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Mesut Özil bestritt gegen Südafrika sein erstes Länderspiel von Beginn an © getty

Für den Bremer weicht Bundestrainer Löw gegen Südafrika mit Erfolg vom bewährten 4-4-2 ab und gibt ihm sogar eine Einsatzgarantie.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Köln - Joachim Löw lässt sich noch nicht in die Karten schauen.

"Die taktische Aufgabe bleibt auch am Mittwoch gegen Aserbaidschan gleich: Dominanz zeigen, druckvoll nach vorne spielen, Chancen herausarbeiten, Tore erzielen, Dynamik und Schwung im Spiel haben", sagte der Bundestrainer am Tag nach dem ungefährdeten 2:0 (1:0) gegen Südafrika.

"Ob das nun im 4-4-2- oder 4-3-3-System geschieht, muss man sehen."

Das 4-3-3, das bei gegnerischem Ballbesitz durch Rückzug der offensiven Außen zu einem 4-5-1 wird, hatte gegen den WM-Gastgeber ein überraschendes Comeback erlebt148449(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Flexibilität ist Löw wichtig

"Wir haben die ganze Woche daraufhin trainiert", berichtete Löw. "Für mich ist es immer wichtig zu wissen, dass es zwei Möglichkeiten und eine gewisse Flexibilität gibt. Ein Spieler wie Mesut Özil gibt mir als Trainer die taktische Möglichkeit, dieses 4-3-3 besser zu spielen."

Der Bremer Spielgestalter war bei seiner Startelf-Premiere am Samstag bester Mann auf dem Platz und erhielt als Belohnung eine Einsatzgarantie für das WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch in Hannover (ab 20.15 Uhr LIVE).

"Mesut hat unserem Spiel nach vorne gute Aktionen gegeben", lobte der Bundestrainer. "Von daher gehe ich mal davon aus, dass er auch gegen Aserbaidschan von Anfang an spielen wird." (Die Stimmen zum Spiel)

Özil macht das 4-3-3 zur Alternative

Im Gegensatz zum 4-5-1 bei der EM-Endrunde im Vorjahr, das eher aus der Not geboren war, könnte das aktuelle 4-3-3 durch Özil eine dauerhaft gleichwertige Alternative zum bewährten 4-4-2 werden.

"Mit Özil habe ich nun einen Spieler, der das taktisch gut löst", erläutert Löw.

"Er agiert zeitweise als Stürmer und lässt sich dann wieder ins Mittelfeld fallen beziehungsweise in die Zwischenräume zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners. Er kann sich gut drehen, die Pässe in die Spitze spielen und selber gehen."

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System mit Vor- und Nachteilen

Das deutsche Spiel ist dadurch in der Kreativzentrale für den Gegner weniger berechenbar.

"Das System hat seine Vor- und Nachteile", findet Bastian Schweinsteiger. "Wenn man nur einen Stürmer vorne drin hat, ist es ein bisschen schwieriger, Flanken an den Mann zu bringen. Allerdings hat man auch öfters Überzahl im Mittelfeld."

Mario Gomez, der am Sonntag das Training wegen Schmerzen am rechten Knie abbrach und dessen Einsatzfähigkeit am Mittwoch deshalb fraglich ist, hat prinzipiell lieber einen Sturmpartner an seiner Seite.

Unterstützung für den Sturm wichtig

"Normalerweise ist das System mit einer Spitze schwierig, weil du vorne kaum Bälle bekommst", meinte der Neu-Münchner.

"Aber wenn wir so spielen wie gegen Südafrika, mit dieser Begeisterung und der Leidenschaft nach vorne, dann hast du es sogar einfach. Du hast links und rechts immer wieder Anspielstationen, alle haben mit nach vorne gearbeitet."

Auch Kapitän Michael Ballack war von der Umsetzung des 4-3-3 angetan: "Die Mannschaft hat Sicherheit zurückgefunden", stellte er fest. "Es sieht immer gut aus, wenn wir mit fünf Spielern im Mittelfeld spielen, gerade defensiv."

Ballack plädiert für klassische Zehn

Dass er selbst sich wohlfühlt, wenn er hinter einem klassischen Spielmacher agiert, verheimlichte er nicht.

"Es liegt mir, wenn vor mir noch eine Nummer 10 spielt, einer, der klein und wendig ist, der die Bälle verteilt und schleppt. Mesut ist so ein Spieler."

Löw hob allerdings hervor, dass sich nicht nur Ballack und Özil gut verstanden hätten: "Das gilt auch für die Außenspieler. Es ist gut, wenn man auf der einen Seite Marko Marin oder Lukas Podolski hat und auf der anderen Schweinsteiger oder Piotr Trochowski."

Löw hat die Wahl

Da zudem die Kandidaten für den Platz neben Ballack im zentralen Mittelfeld - Simon Rolfes, Thomas Hitzlsperger, Sami Khedira und Christian Gentner - alle im Training einen guten Eindruck machten, sei es "im Moment sehr positiv zu sehen, dass wir in den Besetzungen der einzelnen Positionen mehrere Möglichkeiten haben".

Dass die Gegner im Endspurt um die WM-Qualifikation nun nicht mehr wissen, was und wer genau auf sie zukommt, dürfte zudem mehr als nur ein positiver Nebeneffekt sein.

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