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Rowen Fernandez wechselte 2007 von den Kaizer Chiefs zu Arminia Bielefeld © getty

Rowen Fernandez spricht über die Stärken der südafrikanischen Auswahl und mögliche Folgen seiner Reservisten-Rolle in Bielefeld.

Von Martin van de Flierdt

München ? Für Rowen Fernandez ist es die große Bewährungsprobe.

Weil Südafrikas Stammtorwart Itumeleng Khone verletzt ausfällt, steht beim Testspiel gegen Deutschland am Samstag in Leverkusen (ab 20.15 Uhr LIVE) wohl der Torhüter von Arminia Bielefeld zwischen den Pfosten des WM-Gastgebers.

"Für mich ist das eine große Chance, die ich nutzen will", sagt Fernandez.

Im Sport1.de-Interview spricht der 31-Jährige über die Stärken der südafrikanischen Auswahl, die Problematik der Europa-Testspielreise und mögliche Konsequenzen seiner Reservistenrolle in Bielefeld.

Sport1.de: Herr Fernandez, Südafrika hat beim Confed Cup Platz vier erreicht. Wir haben Sie die WM-Generalprobe erlebt?

Rowen Fernandez: Beim Confed Cup war alles super, sowohl die Stimmung in der Mannschaft als auch in den Stadien. Wenn wir zu Hause spielen, fühlen wir uns einfach gut. Wir sind dann stark, weil wir dort sehr entspannt und selbstsicher auftreten.

Die nächsten paar Monate werden für uns ein bisschen schwieriger, weil wir auswärts gegen mehrere Top-Mannschaften antreten. Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass das bis zur WM im nächsten Jahr auch so bleibt.

Sport1.de: Ihre Mannschaft spielt in den nächsten Tagen in Deutschland, Irland, Norwegen und Island. Wird sie dort weniger selbstsicher auftreten?

Fernandez: Nein, das nicht. Aber viele Spieler von uns spielen bei Klubs in Südafrika, insofern bringen Spiele im Ausland für sie neue, unbekannte Begleitumstände mit sich. Es ist etwas anderes, in Europa zu spielen, und dann noch gegen Topstars wie Michael Ballack oder Mario Gomez. Trotzdem wird das eine gute Erfahrung für die Mannschaft sein.

Sport1.de: Worin liegen die Vorzüge der südafrikanischen Auswahl?

Fernandez: Unsere Spieler sind sehr stark am Ball, gerade die in der Offensive. Ich hoffe, dass wir am Samstag unser technisches Spiel durchbringen können. Wir wissen, dass die Deutschen bei Frei- und Eckstößen sehr stark sind. Aber wenn wir kompakt stehen, haben wir gute Chancen, auch am Samstag gut auszusehen.

Sport1.de: Was außer guten Standardsituationen verbinden Sie mit den Deutschen?

Fernandez: Wir haben natürlich Respekt vor Deutschland, denn das ist eine sehr starke Mannschaft. Aber wir müssen uns nicht vor ihnen fürchten. Ich glaube, dass das Spiel am Samstag für uns wichtiger ist als für die Deutschen.

Denn sie haben ein paar Tage später ein WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan und werden womöglich keine Verletzungen riskieren wollen. Für uns wird es dagegen ein schwieriges Spiel und ein echter Test.

Sport1.de: Vom Erfolgsteam des Confed Cups fehlen mit Abfangjäger Macbeth Sibaya, Spielmacher Teko Modise und Innenverteidiger Matthew Booth drei Säulen bei der Länderspielreise. Inwiefern schwächt das Ihr Team?

Fernandez: Nun müssen eben andere Spieler einspringen, die dem Trainer beweisen können, dass er auch auf sie zählen kann. Verletzungen passieren nun einmal im Fußball. Das Spiel am Samstag ist eine große Chance für die Spieler, die auflaufen dürfen. Egal, wer das nun im Einzelnen ist.

Sport1.de: Für Sie gilt das sicher auch, denn Sie saßen beim Confed Cup nur auf der Bank. Jetzt fällt ihr großer Konkurrent Itumeleng Khune mit einem Sehnenriss im Daumen zwei bis drei Monate aus.

Fernandez: Richtig, für mich ist das eine große Chance, die ich nutzen will. Ich war letztes Jahr auch lange verletzt und weiß wie das ist, wenn man seinen Platz verliert. Letztes Jahr hat Dennis Eilhoff in Bielefeld seine Chance genutzt. Ich hoffe, dass nun zumindest in der Nationalmannschaft meine Zeit kommt.

Sport1.de: In Bielefeld kommen Sie im Moment an Eilhoff nicht vorbei. Inwiefern ist das ein Problem im Kampf um den Platz in der Nationalmannschaft?

Fernandez: Es ist schon schwierig, denn ich bekomme eben keine Spielpraxis im Klub. Ich warte noch auf meine Chance dort. Vielleicht ist unser Trainer Thomas Gerstner am Samstag im Stadion oder schaut am Fernseher zu. Dann kann ich hoffentlich ein paar Pluspunkte sammeln.

Sport1.de: Haben Sie mit Nationaltrainer Joel Santana schon explizit über diese Situation gesprochen?

Fernandez: Nicht mit ihm selbst, aber mit dem Co-Trainer. Er sagt, es ist okay. Aber wenn ich jede Woche spielen würde, hätte ich natürlich eine deutlich bessere Position in der Mannschaft. Wenn man regelmäßig spielt, wirkt sich das positiv auf die Form aus. Ich kann nur im Training Gas geben und warten.

Sport1.de: Inwiefern ist es eine Option, noch im Winter zu wechseln, wenn Sie bis dahin keine Chance in Bielefeld bekommen?

Fernandez: Ich habe darüber schon mit Arminia gesprochen. Wir müssen schauen, wie sich meine Situation bis dahin entwickelt. Möglicherweise denken wir dann über eine neue Lösung nach, damit ich vor der WM noch ein paar Monate Spielpraxis bekomme.

Wenn ich bis Januar nicht in Bielefeld zwischen den Pfosten stehe, darf ich mich ausleihen lassen, damit ich noch ein paar Monate Spielpraxis vor der WM bekomme.

Sport1.de: Wäre es Ihnen aus Bewerbungsgründen also lieb, wenn Sie gegen Deutschland viel zu tun bekämen?

Fernandez: Für mich wäre es ideal, wenn ich sehr gut halten würde und wir zu null spielen. Dafür werde ich alles tun, was in meiner Macht steht.

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