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Timo Gebhart ist sich nach seiner Schwalbe gegen San Marino keiner Schuld bewusst © getty

Timo Gebharts Schwalbe beim Stand von 5:0 kann im deutschen Team niemand verstehen. Er selbst ist sich keiner Schuld bewusst.

Aachen - Der dümmste Platzverweis seit langem hat bei den deutschen U-21-Spielern die Freude über das Schützenfest zum Auftakt der EM-Qualifikation getrübt.

Debütant Timo Gebhart hatte sich beim 6:0 (5:0) des Europameisters gegen San Marino zunächst die Gelbe Karte wegen eines Fouls im Mittelfeld abgeholt und sah kurz nach der Pause wegen einer Schwalbe Gelb-Rot.

Damit zog er sich sogar den Ärger der Mitspieler zu.

"Das war dumm", schimpfte beispielsweise Toni Kroos: "Wir haben 5:0 geführt und er hat gewusst, dass er die Gelbe Karte hat. Da ist eine Schwalbe in einem solchen Spiel einfach nicht nachvollziehbar."

Zwei Treffer hinter den Tschechen

In 40-minütiger Unterzahl verpasste die U 21 gegen den hoffnungslos überforderten Gegner den möglichen höchsten Sieg ihrer Geschichte (bisher 8:0) und liegt im Fernduell gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner Tschechien um zwei Tore im Hintertreffen.

Die Tschechen, am Dienstag in Wiesbaden nächster deutscher Gegner, hatten in San Marino nämlich 8:0 gewonnen.

"Wir hätten mehr Tore machen müssen, aber die Gelb-Rote Karte war natürlich nicht hilfreich", meinte Kroos.

Eine "individualtaktische" Frage

Trainer Rainer Adrion bemühte sich nach seiner "überwiegend positiven" Heim- und Pflichtspielpremiere, den hoch talentierten Gebhart aus der Schusslinie zu nehmen.

Nachdem er zunächst von "umstrittenen Entscheidungen des mazedonischen Schiedsrichters" gesprochen hatte, "die mich ungemein ärgern", war aber auch ihm der Ärger über Gebharts Verhalten anzumerken.

"Ein Kontakt war da, aber dann sieht er, dass er nicht mehr an den Ball kommt und fällt theatralisch", erklärte Adrion: "Ich hätte mir gewünscht, dass er früher den Abschluss sucht und nicht mehr ins Dribbling geht. Er muss sich eben individualtaktisch besser verkaufen."

Gebhart ist sich keiner Schuld bewusst

Eine interne Strafe wird es für den U-19-Europameister, der bis zur besagten 53. Minute einen sehr engagierten Auftritt hinlegte, nicht geben.

"Er darf gegen Tschechien nicht spielen, das ist hart genug", meinte Adrion.

Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler war sich derweil selbst nach dem Schlusspfiff keiner Schuld bewusst. "Aus meiner Sicht gab es einen Kontakt, deswegen war es ein Foul", sagte er: "Trotzdem bin ich traurig, dass ich gegen Tschechien nicht spielen kann."

Gegen Schüler und Studenten

Dort wird es dem deutschen Nachwuchs ohnehin nicht so leicht gemacht wie gegen die aus Berufstätigen, Schülern und Studenten formierte Elf aus dem 30.000-Einwohner-Staat.

"San Marino hat es uns leicht gemacht. Gegen Tschechien müssen wir uns in allen Bereichen einen Tick steigern", meinte Kroos.

Gegen San Marino erzielten die Europameister Jerome Boateng (Hamburger SV/19.), Mats Hummels (Borussia Dortmund/32.) und Benedikt Höwedes (Schalke 04/41.) sowie die Debütanten Deniz Naki (FC St. Pauli/4.) und Julian Schieber (VfB Stuttgart/33. und 57.) die Tore.

"Das Ergebnis ist zu niedrig ausgefallen", meinte Adrion: "Das bedauere ich etwas. Wir haben viele Chancen liegen lassen. Aber wir haben nicht Larifari gespielt, sondern hatten auch Pech. Die Einstellung hat gestimmt, die Spieler haben kommuniziert, sehr variabel gespielt und große körperliche Präsenz gezeigt."

San Marinos Trainer glücklich

Dass der erste zweistellige Sieg in der deutschen U-21-Geschichte durchaus möglich gewesen wäre, zeigte auch die Reaktion des gegnerischen Trainers Massimo Agostini.

Dieser, zuletzt Beach-Soccer Trainer Italiens, sprach davon, "sehr glücklich mit dem Ergebnis" zu sein.

Dann eroberte er als Trophäe ein Spielplakat, das er in der Heimat ins Restaurant hängen will. Als Andenken an das große Spiel auf dem neuen Tivoli in Aachen. Timo Gebhart will es sicher am liebsten schnell vergessen.

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