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Mesut Özil erzielte gegen Südafrika sein erstes Tor in der A-Nationalmannschaft © imago

Der Bremer ist beim 2:0 gegen Südafrika der überragende deutsche Spieler. Die Mitspieler schwärmen, er selbst bleibt bescheiden.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Leverkusen - Es mag ein Zufall gewesen sein, bemerkenswert war es dennoch.

Fußball-Deutschland hatte sich vor dem Testspiel gegen Südafrika gerade mit viel Applaus von seinem über lange Jahre besten Techniker Bernd Schneider verabschiedet, da stand schon sein Nachfolger auf der Fußmatte.

Denn Mesut Özil streichelte den Ball bei seinem ersten Nationalmannschaftseinsatz von Beginn an ähnlich liebevoll wie es Schneider in seinen 81 Begegnungen für das DFB-Team getan hatte. 148449(DIASHOW: Bilder des Spiels)

Auch ihr zurückhaltendes Naturell verbindet die beiden. Dass sie um starke Leistungen keine großen Worte machen, macht sie für viele zu Sympathieträgern.

Özil torgefährlicher als Schneider

Die größere Torgefährlichkeit allerdings unterscheidet Özil von dem "weißen Brasilianer". Beim 2:0 gegen den WM-Gastgeber traf der Bremer zum Endstand (77.), nachdem er schon am 1:0 von Mario Gomez wesentlich beteiligt gewesen war.

"Das erste Tor für Deutschland ist etwas ganz Besonderes?, bekannte Özil nach der Partie. "Das war aber auch ein Superpass von Miro Klose. Ich musste den Ball nur noch reinschieben."

Sein prägender Einfluss auf das Spiel der deutschen Mannschaft ließ sich nicht so bescheiden herunterspielen.

Lob vom Bundestrainer

Denn Özils Leistung rechtfertigte die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, auf ein Fünfer-Mittelfeld umzustellen, damit die Vorzüge des Bremers zur Geltung kommen.

"Mesut hat viel Kreativität ins Spiel gebracht. Er hat das Auge für den besser postierten Mitspieler und großes Potenzial", lobte Löw: "Er ist ein Mann für die Zukunft, muss aber auch noch lernen, etwa in der Rückwärtsbewegung." (Die Stimmen zum Spiel)

Mannschaftsintern kommt der 20-Jährige schon in der Gegenwart gut an.

Gomez gerät ins Schwärmen

"So einen Spieler wie Özil hatte Deutschland lange nicht. Deshalb sollten wir froh sein, ihn zu haben", meinte etwa Gomez.

"Mesut hat immer den Blick nach vorne, er kann den Ball gut halten, er spielt die Pässe und macht dann auch noch selbst Tore - es ist ein Traum für jeden Stürmer, mit so einem Mittelfeldspieler zusammenzuspielen."

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Özil fühlt sich seinerseits privilegiert, mit den besten deutschen Kickern seiner Leidenschaft nachgehen zu dürfen.

Unterstützung durch Ballack

"Wenn ich auf dem Platz bin, macht es mir sehr viel Spaß. Dann will ich der Mannschaft helfen so gut es geht", sagte er. "Gegen Südafrika ist mir fast alles gelungen, darüber bin ich sehr glücklich. Ich bin von Michael Ballack aber auch sehr gut gecoacht worden."

Der Kapitän sah seine Unterstützung als Selbstverständlichkeit an. "Mesut ist ein junger Spieler, der natürlich Hilfe braucht und diese auch annimmt", urteilte Ballack.

"Er soll trotzdem seine Unbekümmertheit behalten, denn er ist ein guter Fußballer, dem man nicht sagen muss, was er tun soll. Er macht sowieso schon oft das Richtige."

Rückwärtsbewegung "braucht Zeit"

Man merke Özil an, dass er es genieße, Fußball zu spielen. Lediglich in der Rückwärtsbewegung müsse sich der Bremer "noch eingewöhnen und die Mannschaft kennenlernen. Das braucht Zeit", bemerkte Ballack.

Dass Özil aufgrund seines aktuellen Höhenflugs den Boden unter den Füßen verlieren könnte, glaubt Ballack nicht: "Er macht einen ruhigen Eindruck und hat in seinem Bremer Umfeld genügend erfahrene Spieler und Trainer, so dass ich mir dahingehend keine Sorgen mache."

Sammer: "Tolle Entwicklung"

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer wunderte sich im DSF-Doppelpass gar über die selbstauferlegte Zurückhaltung vieler Medien, Özil hochzujubeln:

"Warum sollen wir ihn denn nicht loben? Er ist ein außergewöhnlich guter Spieler, der seit 2007, als er noch etwas verschüchtert und mit hängenden Schultern auf dem Platz stand, eine tolle Entwicklung genommen hat."

Der 20-Jährige selbst verzichtete derweil darauf, aus seiner überzeugenden Leistung nun Stammplatzansprüche abzuleiten.

"Ich werde jetzt im Training wieder Gas geben", versprach er, "damit mich der Trainer am Mittwoch wieder nominiert."

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