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Marcel Schäfer gab sein Debüt im DFB-Trikot im November 2008 gegen England © imago

Im Interview spricht Marcel Schäfer über seine mannschaftsinterne Rolle im DFB-Team und die Aussichten für das WM-Jahr 2010.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Köln - Wenn sich die sportliche Leitung der Nationalmannschaft einen Spieler nach ihren Vorstellungen backen könnte - er würde Marcel Schäfer vermutlich ziemlich ähneln.

Schäfer ist jung, hat das schnelle Direktspiel als Außenverteidiger spätestens seit der Meister-Saison mit dem VfL Wolfsburg verinnerlicht - und auf den Kopf gefallen ist er auch nicht.

Ein Studium des Sportmanagements hat er bereits abgeschlossen, nun setzt der 25-Jährige auch noch ein Studium des Sportmarketings obendrauf.

Beim Test gegen WM-Gastgeber Südafrika in Leverkusen (ab 20.15 Uhr LIVE) steht Schäfer vor seinem fünften Länderpsiel. Im Sport1.de-Interview spricht er über seinen Aufstieg im DFB-Team und die Chancen für das WM-Jahr 2010.

Sport1.de: Herr Schäfer, die Nationalmannschaft hat mit den Partien gegen Südafrika und Aserbaidschan den ersten Doppelspieltag der Saison vor sich. Welche Wertigkeit haben diese Begegnungen in Ihren Augen?

Marcel Schäfer: Das werden keine einfachen Spiele. Beim Confed Cup hat man schon sehen können, wozu die Südafrikaner fähig sind. Sie haben einige Favoriten mit sehr guten Leistungen überrascht und in Schwierigkeiten gebracht. Und in Aserbaidschan ist ja offensichtlich gewesen, dass wir größere Probleme im Kombinationsspiel hatten.

Sport1.de: Nach Stand der Dinge werden Sie in Leverkusen zu Ihrem fünften Länderspieleinsatz kommen. Was haben Sie persönlich sich für die Partie vorgenommen?

Schäfer: Ich werde versuchen, mich gut zu präsentieren und meine Stärken auszuspielen. Es ist immer eine besondere Chance, wenn man einen Einsatz in der Nationalmannschaft bekommt. Da will ich zeigen, was ich kann.

Sport1.de: Bei einer guten Vorstellung würden sich Ihre Aussichten auf eine WM-Teilnahme weiter verbessern. Hätten Sie sich eine derartige Entwicklung vor einem Jahr vorstellen können?

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Schäfer: Nur schwer, aber ich habe natürlich davon profitiert, dass der VfL Wolfsburg sehr in den Fokus gerückt ist und mit der Meisterschaft etwas nicht Alltägliches erreicht hat. Dadurch bin ich erst zur Nationalmannschaft gekommen. Jetzt will ich natürlich auch in Südafrika dabei sein. Das geht nur über konstant gute Leistungen im Verein.

Sport1.de: Wie hat sich denn mannschaftsintern Ihre Position seit dem Debüt gegen England im November 2008 verändert?

Schäfer: Das ist schwierig zu sagen. Wenn man noch so wenige Spiele gemacht hat wie ich, fühlt man sich noch nicht als richtiger Nationalspieler. Das ist in der Liga ja nicht anders. Wenn man da vier Einsätze gehabt hat, ist man noch lange kein gestandener Bundesligaprofi. Man ist bei der Nationalmannschaft erst wirklich angekommen, wenn man dort über einen längeren Zeitraum dabei ist. Aber die Kollegen haben mich sehr gut aufgenommen, deshalb fühle ich mich wohl hier.

Sport1.de: Wie groß ist denn der Zeitraum, der Sie zu einem vollwertigen Nationalspieler machen würde?

Schäfer: Wenn ich mal anderthalb oder zwei Jahre bei der Nationalmannschaft dabei bin, wäre das der Fall.

Sport1.de: Ist es denn noch so, dass Sie eher den Mund halten, wenn es mannschaftsinterne Diskussionen gibt, oder bringen Sie sich da schon ein?

Schäfer: Man kann schon seine Meinung äußern, keine Frage. Aber es sind andere da, die Erfahrung und Führungsqualitäten besitzen. Und die übernehmen dann das Wort.

Sport1.de: Dazu gehört auch Philipp Lahm. Sind Sie ihm dankbar dafür, dass er die Seite gewechselt und die Linksverteidigerposition für Sie freigemacht hat?

Schäfer: Es ist schon so, dass Philipp eine Stufe über allen Außenverteidigern steht. Das gilt für die linke wie die rechte Seite. Er hat über einen sehr langen Zeitraum sowohl national als auch international hervorragende Leistungen gebracht. Deshalb wäre ein Vergleich nicht hilfreich. Ich muss auf mich schauen und meine Chance nutzen, wenn sie kommt.

Sport1.de: Heißt das, Sie beschäftigen sich auch nicht damit, ob oder wie Ihre Konkurrenten um das WM-Ticket auf der Linksverteidigerposition auftrumpfen?

Schäfer: Nein. Ich habe ziemlich schnell gelernt, dass man nicht vorwärts kommt, wenn man zu viel auf andere schaut. Es ist vielmehr entscheidend, was man selbst auf die Beine stellt.

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