Ein Großer nimmt mit gewaltiger Show Abschied vom Fußball. Doch eigentlich ist diese Inszenierung gar nicht in Bernd Schneiders Sinn.

Schon beim Anlauf hatte Bernd Schneider ein Lächeln im Gesicht: Endlich Fußball.

Er sah so aus, als habe er sich schon den ganzen Tag darauf gefreut. Ein Künstler fühlt sich eben am wohlsten, wenn er seiner Leidenschaft frönen kann.

Bernd Schneider gehört zu den Fußballern, denen der Beruf ohne Begleiterscheinungen wie dauerhafte Medienpräsenz womöglich noch mehr Spaß gemacht hätte.

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Die verdienten Ovationen von der Tribüne bei seiner Verabschiedung vor dem deutschen Länderspiel gegen Südafrika in seiner zweiten Heimat Leverkusen hatte er gerührt entgegengenommen und den Fans seinerseits applaudiert.

Auch die Umarmungen und Händedrücke von seinen ehemaligen Mannschaftskollegen und den Mitgliedern des DFB-Stabs, zu denen er im Laufe seiner 81 Begegnungen währenden Länderspielkarriere ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat, nahm er gerne entgegen.

Nur die mediale Inszenierung des Ganzen war ihm offensichtlich suspekt.

Durchaus nachvollziehbar, denn welchem 35-Jährigen ist es schon angenehm, wenn seine unwiederbringliche Vergangenheit auf eine Minute zusammengeschnitten und mit lieb gemeinten Kommentaren von Zeitzeugen und Weggefährten garniert vor knapp 30.000 Zuschauern über die Videowand flimmert?

Das hat etwas von einem Nachruf. Nicht umsonst erfreuen sich Preise für das Lebenswerk in der Showbranche bei den Ausgezeichneten keineswegs uneingeschränkter Beliebtheit.

Denn sie teilen den Betreffenden gar nicht einmal mehr durch die Blume mit, dass ihre besten Zeiten hinter ihnen liegen und man nichts Bedeutendes mehr von ihnen erwartet.

Das Publikum erhebt sich in diesen Fällen zum Applaus von seinen Sitzen, auch das ist inzwischen standardisierter Teil der Inszenierung und muss nicht zwingend von Herzen kommen.

Deshalb schien Schneider am späteren Abend im "ZDF"-Sportstudio auch gar nicht glücklich, als Moderator Michael Steinbrecher ihn allein auf der Bühne stehen ließ, nicht ohne die Zuschauer zuvor zu instruieren, sich doch nun bitte vor dem großen Sportler Bernd Schneider zu verneigen.

Ernst gemeinter Applaus gerne, aber diese aufgesetzte Nummer auf Kommando war sicher nicht in Schneiders Sinn. Da wusste er wieder, warum er während seiner gesamten Karriere nie im Sportstudio aufgetreten war.

"Ich hatte zwei, drei Einladungen, aber es kam immer etwas Wichtigeres dazwischen", meinte er später lakonisch an der Torwand. "Meine Mutter hatte immer Geburtstag."

Dann, zack, einen unten, zwei oben, mit viel Gefühl und dem erwähnten Lächeln im Gesicht. Er ist eben ein Kicker, kein Showstar.

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