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Miroslav Klose (l.) und Lukas Podolski haben zusammen 78 Tore für das DFB-Team erzielt © getty

Mario Gomez wird im Test gegen Südafrika wohl nicht 90 Minuten spielen. Denn seine drei Kontrahenten im Angriff benötigen Tore.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Köln - Philipp Lahm weiß, worum es geht.

"Es ist wichtig, dass wir vor dem wohl entscheidenden Gruppenspiel am 10. Oktober in Russland Selbstvertrauen tanken", sagte der Außenverteidiger, als er nach der Zielsetzung für das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag (ab 20.15 Uhr LIVE) gegen WM-Gastgeber Südafrika in Leverkusen gefragt wurde.

Weil sein Münchner Klubkamerad Mario Gomez derzeit als einziger der vier nominierten Angreifer schon über Selbstvertrauen verfügt, weil er in der laufenden Saison bereits zwei Tore für den FC Bayern erzielt hat, spricht einiges dafür, dass er in der BayArena nicht über 90 Minuten auf dem Platz stehen wird.

Denn seine drei Konkurrenten Miroslav Klose, Lukas Podolski und Cacau brauchen die Einsatzzeit dringender, um ihr Ego mit eigenen Treffern aufzupäppeln.

Kießling vehement gefordert

Das Trio ist in der neuen Bundesliga-Saison noch ohne Tor, weshalb die "Bild" von des Bundestrainers "Null-Tore-Sturm" schrieb und die Fußballnation nachdrücklich das Fehlen des formstarken Leverkuseners Stefan Kießling (vier Treffer in vier Spielen) im deutschen Kader anprangerte.

Doch Joachim Löw verwies gerade im Fall Klose, der zuletzt wie auch der Stuttgarter Cacau nicht in der Startformation seines Klubs zu finden war, auf dessen Verdienste um die DFB-Auswahl.

Doch Joachim Löw verwies gerade im Fall Klose, der zuletzt wie auch der Stuttgarter Cacau nicht in der Startformation seines Klubs zu finden war, auf dessen Verdienste um die DFB-Auswahl.

"Es gibt keine Gründe für uns, in irgendeiner Form etwas infrage zu stellen", meint Löw. "Miro hat in der Nationalmannschaft über Jahre seine Leistung gebracht."

Klose beginnt wohl mit Cacau

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Nach den jüngsten Trainingseindrücken wird Klose gegen die Südafrikaner erneut von Beginn an dabei sein. Cacau darf sich Hoffnungen machen, Gomez bald oder vielleicht sogar vom Anpfiff weg zu ersetzen.

Hinsichtlich Podolski räumt der Bundestrainer zwar ein, dieser habe seit seiner Rückkehr zum 1.FC Köln "sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft".

Für Podolski bleibt die Außenbahn

Dennoch erscheint es gut möglich, dass Podolski im Laufe der Begegnung wieder einmal eine Bewährungschance auf der linken offensiven Außenbahn erhält, nun da seine Wadenverhärtung abgeklungen ist.

Es ist keineswegs so, dass Klose, Podolski oder Cacau angesichts fehlender sportlicher Leistungsnachweise verbal ihren Platz im deutschen Team gefordert hätten.

Gerade Klose, in jedem seiner jüngsten 46 Länderspiele von Beginn an auf dem Rasen, hält sich mit Selbstkritik nicht zurück.

Klose fand sich "unterirdisch"

Seine Vorstellungen in den Münchner Ligaspielen gegen Bremen (1:1) und Mainz (1:2) nannte er in der "Süddeutschen Zeitung" "unterirdisch. Da kann man froh sein, dass die Benotung in den Zeitungen nur bis zur Sechs geht."

Seine aktuelle Formschwäche sei noch eine Folge seiner Bänder- und Sehnenverletzung im März.

"Es macht einen Riesenunterschied aus, ob du beim Kopfball oder Torschuss einen hohen Puls hast oder ob du richtig fit bist", erklärt der 31-Jährige die Konsequenzen seines Fitnessdefizits, ohne sie als Entschuldigung heranziehen zu wollen:

"Bin mir der größte Kritiker"

"Ich bin mir selbst der größte Kritiker und ich bin überhaupt nicht zufrieden." Völlig torlos ist Klose in dieser Saison allerdings nicht. Beim 2:0 in Aserbaidschan markierte er den zweiten Treffer, ließ aber auch zwei Riesenmöglichkeiten aus.

Erzielt er nun gegen Südafrika seine Länderspieltore 46 und 47, würde er mit Rudi Völler und Karl-Heinz Rummenigge gleichziehen, die gemeinsam auf Rang drei der ewigen DFB-Bestenliste liegen.

Podolski winkt bei einem Tor, es wäre sein 34. für Deutschland, der Einzug unter die besten Zehn dieses Rankings.

Ballack macht sich für Klose stark

Die bisherige Leistung der Angreifer im DFB-Dress wird Kapitän Michael Ballack zufolge niocht genügend beachtet. Er wirft sich besonders für Klose in die Bresche:

"Die Diskussion um Miro ist für mich völlig überflüssig. Man muss nur sehen, was ein Spieler bei großen Turnieren bringt: Da gibt es in Europa kaum Stürmer, die ähnliche Quoten aufweisen können wie er. Wir wissen, dass wir uns in engen Situationen auf ihn verlassen können."

Gomez kennt das Rezept

Auch Gomez traut seinen Konkurrenten eine zügige Formsteigerung ohne Weiteres zu.

"Jeder weiß, dass Miroslav Klose, Lukas Podolski und auch Cacau über sehr viel Qualität verfügen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie wieder treffen", meint der Neu-Münchner, bei dem die Zählerei torloser Minuten im DFB-Dress selbst erst auf der Asien-Reise bei 829 geendet hatte.

"Ich weiß, wie das ist, man muss aber die Ruhe bewahren und weiter an sich glauben."

Erfolgserlebnis auf der Asienreise

Dann kommt zwangsläufig der Zeitpunkt, an dem ein Stürmer wieder trifft. Gomez schoss beim 7:2 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gleich vier Treffer und hat spätestens seither einen ordentlichen Vorrat an Selbstvertrauen.

Klose, Podolski und Cacau sollten an der Tankstelle Südafrika also besser nicht vorbeifahren.

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