vergrößernverkleinern
Bernd Schneider bestritt 81 Länderspiele für die deutsche Mannschaft © imago

Bernd Schneider spricht im Sport1.de-Interview über seinen Abschied, seine Zukunftspläne und den Zustand der Nationalelf.

Von Martin van de Flierdt

München ? Das Ende seiner Laufbahn kam in der Sommerpause.

Nach 398 Tagen Pause wegen einer Rückenmarksverletzung hatte Bernd Schneider am 33. Spieltag der vergangenen Saison sein Bundesliga-Comeback gefeiert.

Beim 5:0 von Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach hatte sich der "weiße Brasilianer" gleich mit einer Torvorlage zurückgemeldet.

Doch mehr ließ sein Körper nicht zu. Vor dem Spiel der deutschen Auswahl in der Leverkusener BayArena gegen Südafrika (ab 20.15 Uhr LIVE) wird der 81-malige Nationalspieler offiziell verabschiedet.

Im Sport1.de-Interview spricht er über sein Karriereende, die Zeit ohne Fußball, den schleppenden Saisonstart der Nationalmannschaft und die Torwartfrage der Nationalmannschaft.

Sport1.de: Herr Schneider, Sie werden am Samstag vor dem Länderspiel gegen Südafrika in der BayArena offiziell verabschiedet. Was halten Sie von dem gewählten Rahmen?

Schneider: Ich finde das schön. Denn zum einen ist es etwas Besonderes, bei der Nationalmannschaft verabschiedet zu werden. Und wenn das dann noch im eigenen Stadion passiert, ist es umso besser. Die Initiative dazu ging von Oliver Bierhoff aus.

Sport1.de: Haben Sie eine gewisse Furcht, dass es ein emotionaler Abschied wird?

Schneider: Nein, davor habe ich keine Angst. Wenn es so kommen sollte, ist das auf seine Weise auch schön. Aber ich gehe da ganz relaxed ran und freue mich darauf.

Sport1.de: Ihr Karriereende kam für den neutralen Beobachter überraschend, da Sie am Ende der vergangenen Saison ja wieder in die Bundesliga zurückgekehrt waren. Haben Sie es früher kommen sehen?

Schneider: Es hat sich schon ein bisschen angedeutet. Ich habe noch einmal eine Nachuntersuchung machen lassen. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich der Heilungsverlauf doch nicht wie gewünscht entwickelt hatte. Darüber hinaus bestand das Risiko, dass es wieder schlimmer werden kann, sogar richtig schlimm. Daraufhin habe ich gesagt, dass es keinen Sinn mehr hat. Schließlich habe ich auch eine Verantwortung gegenüber meiner Familie.

Sport1.de: Wie hat sich denn die Zeit ohne Fußball für Sie angelassen?

Schneider: Ich habe schon ein bisschen Abstand vom Fußball gewonnen und bin viel in der Heimat gewesen. Man ist terminunabhängig und kann mal in Ruhe Familie und Freunde besuchen oder ausgehen.

Sport1.de: Es war zu lesen, dass für Sie nun eine Hospitanz im DFB-Trainerstab ansteht. Ist das korrekt?

Schneider: Nein, wir haben zwar mal grob darüber gesprochen, aber da ist noch nichts konkret. Aber wenn man die eine Seite kennt, weil man sie als Spieler erfahren hat, ist es nicht uninteressant, auch die andere Perspektive kennenzulernen. Ich möchte schon die Möglichkeit nutzen, da in den einen oder anderen Bereich mal hineinzuschauen.

Sport1.de: Sie sind ja nun zum Beobachter mit Insiderkenntnissen geworden. Wie beurteilen Sie denn die aktuelle Verfassung der Nationalmannschaft?

Schneider: Das ist nach einem Spiel wie dem in Aserbaidschan schwierig zu beurteilen, weil man am Anfang der Saison noch nicht so in Tritt ist. Wichtig war, dass die Spieler vor der langen WM-Saison etwas mehr Zeit zum Regenerieren hatten. In den Jahren davor war im Sommer ja immer ein Turnier. In Aserbaidschan waren die drei Punkte wichtig, den Rest sollte man nicht überbewerten. Die Leistung wird jetzt von Spiel zu Spiel besser.

Sport1.de: Was macht Sie so optimistisch?

Schneider: Die Mannschaft ist jetzt für einen längeren Zeitraum zusammen. Da hat man einfach die Möglichkeit, bestimmte Abläufe einzustudieren und abzustimmen. Danach hat die Mannschaft eine stabilere Struktur, weil sie gewisse Automatismen verinnerlicht hat. Das ist ganz wichtig, gerade mit Blick auf das Spiel in Russland. Wenn wir uns gegen Südafrika und Aserbaidschan Selbstvertrauen holen, sind wir für den Oktober bestimmt gut gewappnet.

Sport1.de: Samstag steht Ihr ehemaliger Klubkamerad Rene Adler im deutschen Tor. Wie sehen Sie seine Position im Torwart-Vierkampf des DFB-Teams?

Schneider: Ich kenne Rene jetzt schon ein paar Jahre. Er hat ohne Zweifel die Qualität, um bei der WM dabei zu sein. Es ist für ihn sicher etwas ganz Besonderes, im Heimatstadion für die Nationalelf spielen zu dürfen. Aber die vier sind alle gute Torhüter, da ist es schwer vorauszusagen, wer am Ende die Nase vorn haben wird.

Sport1.de: Was erhofft sich der Zuschauer Bernd Schneider vom Spiel gegen Südafrika?

Schneider: Ich erwarte, dass die Mannschaft selbstbewusst auftritt, Südafrika dominiert und sich dadurch weiteres Selbstvertrauen holt.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel