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Miroslav Klose erzielte bislang in 90 Länderspielen 45 Tore © imago

Der WM-Torschützenkönig von 2006 muss bei Bayern und der DFB-Elf Mario Gomez den Vortritt lassen. Trotzdem ist er zuversichtlich.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Hannover - Miroslav Klose muss niemandem mehr etwas beweisen. In seinen bislang 90 Länderspielen hat er 45 Tore erzielt.

Nur Gerd Müller (68), Joachim Streich (68), Jürgen Klinsmann und Rudi Völler (beide 47) haben mehr Tore für Deutschland geschossen. Das sind gerade einmal vier Angreifer, allesamt Idole ihrer Zeit.

Doch Klose ist trotz seiner hervorragenden Quote in der Nationalmannschaft nicht mehr unantastbar.

Gegen Südafrika saß der WM-Torschützenkönig von 2006 erstmals seit fünf Jahren zu Beginn eines Länderspiels auf der Bank - und konnte das sogar nachvollziehen.

Fitnessdefizit als Problem

"Ich benötige für mein Spiel 100 Prozent Fitness, und die habe ich bei Weitem nicht", räumte er im "kicker" gegenüber ein.

Die körperliche Verfassung sei allerdings der einzige Grund, warum er derzeit nicht so spielt, wie er sich das vorstellt:

"Ich bin ja nicht im Tief, was das Toreschießen angeht", merkte er an.

"Aber seit der Bänderverletzung im März konnte ich keine richtige Basis mehr aufbauen. Da war ich acht Wochen raus, dann kam nach dem Urlaub eine Vorbereitung, die nicht rund lief."

Seine schwachen Leistungen seither seien "eine logische Konsequenz".

Elber rät zum Wechsel

Dennoch ist Klose nach der Umstellung auf ein System mit nur einem Mittelstürmer derzeit sowohl bei der DFB-Auswahl wie auch beim FC Bayern nur Ersatzmann hinter Mario Gomez.

Mit Blick auf die Münchner erklärt Ex-FCB-Torjäger Giovane Elber sogar: "In meiner Rangliste ist Klose nur auf Platz drei."

Der Brasilianer hält Gomez und auch Luca Toni für stärker und rät Klose daher in der "tz": "Irgendwie muss er sich seinen Platz erkämpfen - oder Gedanken über einen Wechsel machen."

Doch davon ist der 31-Jährige nach eigener Aussage weit entfernt. "Ich weiß, was ich kann", sagte er.

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"Ich weiß, was ich kann"

Wenn ich meine Fitness habe, werde ich überall spielen, in der Nationalelf und auch bei den Bayern."

Bei seinem 45-minütigen Einsatz in der zweiten Halbzeit des Testspiels gegen Südafrika bewies der Münchner schon einmal aufsteigende Tendenz.

Dreimal legte er Bastian Schweinsteiger den Ball zum Torschuss auf, den Treffer von Mesut Özil zum 2:0-Endstand bereitete er mustergültig vor.

Dass er diese Torvorlage enthusiastisch feierte, belegte allerdings, wie sehr Klose ein solches Erfolgserlebnis gefehlt hatte.

Freude für Özil und sich selbst

"Bei der WM habe ich dem Poldi einen aufgelegt, danach habe ich sogar einen Salto gemacht", spielte er seine Reaktion nach der Partie herunter.

"Man hat mich also durchaus schon bei Vorlagen jubeln sehen. Ich habe mich für Mesut gefreut und auch ein wenig für mich selbst, weil ich ein bisschen davon gezeigt habe, was ich kann."

An seinen Fähigkeiten hat im DFB-Trainerstab ohnehin nie jemand gezweifelt.

Löw registriert Aufwärtstendenz

"Miro hat gezeigt, wie gut er andere Spieler einsetzen kann, er hat in 45 Minuten vier Riesenchancen vorbereitet", war Bundestrainer Joachim Löw durchaus angetan.

"Er hat sich hier bei der Nationalmannschaft jeden Tag gesteigert, ist auch wieder dynamischer und hat durch das Spiel gegen Südafrika zudem an Selbstvertrauen gewonnen."

Die Nominierung des Münchners, in der Öffentlichkeit gerade aufgrund der starken Form des Leverkuseners Stefan Kießling intensiv diskutiert, sei für ihn "selbstverständlich" gewesen.

Rückendeckung durch Ballack

Auch Kapitän Michael Ballack hatte die Kritik an Klose als überflüssig abgekanzelt: "Auf Miro kann man sich immer verlassen, wenn es wichtig wird."

Das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) in Hannover hat nun durchaus eine gewisse Bedeutung.

Da nicht zu erwarten ist, dass Löw nach dem gelungenen Experiment am Samstag vom 4-3-3 abweicht, ist nur für einen zentralen Stürmer Platz in der Mannschaft.

Gomez ist nach abgeklungenen Kniebeschwerden ins Training zurückgekehrt. Klose schert die Fitness des Kollegen allerdings wenig: "Ich gehe davon aus, dass ich spiele."

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