vergrößernverkleinern
Im Herbst 2008 kommt es fast zum Bruch mit Bundestrainer Joachim Löw: Ballack kritisiert in einem Zeitungsinterview den Umgang des Bundestrainers mit altgedienten Spielern heftig, es wird über gravierende Konsequenzen bis hin zum Rauswurf aus dem DFB-Team diskutiert. Aber Ballack ist Löw zu wichtig
Laut Michael Ballack darf es in der Nationalmannschaft "nur um Leistung gehen" © Getty Images

Der Kapitän der deutschen Nationalelf stärkt dem Bundestrainer ungewohnt den Rücken und nimmt die DFB-Elf in die Pflicht.

London/Köln - Vergessen sind die Querelen vergangener Tage und die öffentliche Kritik an Bundestrainer Joachim Löw:

Michael Ballack hat vor dem Treffpunkt der deutschen Nationalmannschaft am Montagabend in Köln ein Machtwort gesprochen und Löw ungewohnt demonstrativ den Rücken gestärkt.

Mit Blick auf den ersehnten Titel bei der WM 2010 in Südafrika gab der DFB-Kapitän außerdem die Marschrichtung bis zum Gruppen-Finale gegen Russland am 10. Oktober in Moskau vor.

"Wir müssen uns deutlich steigern, wenn wir um den WM-Titel mitspielen wollen", sagte Ballack. "Mit Blick auf das Spiel in Russland müssen wir unser Niveau aus dem Hinspiel wieder erreichen. Davon sind wir im Moment noch weit entfernt."

Mahnende Worte

"Wir müssen mit zwei guten Spielen gegen Südafrika und Aserbaidschan zeigen, dass wir in der Gruppe zu Recht vor Russland an erster Stelle stehen", so der 32-Jährige weiter.

Die anhaltende Aufregung wegen der Nichtnominierungen von Torwart Tim Wiese und Angreifer Stefan Kießling für das Länderspiel gegen Südafrika in Leverkusen am kommenden Samstag (ab 20.15 Uhr LIVE) sowie vier Tage später für das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in Hannover sieht Ballack gelassen.

Ballack, der im vergangenenen Herbst mit Löw noch einen Machtkampf angezettelt hatte und seine Personalpolitik sowie Führungsstil öffentlich kritisiert hatte, ging mit dem Bundestrainer nun ungewohnt auf Schmusekurs.

Der Mittelfeldspieler vom FC Chelsea ist überzeugt, dass Bundestrainer Joachim Löw sein Aufgebot nur nach Leistungskriterien auswählt.

"Es darf nur nach Leistung gehen"

"Der Bundestrainer hat mehrfach betont: Es darf nur nach Leistung gehen", sagte Ballack.

Und weiter: "Wenn man in der Nationalmannschaft spielen will, muss man sich immer wieder auf höchstem Niveau beweisen und Topleistungen bringen. Die Nationalelf ist etwas ganz Besonderes."

Als "lächerlich" bezeichnete Ballack die unter anderem auch von Ex-Nationalspieler Günter Netzer geäußerte Kritik, dass er beim dreimaligen Welt- und Europameister als Kapitän auf dem Platz seinem Führungsanspruch nicht aureichend gerecht würde.

"Internationale Spiele sind für jeden wichtig"

An eine Vorentscheidung in der Torwart-Frage zugunsten von Robert Enke glaubt Ballack indes noch nicht.

Vor allem der Bremer Wiese könnte sich mit starken Leistungen in der Europa League und der Bundesliga noch empfehlen.

"Es wird sich zeigen, wer sich im Tor der Nationalmannschaft am Ende durchsetzt. Internationale Spiele auf hohem Niveau sind für jeden Spieler immer wichtig", sagte Ballack.

Mit Blick auf seine letzten elf Jahre in der Champions League in Folge fügte er hinzu: "Es ist für mich enorm wichtig, dass ich mich jedes Jahr mit den besten Spielern der Welt auf höchsten Niveau messen kann. Dadurch hat man vielmehr Spiele in einer Saison auf allerhöchstem Niveau. Davon profitiert dann auch die Nationalmannschaft."

Ballack wünscht sich mehr deutsche Spieler im Ausland

Deshalb wünscht sich der Nationalmannschaftskapitän wie zuletzt auch Teammanager Oliver Bierhoff, dass in Zukunft wieder mehr deutsche Spieler den Weg zu einem ausländischen Spitzenklub suchen.

"Es wäre schön, wenn auch andere deutsche Spieler den weg zu einem Topklub im Ausland finden würden. Ich spiele seit 1998 durchgehend in der Champions League. Und wir sind nicht zufällig 1990 Weltmeister geworden, als sieben Spieler in Italien gespielt haben", meinte Ballack.

Ballack möchte bei den "Blues" bleiben

Der 32-Jährige will selber noch "einige Jahre" auf höchstem Niveau spielen, wie er dem "Daily Telegraph" sagte. Am liebsten bei Chelsea.

"Ich habe noch einige Jahre als Spieler, aber ich weder mich selber, noch den Verein unter Druck setzen. Wenn wir zusammenkommen, kommen wir zusammen."

Deutschland zählt immer zu de Favoriten

Bis zur WM 2010 in Südafrika werden zwar kaum neue Legionäre dazukommen, dennoch glaubt Ballack, dass die DFB-Auswahl im Falle der Qualifikation auch am Kap der guten Hoffnung wieder ein gewichtiges Wort um den Titel mitsprechen wird.

"Erstmal müssen wir uns qualifizieren. Aber eine deutsche Mannschaft zählt immer zu den Favoriten, weil wir durch starken Einsatz und dank einer guten Organisation so manche Schwäche ausgleichen können. Deshalb sind wir auch bei der EM ins Finale gekommen", sagte Ballack.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel