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Offenbar nicht zufrieden: Michael Ballack sagte Serdar Tasci (r.) deutlich die Meinung © getty

Die Innenverteidigung bleibt die große Problemzone. Weder Tasci noch Westermann können sich empfehlen, Alternativen sind rar.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Köln - Das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag gegen Südafrika(2:0) hatte in Mesut Özil einen großen Gewinner, aber auch zwei Verlierer.

Serdar Tasci und Heiko Westermann waren angetreten, um sich in jeweils 45 Minuten für den halblinken Posten in der Innenverteidigung zu empfehlen.

Als Partner des gesetzten Abwehrchefs Per Mertesacker, der in Leverkusen von Arne Friedrich vertreten wurde.

Doch weder der Stuttgarter noch der Schalker sammelten mit ihren Auftritten Pluspunkte. Eher im Gegenteil.

Tasci findet sich "ganz okay"

"Ganz okay" habe er gespielt, sagte Tasci zwar nach seinem neunten Länderspieleinsatz.

Doch wie schon beim 2:0 in Aserbaidschan standen seiner unbestritten guten Spieleröffnung haarsträubende Stellungsfehler gegenüber.

Als er zudem beim Versuch eines Befreiungsschlags im eigenen Strafraum über den Ball schlug, musste Torwart Rene Adler Kopf und Kragen riskieren, um die Gefahr zu bannen. 148449(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Michael Ballack sagte Tasci danch ziemlich deutlich die Meinung.

Tascis Ablöse Westermann verbreitete nach der Pause ebenfalls keine Sicherheit. "Es ist für einen Verteidiger natürlich nicht so einfach, so mitten in einem Spiel reinzukommen", bat der Schalker um mildernde Umstände.

Westermanns Selbstkritik

Er räumte allerdings ohne Weiteres ein, dass er bei zwei südafrikanischen Großchancen "ziemlich schlecht ausgesehen" habe.

Sieben verschiedene Innenverteidigerpaarungen hat Bundestrainer Joachim Löw in den vergangenen zwölf Länderspielen ausprobiert.

Doch der ideale Partner für Mertesacker ist nach Stand der Dinge weder Tasci noch Westermann oder der zwischenzeitlich zurückgekehrte Robert Huth.

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So macht sich nun auch Friedrich wieder Hoffnungen auf den zweiten Platz in der Innenverteidigung, den er am Mittwoch gegen Aserbaidschan (ab 20.15 Uhr LIVE) wohl auch einnehmen dürfte.

"Ich kann auch halblinks spielen. Das bringt nur eine kleine Umstellung bei der Körperdrehung mit sich, ist also kein großer Unterschied", meint der Berliner.

Friedrich wäre allerdings mit einer missglückten Kopfballabwehr gegen Südafrika um ein Haar ein Eigentor unterlaufen - auch hier rettete der glänzende Adler.

"Aktuell streiten sich drei Spieler um den Platz neben Per"

Der Routinier, der bei der WM 2006 und den EM-Endrunden 2004 und 2008 als rechter Außenverteidiger spielte, will endlich wie bei Hertha BSC auch im DFB-Team in der Mitte zum Zug kommen.

"Aktuell streiten drei Spieler um den Platz neben Per. Ich hoffe, dass der Trainer auf mich zurückgreifen wird", erklärte Friedrich.

Er habe gegen Südafrika versucht, die Hintermannschaft zu dirigieren. "Ich denke, das habe ich ordentlich gemacht."

Diese Einschätzung teilte Löw: "Friedrich hat es hinten organisatorisch gut gelöst. Aber in der Defensive bleibt noch einiges zu verbessern, in der Abstimmung wie beim Spielaufbau."

Kohler fordert Stabilität

Auch Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990, stellt der Abwehrzentrale aktuell kein gutes Zeugnis aus.

"Wir haben auf dieser Position derzeit keine festen Größen, bei denen man sich keine Sorgen machen muss", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

"Dabei ist Stabilität gerade dort sehr wichtig."

Vor dem wohl entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland am 10. Oktober noch neue Kräfte zum Kader hinzuzuholen, dürfte für Löw auch zu riskant sein.

Denn von Perspektivspielern wie dem Hamburger Jerome Boateng oder dem Schalker Benedikt Höwedes kann er nicht erwarten, dass sie sich ausgerechnet im "Enspiel" um den Gruppensieg sofort reibungslos integrieren.

Alternative Metzelder?

Bliebe also als Alternative Christoph Metzelder, wenn er denn bei Real Madrid wieder zur Startelf gehören sollte.

Er kennt die Abläufe im Nationalteam und an der Seite Mertesackers und könnte daher schnell helfen, auch wenn sein letzter Einsatz in der DFB-Auswahl, das EM-Finale 2008 gegen Spanien (0:1), gute 14 Monate zurückliegt.

"Wenn er Spielpraxis hat, kannst du als Trainer nicht am Christoph vorbei", meint auch Karlheinz Förster, der beste deutsche Vorstopper der 1980er Jahre.

Das Problem: Trotz hervorragender Vorbereitung saß Metzelder bei Reals Ligastart gegen Deportivo La Coruna (3:2) nur auf der Bank, weil er in der Woche zuvor mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte.

Neben Alvaro Arbeloa vom FC Liverpool haben die "Königlichen" zudem in Raul Albiol einen spanischen Europameister vom FC Valencia verpflichtet.

Er dürfte gemeinsam mit Pepe Reals Abwehrmitte besetzen, sobald der Portugiese die letzten drei Partien seiner Zehn-Spiele-Sperre abgesessen hat.

Mertesacker bleibt gelassen

Somit dürfte Löw das Problem noch ein wenig erhalten bleiben, zumal auch Mertesacker in den vergangenen Monaten häufig nicht in Bestform agierte.

Dennoch kann der Bremer die Diskussionen nicht nachvollziehen. "Einen Grund zur Sorge sehe ich nicht", mahnt er zur Gelassenheit.

"Bislang hat sich bei großen Turnieren immer ein gutes Innenverteidiger-Duo herauskristallisiert. Und das wird auch diesmal funktionieren."

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