Auch Lokalmatador Per Mertesacker kann wenig dagegen tun, dass in Hannover offenbar niemand Lust auf ein Länderspiel hat.

Es ist ja nicht so, dass sich Per Mertesacker nicht ins Zeug gelegt hätte.

"Wenn man in seiner alten Heimat spielt, dann merkt man das immer daran, dass die Zahl der Kartenwünsche, die an mich gerichtet werden, die 20 deutlich übersteigt."

Das hatte der Innenverteidiger von Werder Bremen am Dienstag vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan in Hannover gesagt.

Offenbar aber hatte Mertesacker selbst in seinem Bekanntenkreis mit größerem Interesse an der Partie gerechnet.

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Denn er versprach, noch ein bisschen herumzutelefonieren, um noch ein paar weitere Sitzschalen der AWD-Arena zu füllen.

Davon drohen am Abend etliche unbesetzt zu bleiben. Erst 29.500 von den 43.500 möglichen Eintrittskarten waren am Dienstag verkauft.

"Wir in Hannover kommen schon, aber immer relativ spät", machte Mertesacker vorerst gute Miene zum bösen Spiel.

Auf die x-te Nachfrage, warum der Ticketverkauf kurzfristig noch anziehen sollte, wusste aber auch er keine Antwort mehr.

"Ich bin für diese Pressekonferenz ja gar nicht vorgesehen gewesen", verteidigte er diesen Umstand. "Ich bin eigentlich das fünfte Rad am Wagen, weil Robert Enke nicht mehr hier ist."

Der Torwart von Hannover 96 hätte sein Heimspiel als "Local Hero" noch einmal anheizen sollen und wohl auch einige Fans mehr ins Stadion gelockt.

Sein Konterfei prangt auch immer noch auf den Plakaten, mit denen der DFB in der niedersächsischen Landeshauptstadt für das Länderspiel wirbt.

Doch seit Montagabend ist klar, dass das große Zugpferd Enke krankheitsbedingt nicht spielen wird.

Noch ein Grund weniger für die Hannoveraner, den zu erwartenden angenehm lauschigen Spätsommerabend im Stadion zu verbringen, zumal die Eintrittspreise des DFB wieder mal eine stolze Höhe besitzen.

So kostet ein Platz auf der Westtribüne mit 80 Euro doppelt so viel wie im Ligabetrieb von Hannover 96.

Und wenn der niedersächsische Fußballfan die Wahl hat, sich Bayern München zum halben Preis von Aserbaidschan anzuschauen, wird ihm seine Entscheidung - bei allem Respekt vor Berti Vogts - nicht sonderlich schwer fallen.

Die Diskussion, dass zudem die Anstoßzeit von 20.45 Uhr (LIVE) für junge Zuschauer deutlich zu spät ist, wenn sie tags darauf früh in der Schule zu erscheinen haben, würgt der DFB mit Verweis auf "die Vertragspartner" ab.

Und das obwohl sich selbst Bundestrainer Joachim Löw ebenso wie einige Präsidiumsmitglieder öffentlich für einen früheren Beginn der Länderspiele ausgesprochen hat.

"WM-Qualifikationsspiele sind Prime-Time-Ware", zitiert die "Bild" Sportchef Dieter Gruschwitz vom DFB-Vertragspartner ZDF.

"Und wir haben um 20.45 Uhr eben höhere Einschaltquoten."

Da spielt man des Geldes wegen dann offenbar lieber vor halbleeren Rängen - selber Schuld.

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