vergrößernverkleinern
Matthias Sammer hat beim DFB einen Vertrag als Sportdirektor bis 2011 © getty

Matthias Sammer erklärt Sport1.de, was er von der angeblichen Klinsmann-Rückkehr hält und warum er voll hinter Joachim Löw steht.

Von Martin Volkmar

München - Für die deutsche Nationalmannschaft war der Sieg gegen Südafrika nur ein kleiner Schritt nach vorne.

Dennoch hat der Erfolg für Erleichterung gesorgt.

Denn bei einer Pleite gegen den WM-Gastgeber wäre nach den zuletzt schwachen Vorstellungen der DFB-Auswahl wohl auch Joachim Löw ins Zentrum der Kritik geraten.

Entsprechend verärgert war man beim Verband über die unmittelbar von DFB-Präsident Theo Zwanziger dementierte Meldung über eine Rückkehr von Jürgen Klinsmann als WM-Berater.

Schaden für den Bundestrainer

"So eine Diskussion tut unserem Bundestrainer nicht gut, weil er nach der WM 2006 aus dem Schatten von Jürgen Klinsmann herausgetreten ist und sich freigeschwommen hat", erklärte Sportdirektor Matthias Sammer Sport1.de am Rande des DSF-Doppelpass.

Auch in der Sendung nahm Sammer kein Blatt vor den Mund: "Was mich stört: Wir sind Europameister bei der U 17, U 19 und U 21 und diskutieren über einen Mann, der bei allem Respekt als Trainer nichts gewonnen hat."

Noch deutlicher äußern sich andere Verantwortliche beim DFB, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand:

Für Klinsmann führt aufgrund seiner Radikalreformen als Bundestrainer, aber auch aufgrund seines Scheiterns beim FC Bayern vorerst kein Weg zurück zum DFB.

"PR-Gag" von interessierter Seite

Entsprechende Berichte bezeichnete Sammer daher als einen "einen PR-Gag", der von interessierter Seite lanciert worden sei.

Klinsmann soll dadurch offenbar wieder ins Gespräch gebracht werden, doch damit wird auch die zuletzt ohnehin angekratzte Position von Löw geschwächt.

"Man sollte dem Jürgen auch irgendwie helfen, aber nicht auf die Art und Weise", meinte Sammer:

"Jürgen Klinsmann geht es von seinem Seelenleben her im Moment sicher nicht optimal. Deshalb ist es nach so einer Entlassung auch nicht der Zeitpunkt, draufzutreten und deshalb lasse ich ihn auch in Ruhe."

Der Ex-Nationalspieler würde wohl noch deutlicher werden, wenn ihm nicht eine gewisse Abneigung gegenüber dem ehemaligen Bundestrainer unterstellt werden könnte.

Klinsmann wollte Sammer als Sportdirektor verhindern

Denn Klinsmann setzte bekanntlich - erfolglos - alle Hebel in Bewegung, um Sammer 2006 als neuen Sportdirektor zu verhindern und seinen Wunschkandidaten durchzusetzen, den damaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters.

"Ich will Matthias auf keinen Fall", hat Klinsmann damals laut Peters erklärt. "Es wird keine Zusammenarbeit zwischen mir und Matthias geben."

Daher sieht Sammer die jetzigen Meinungsverschiedenheiten und Kompetenzstreitigkeiten mit Löw oder Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, wie zuletzt während der U-21-EM, sehr gelassen.

Solche Diskussionen seien nichts im Vergleich zu den Schwierigkeiten zu Beginn seiner Amtszeit.

"Wenn man sich überlegt, wie es geknirscht hat, als ich gekommen war: Wenn damals etwas morsch gewesen wäre, wäre alles zusammengebrochen", sagte er Sport1.de.

Diskussionen heftig, aber konstruktiv

Nun aber seien die Auseinandersetzungen manchmal heftig, aber immer konstruktiv. "Natürlich streiten wir uns auch intern", erklärte der 42-Jährige.

"Aber wenn man sich gegenseitig zu Höchstleistungen treiben will, muss man sich auch die Wahrheit sagen. Und so arbeiten wir beim DFB und deshalb sind wir auch erfolgreich."

Nicht ohne Genugtuung verweist Sammer in diesem Zusammenhang darauf, dass der DFB mit den drei EM-Titeln bei den Junioren derzeit der erfolgreichste Verband Europas sei.

Noch wichtiger sei aber das große Potenzial an zukünftigen deutschen Topstars wie etwa dem gegen Südafrika überragenden Mesut Özil.

Diese Erfolgsaussichten, auch mit der DFB-Auswahl erstmals seit der Europameisterschaft 1996 wieder einen großen Titel zu holen, machen es Sammer im Gegensatz zur Zeit unter Klinsmann leichter, sich dem Bundestrainer im Zweifelsfall unterzuordnen:

"Die jetzige Konstellation ist sauber und meine ganze Unterstützung gilt der A-Nationalmannschaft."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel