationalmannschaft würde es nicht immer nur nach dem Leistungsprinzip gehen, als "völlig absurd" zurück.

Vor allem die Nichtberücksichtigungen des Bremer Torwarts Tim Wiese und des Leverkusener Torjägers Stefan Kießling für die beiden Länderspiele am Samstag in Leverkusen gegen Südafrika und vier Tage später in Hannover gegen Aserbaidschan hatte für reichlich Irritationen gesorgt.

Keine Vorentscheidung in Torwart-Frage

In der Torwart-Frage machte Löw aber deutlich, dass trotz der Ausbootung von Tim Wiese noch keine Entscheidung hinsichtlich der WM 2010 in Südafrika gefallen sei.

Von der Nominierung von Robert Enke, Manuel Neuer und Rene Adler für die anstehenden Länderspiele könne man nicht auf die Nummer eins für das kommende Jahr schließen:

"Das ist die Planung bis zum Ende des Jahres. Wir wollten bis dahin eine klare Linie vorgeben."

"Wiese erhält eine Bewährungschance"

Dem Hannoveraner Enke, der in den restlichen Spielen der WM-Qualifikation zwischen den Pfosten stehen wird, bescheinigte Löw lediglich einen kleinen Vorteil.

"Im Moment hat Robert einen kleinen Vorsprung. Weil die Qualifikation immens wichtig ist und wir mit seinen Leistungen zufrieden sind, haben wir ihm das Vertrauen gegeben. Ende des Jahres werden wir neu diskutieren", sagte Löw.

Die Konkurrenten seien keineswegs außen vor, versicherte der Bundestrainer: "Jeder - auch Tim Wiese - erhält von uns noch eine Bewährungschance über 90 Minuten."

Löw steht zu seiner Entscheidung

Dass Wiese und auch die Klub-Verantwortlichen von Werder Bremen über die Nichtnominierung nicht erfreut waren und heftige Kritik an Löws Auswahlverfahren geübt hatten, kann Löw nachvollziehen.

"Es ist verständlich und auch das gute Recht, dass sich die Klubs für ihre Spieler einsetzen und Entscheidungen nicht okay finden. Aber wir haben unsere Vorstellungen, die wir übrigens jedem einzelnen Torhüter erläutert haben", sagte Löw.

"Wir stehen vor wichtigen Spielen und wollten deshalb Klarheit in der Torhüterfrage bis zum Ende des Jahres. Wir sahen uns dazu aufgefordert, mögliche Unruheherde gar nicht erst aufkommen zu lassen."

Wiese habe ebenso noch eine Chance auf die WM-Teilnahme wie seine drei Konkurrenten. 66576(DIASHOW: Deutschlands Nationalkeeper)

Für die kommenden zehn Tage soll dieses Thema aber beiseite gelegt werden, dafür möchte der Bundestrainer mit Blick auf das wohl entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland am 10. Oktober andere Schwerpunkte setzen.

"Automatismen pauken"

"Wir müssen intensiv trainieren und wieder Automatismen pauken. Denn daran hat es zuletzt gehapert, wir haben unser spielerisches Potenzial nicht so ausgeschöpft, wie ich mir das vorstelle", sagte der 49-Jährige.

Im Schlussspurt der WM-Quali gelte es nun, wieder auf den Weg zu kommen, "auf dem wir schon einmal waren".

Die Kritik von Teammanager Oliver Bierhoff, dass die DFB-Auswahl in diesem Jahr Dominanz vermissen lasse, teilt der Bundestrainer:

"In diesem Jahr sind wir wirklich nicht dominant. Das ist ein großer Schwachpunkt. Wir müssen daran arbeiten, den Gegner dermaßen unter Druck zu setzen, dass er Fehler macht und es ihm aus lauter Respekt schwer fällt zu agieren."

Bundestrainer vertraut auf Steigerung

Gleichzeitig äußerte Löw Verständnis für seine Nationalspieler:

"Es ist eben nicht leicht, über Jahre hinweg das Niveau ganz hoch zu halten. Aber ich bin mir sicher, dass wir uns steigern werden."

Die Nationalspieler treffen sich am Montag in Köln und werden zunächst Werbetermine und einen Fitnesstest absolvieren.

Auch an einer direkten WM-Qualifikation als Gruppenerster zweifelt der Bundestrainer nicht:

"Ich bin mir absolut sicher, dass wir uns auf dem direkten Weg für Südafrika qualifizieren. Ich glaube an unsere Spieler, die sich - je länger die Saison dauern wird - noch steigern werden."

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