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Miroslav Klose (l.) feierte 2001 sein Debüt für die Nationalmannschaft gegen Albanien © imago

Miroslav Klose meldet sich gegen Aserbaidschan eindrucksvoll zurück und darf auf ein Startelf-Comeback gegen Russland hoffen.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Hannover - Treffen sich Berti Vogts und Miroslav Klose vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in den Stadionkatakomben der AWD-Arena.

Da sagt Vogts: "Mensch, Miro, ich bin echt happy, dass du nicht spielst." Antwortet Klose: "Ach, Berti, mir reicht auch die zweite Halbzeit."

Kein Witz, denn glaubt man den Beteiligten, hat sich dieser Dialog in der Tat vor dem 4:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft gegen die von Vogts trainierte Auswahl Aserbaidschans zugetragen.

Bis zur Pause hatten sich die Gäste in Hannover prächtig geschlagen. "Dann hat aber Jogi Löw den Fehler gemacht und Miro eingewechselt", seufzte Vogts augenzwinkernd. "Er hat einfach keinen Respekt mehr vor meiner Person."

Kloses Ruf hatte gelitten

Auch Klose hatte in der vergangenen Woche das Gefühl beschleichen müssen, dass es mit der Achtung vor seiner Person und seiner sportlichen Leistungsfähigkeit in Fußball-Deutschland nicht mehr weit her ist.

Bei Bayern München saß er zuletzt 90 Minuten auf der Bank. Und in den beiden Länderspielen gegen Südafrika (2:0) und nun gegen Aserbaidschan begann jeweils sein Vereinskollege Mario Gomez.

Nach fünf Jahren als fester Bestandteil der deutschen Startelf schien der WM ?Torschützenkönig von 2006 nun außen vor.

Klasse-Vorlage und ein Doppelpack

Doch mit seiner mannschaftsdienlichen Vorstellung in der zweiten Hälfte gegen Südafrika inklusive der Vorarbeit zu Mesut Özils 2:0 und vielmehr seinem Doppelpack (55./66.) gegen Aserbaidschan hat sich Klose eindrucksvoll zurückgemeldet. 150210(die Einzelkritik)

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Zumal er den Weg zum am Ende deutlichen Erfolg schon zuvor mit einem Antritt geebnet hatte, den Samir Abbasov nur mit einem Foul hatte stoppen können. Das kostete den Gäste-Kapitän die weitere Teilnahmeberechtigung an der Begegnung (50.).

Rückendeckung von Löw

"Es war für mich nie ein Thema, Klose nicht zu nominieren", strich Bundestrainer Löw nach dem Spiel heraus. "Wenn er mal drei Spiele nicht trifft, ist das für mich völlig unerheblich. Er besitzt schließlich eine unglaubliche Quote im Nationalteam."

In der Tat steht der Münchner mit 47 Toren in 91 Länderspielen nun gleichauf mit Rudi Völler und Jürgen Klinsmann auf Platz drei der ewigen DFB-Bestenliste.

Die 55 Treffer von Joachim Streich liegen für den 31-Jährigen durchaus im Bereich des Möglichen. "Für Klose war die zweite Halbzeit wie eine Befreiung", meinte Löw. "Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber er hat hervorragend gespielt."

Ziel ist die Rückkehr in die Startelf

Dass er aufgrund seiner noch vorhandenen leichten Fitnessdefizite weiterhin nur als Teilzeitkraft eingeplant wird, hofft der Angreifer nicht.

"Ich bin mit 31 ja noch kein Opa?, betonte er. "Ich kann schon noch ein bisschen laufen und ab und zu knipse ich auch."

Nach seinem Doppelpack nun lautstark Ansprüche auf einen erneuten Stammplatz in der Nationalmannschaft anzumelden, ist allerdings nicht seine Art: "Ich bin kein Stinkstiefel, ich lauere auf meine Chance."

Bobic lobt Klose

Dennoch war die Leistung am Mittwoch auch für Fredi Bobic ein Schritt in die richtige Richtung:

Das Länderspiel war gut und wichtig, dass er zwei Tore macht. Auch für seine persönliche Situation im Kampf um einen Stammplatz bei Bayern München. Er muss jetzt wieder seine Ellbogen einsetzen", so der 37-Jährige.

"Das, was er (gestern) gezeigt und gemacht hat, hat insgesamt gut ausgesehen. So wollen wir Miroslav Klose sehen. So brauchen wir ihn in der Nationalmannschaft und so braucht ihn auch der FC Bayern."

Angespanntes Verhältnis zu van Gaal?

Daran, dass er bei Bayern München wirklich gebraucht wird, scheint Klose allerdings zu zweifeln.

"Ich glaube nicht, dass ich am Samstag gegen Dortmund spielen werde", sagte er mit einem Anflug von Sarkasmus. "Schließlich war ich ja jetzt zehn Tage nicht beim Training."

Er werde allerdings "bald das Gespräch mit Louis van Gaal suchen, um zu besprechen, wie es weitergeht?". Seinen Humor hat er trotz der schwierigen Lage im Klub nicht verloren.

Der falsche Ansprechpartner

Als ein Reporter ihn auf der Pressekonferenz bat, doch bitte den Inhalt der etwas lauteren Halbzeitansprache von Bundestrainer Löw wiederzugeben, klärte Klose ihn darüber auf, dass er dafür nun der falsche Ansprechpartner sei.

"Wenn Sie genau aufgepasst hätten, hätten Sie festgestellt, dass man sich schon einmal ein bisschen warmlaufen muss, bevor man eingewechselt wird", gab er dem Journalisten den heißen Tipp, dass er zum betreffenden Zeitpunkt auf dem Rasen der AWD-Arena zu finden war.

Übel nahm er ihm die Nachfrage zwar nicht, aber einen Seitenhieb konnte sich Klose dann doch nicht verkneifen: "Sie können von Glück sagen, dass ich hier sitze und nicht Louis van Gaal."

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