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Robert Enke fehlte im Oktober 2008 gegen Russland aufgrund eines Handbruchs © getty

Durch die Erkrankung des Hannoveraners wird das Rennen um die Nummer 1 neu eröffnet. Sein Vertreter könnte dauerhaft profitieren.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Hannover - Robert Enke gehört wohl zu den größten Pechvögeln, die je im deutschen Nationalteam zwischen den Pfosten gestanden haben.

Schon 1999 hatte er beim Confed Cup in Mexiko noch unter Erich Ribbeck erstmals zum Kader der DFB-Auswahl gehört, war aber ohne Einsatz geblieben und durch seinen Wechsel ins Ausland anschließend völlig aus dem Blickfeld geraten.

Erst drei Jahre nach seiner Rückkehr in die Bundesliga gab er 2007 gegen Dänemark (0:1) sein Nationalmannschaftsdebüt.

Nach der EM 2008, an der er als Ersatzmann teilnahm, stieg er endlich zur Nummer eins unter den deutschen Torhütern auf.

Kahnbeinbruch zur Unzeit

Doch just vor der ersten wichtigen Bewährungsprobe, dem WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1) im Oktober 2008, erlitt er im Training der DFB-Auswahl einen Kahnbeinbruch.

Daraufhin musste er monatelang aussetzen und zusehen, wie Rene Adler erst glänzend debütierte und ihn dann lange gut vertrat.

Erst Ende März eroberte Enke seinen Platz im deutschen Tor zurück - und muss ihn nun vor dem Endspurt in der WM-Qualifikation mit dem Auftakt gegen Aserbaidschan in seiner Wahlheimat Hannover (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) erneut aus gesundheitlichen Gründen wieder räumen.

Ein grippaler Infekt legt ihn lahm. Eine genaue Diagnose für die seit Tagen anhaltenden Beschwerden soll am Dienstag erfolgen.

"Ich bin maßlos enttäuscht, aber ich habe nicht das Gefühl voll einsatzfähig zu sein", sagte der 32-Jährige der "Bild". "Ich hoffe, dass bald klar wird, was ich habe."

Profitiert erneut Adler?

Wieder dürfte der Nutznießer Adler heißen. Denn der Schlussmann von Bayer Leverkusen, zeigte beim beim 2:0-Erfolg im Testspiel gegen WM-Gastgeber Südafrika in seinem ersten Länderspiel seit Februar eine Leistung, die die sportliche Leitung beeindruckte.

"Rene Adler hat Andreas Köpke und mich überzeugt", meinte Bundestrainer Joachim Löw. "Er hat in einigen Situationen bewiesen, dass er eine große Klasse besitzt."

Der Leverkusener, der unter anderem drei spektakuläre Paraden zeigte, war mit seiner eigenen Vorstellung ebenfalls hochzufrieden:

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"Ich habe mein Tief überwunden und bin sehr glücklich über meine Leistung. Ich spiele wieder konstant auf sehr hohem Niveau."

Dennoch wäre Adler ohne Enkes erneutes Pech an dem Hannoveraner wohl vorerst nicht vorbei gekommen.

Schumacher glaubt an Enke

"Ich sehe nicht, dass Robert Enke jetzt gegen Aserbaidschan irgendwie unter Druck steht", hatte Toni Schumacher noch am Montagnachmittag Sport1.de gegenüber erklärt. "Es ist egal wie Rene Adler, Tim Wiese oder Manuel Neuer spielen."

Der Bundestrainer habe sich darauf festgelegt, mit Enke die WM-Qualifikation zu Ende zu spielen. Gelinge mit ihm der Sprung nach Südafrika, habe der Hannoveraner sicher einen Bonus.

"Es wäre eine Überraschung für mich, wenn Jogi Löw auf einmal anfangen würde rumzueiern", hatte Schumacher gesagt. "Wenn jetzt nicht noch dramatische Dinge passieren, ist das Ding für mich durch."

Löw muss umdenken

Die Erkrankung Enkes zum ungünstigen Zeitpunkt stellt wohl ein zumindest in diesem Zusammenhang "dramatisches Ding" dar.

"Dadurch ergibt sich eine neue Konstellation", meinte Löw am Montagabend.

So bedauerlich der Ausfall für Enke selbst ist, so weiß nicht nur DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, dass auch mit Adler oder gegebenenfalls dem Schalker Manuel Neuer ein starker Rückhalt im deutschen Tor stehen wird.

"Auf dieser Position haben wir in Deutschland absolut kein Problem", hatte er im DSF-Doppelpass erklärt. "Die Engländer würden uns die Füße küssen, wenn sie nur einen unserer vier Torhüter kriegen könnten."

Enke wird diese Aussage wohl trotzdem nicht trösten.

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