vergrößernverkleinern
Michael Ballack absolvierte sein erstes Länderspiel am 28. April 1999 in Bremen gegen Schottland © imago

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan hebt Löw die Leistung Michael Ballacks auf und abseits des Platzes heraus.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Hannover ? Es ist noch kein halbes Jahr her, da wurde die Autorität von Michael Ballack in der Nationalmannschaft nachdrücklich in Frage gestellt.

Als Lukas Podolski dem Kapitän der deutschen Auswahl beim 2:0 in Wales auf dem Platz eine Ohrfeige verpasst hatte, war die Forderung der Fußball-Stammtische eindeutig:

Ballack habe ähnlich tatkräftig reagieren müssen, um dem aufmüpfigen "Poldi" nachdrücklich klarzumachen, wer das Sagen hat.

Ballack blieb besonnen und lag damit völlig richtig.

Denn während Podolski aktuell in der deutschen Auswahl nur eine Nebenrolle spielt, darf sich der Chelsea-Legionär vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan (ab 20.15 Uhr LIVE) der vollen Rückendeckung von Trainerstab und Mannschaft mehr denn je sicher sein..

Nur Lob von Löw

"Ich bin der Meinung, dass Michael im Moment ein sehr starker Kapitän ist", sagte Joachim Löw auf Nachfrage von Sport1.de.

"Er ist innerhalb der Mannschaft auf dem Platz, beim Training und auch sonst der Spieler, der sehr großen Einfluss nimmt, vor allem auf junge Spieler."

Ein knappes Jahr nach dem heftigen Konflikt mit dem Spielführer hat der Bundestrainer nur noch Lob parat:

"Er denkt für die Mannschaft mit, organisiert, kommuniziert stark auf dem Platz und kümmert sich vor allem um die Integration der neuen Spieler. Das ist das, was wir wollen. Und das macht er als Kapitän ganz hervorragend."

Ballack warf sich in diesen Tagen öffentlich für den zuletzt kritisierten Miroslav Klose in die Bresche, unterstrich dessen Verdienste für die Nationalmannschaft.

"Coach" für Özil

Startelf-Neuling Mesut Özil wies nach seiner starken Leistung gegen Südafrika (2:0) ausdrücklich darauf hin, dass er von Ballack "gut gecoacht" worden sei. Der Kapitän wiederum lobte Özils Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.

[image id="25847714-65de-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die Botschaft ist klar: Wer bereit ist, unter seiner Führung mitzuziehen, über den hält Ballack seine schützende Hand. Im Fall Özil geschieht das nicht ganz uneigennützig.

"Wenn er so einen ballsicheren, wendigen Spieler wie Özil vor sich hat, kommt seine eigene Stärke voll zum Tragen", erklärt sein ehemaliger Leverkusener Trainer Klaus Toppmöller im Gespräch mit Sport1.de.

"Position wie auf den Leib geschnitten"

"Er ist selbst kein Spielmacher und auch kein Sechser im eigentlichen Sinn. Diese Position in der Nationalmannschaft, wo er das Spiel vor sich hat und dann aus dem Windschatten von Özil nach vorne stoßen kann, ist ihm deshalb wie auf den Leib geschnitten."

In Bayers großem Jahr 2002 habe Ballack von Yildiray Bastürk in ähnlicher Weise profitiert: "Er selbst wird dann nicht so eng markiert."

Dass der Kapitän in dieser Position den Spielrhythmus noch besser bestimmen kann, werde der Nationalmannschaft nur gut tun.

"Michael ist taktisch sehr, sehr clever und weiß ganz genau, wie er auf veränderte Situationen oder Spielstände reagieren muss", urteilt Toppmöller.

"Dahingehend ist er perfekt. Und damit stellt er sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft."

Älter, aber nicht weniger bissig

Mit 32 Jahren ist Ballack inzwischen der älteste Spieler im deutschen Aufgebot.

"Ich kann natürlich nicht von mir behaupten, dass ich alles richtig mache", gab er im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" zu.

"Aber wenn man älter wird, versucht man, weniger Fehler zu machen. Macht man vielleicht auch."

Aufgrund seiner Erfahrung reagiere er heute besonnener auf die Dinge ? wie eben jenen Fall Podolski am 1. April.

Zum zahnlosen "elder statesman" mache ihn das aber noch lange nicht:

"Ich habe an mir noch nicht feststellen können, dass ich mit meiner Meinung hinter dem Berg halte."

Reizklima für Höchstleistungen nötig

Ein gewisses Reizklima sei für Höchstleistungen nun einmal vonnöten.

"Wenn alles so kalt poliert ist, überall Ruhe und Harmonie herrschen, ist das nicht gut", glaubt Ballack.

"Ich scheue keine Konflikte. Konflikte können wichtig sein. Gerade in einer Mannschaft muss man sich immer wieder mit Problemen beschäftigen. Es ist sogar meine Aufgabe und Pflicht, sie anzusprechen. Deswegen bin ich Kapitän."

Joachim Löw würde das sicher unterschreiben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel