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Jubel nach dem 4:0 - nun aber gilt's für Deutschland und Philipp Lahm (l.) im Showdown in Russland © imago

Beim Pflichtsieg gegen Aserbaidschan macht die erste Hälfte Sorgen. Doch Löw kündigt einen mutigen Auftritt in Russland an.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Hannover - Michael Ballack brachte auf den Punkt, was wohl alle seine Kollegen dachten.

"Wir haben das Soll erfüllt, jetzt geht es ans Eingemachte", sagte der Kapitän der deutschen Nationalelf nach dem 4:0 (1:0) im drittletzten WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan.

Ein Erfolg, der das DFB-Team als Tabellenführer der Gruppe 4 zum Showdown am 10. Oktober beim direkten Verfolger Russland antreten lässt, der sich in Wales zu einem 3:1 mühte.

Es war indes ein Sieg der Kategorie "glanzlos".

Fans und Bundestrainer schimpfen

Denn die Mannschaft von Joachim Löw zeigte nach dem Führungstor durch einen verwandelten Foulelfmeter Ballacks (13.) bis zur Pause eine Besorgnis erregend schwache Leistung.

Dementsprechend laut war das Pfeifkonzert der enttäuschten Zuschauer in Hannover.

Laut wurde dann auch der Bundestrainer in der Kabine. "Die ersten 20 Minuten waren gut, danach waren 25 Minuten schlecht, absolut schlecht", urteilte Löw.

"Damit war ich völlig unzufrieden. Das habe ich der Mannschaft in der Halbzeit auch deutlich gesagt."

"Die schlechtesten 20 Minuten"

Auch die Spieler gaben später zu, dass sie mit dieser Vorstellung kaum in Russland bestehen werden.

"Das waren mit die schlechtesten 20 Minuten, die ich bei der Nationalmannschaft miterlebt habe", kritisierte Philipp Lahm.

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"Die Mannschaft hat in der Phase vor der Halbzeit versäumt, Fußball zu spielen. Wie viele Ballverluste wir hatten, war unglaublich."

Rückkehr der "Kinderkrankheiten"

Auch Per Mertesacker sprach von einem Rückfall in die überwunden geglaubte Zeit der "Kinderkrankheiten".

Nach der gelb-roten Karte für Aserbaidschans Kapitän Samir Abbasov (50.) sorgten dann aber Miroslav Klose (55./66.) und Lukas Podolski (71.) mit ihren Toren für ein standesgemäßes Resultat.

Entscheidend dafür waren Löws Umstellungen: Klose ersetzte den glücklosen Stoßstürmer Mario Gomez, Rechtsverteidiger Andreas Beck kam für den schwachen Linksverteidiger Marcel Schäfer.

Lahms Seitenwechsel zahlt sich aus

Lahm wechselte auf die linke Seite - eine Maßnahme, die Löw noch am Dienstag "für die nächsten Spiele" ausgeschlossen hatte.

"Die Umstellungen waren notwendig, damit unsere Stürmer besser ins Spiel kommen", erklärte der Bundestrainer nun sein Umdenken.

"Wir waren über die Außenpositionen nicht druckvoll genug in der ersten Halbzeit, hatten viele Ballverluste und waren nicht in den Zweikämpfen. In der zweiten Hälfte haben wir mehr über die Außen kombiniert. Infolgedessen sind auch die Tore gefallen."

So bereitete Lahm den ersten Treffer Kloses vor. Dem zweiten Tor des Münchners ging eine Rechtsflanke von Beck voraus. 150210(die Einzelkritik)

"Insgesamt war einfach unsere zweite Halbzeit besser als die erste", verwahrte sich Lahm später gegen die Ansicht, er sei auf der linken Seite wertvoller für die Mannschaft. "Dann ist klar, dass jeder Einzelne auch besser aussieht."

Auch Löw führte an, Lahm habe in der Nationalmannschaft "zum Beispiel gegen Tschechien auch auf rechts sehr gut gespielt".

Beck und Schäfer noch nicht auf Lahms Niveau

Er räumte aber ein, dass der Münchner für die Seite eingeplant wird, von der die größere gegnerische Gefahr zu erwarten ist.

"Spieler wir Andreas Beck oder Marcel Schäfer sind noch jung und in ihrer Entwicklung noch nicht ausgereift. Diese Klasse von Lahm haben sie noch nicht", meinte Löw.

"Deshalb ist es in einer Situation wie heute auch noch denkbar, den Philipp von rechts nach links herüberzuziehen."

Von der erhöhten Durchschlagskraft auf den Flügeln profitierte gegen Aserbaidschan der jüngst noch heftig kritisierte Klose.

Mit seinen Länderspieltreffern Nummer 46 und 47 schloss der Bayern-Angreifer zu Jürgen Klinsmann und Rudi Völler auf, die sich in der ewigen Bestenliste der DFB-Torjäger mit ihm nun den dritten Platz teilen.

Matchwinner Klose bescheiden

"Fußball ist ein Mannschaftsport, da geht es nicht um den Einzelnen", blieb der Münchner bescheiden.

"Der Bundestrainer weiß aber, dass ich alles dafür tun werde, umso schnell wie möglich wieder bei 100 Prozent zu sein."

Löw versprach daher weiter volle Rückendeckung: "Für Miroslav Klose war die zweite Halbzeit wie eine Befreiung. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber er hat hervorragend gespielt."

Klose und Podolski, der mit seinem 34. Tor im DFB-Dress unter die Top Ten der Rekordschützen vorstieß, hätten "unglaubliche Quoten. Auch wenn es mal nicht so läuft, werde ich zu ihnen stehen."

Keine Angst vor Russland

Der Bundestrainer sieht nach der bewältigten Pflichtaufgabe Aserbaidschan nun "keinen Grund, mit Angst nach Russland zu fahren".

In Moskau reicht dem deutschen Team ein Remis, um anschließend gegen Finnland aus eigener Kraft das Südafrika-Ticket buchen zu können.

"Wir werden dort aber nicht auf Unentschieden, sondern auf Sieg spielen", kündigte Löw an. "Die Russen haben den Druck, sie müssen gewinnen."

Die Marschroute für den 10. Oktober hatte Lahm schon parat: "Wir müssen kontrolliert spielen und in der Defensive gut arbeiten", forderte der Münchner.

"Und in der Offensive haben wir genug Qualität, um immer für ein Tor gut zu sein."

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