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Oliver Bierhoff (l.) und Michael Ballack spielten bei EM 2000 und WM 2002 gemeinsam © imago

Das Ende der "Pisser-Affäre"? Michael Ballack und Oliver Bierhoff sollen am Telefon ihren Disput endgültig beigelegt haben.

München - Der Streit schwelte seit dem verlorenen EM-Finale, nun sollen die Differenzen nach einem Friedensgipfel am Telefon zwischen Michael Ballack und Oliver Bierhoff im zweiten Anlauf endgültig beigelegt sein.

Von dem verkündeten Ende der Zwistigkeiten erhofft sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die volle Konzentration auf eine erfolgreiche Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

In einer Mitteilung des DFB hieß es am Dienstag, der Nationalmannschafts-Manager Bierhoff und Kapitän Ballack hätten "die zuletzt aufgetretenen Unstimmigkeiten ausgeräumt".

Aussprache am Telefon

Rund 20 Minuten hatten beide am Montagabend demnach miteinander telefoniert.

"Es war ein offenes und konstruktives Gespräch, in dem wir die vergangenen Wochen reflektiert haben", sagte Bierhoff.

Ballack bezeichnete das Telefonat als "sehr gutes Gespräch", in dem man "alles besprochen und damit die Grundlage für eine weiterhin professionelle und vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen" habe.

Der Streit hatte in den vergangenen Monaten für viel Unruhe gesorgt, zuletzt am Rande der beiden WM-Qualifikationsspiele in Liechtenstein (6:0) und Finnland (3:3).

Quali-Spiele im Fokus

Dass nun wieder die sportlichen Themen in den Vordergrund rücken, hofft auch Bundestrainer Joachim Löw:

"Ich bin sehr froh, dass dieses Thema so behandelt wurde, wie es sich gehört: In einem direkten Dialog miteinander. Nun schauen wir mit allerhöchster Konzentration auf die bevorstehenden WM-Qualifikations-Heimspiele gegen Russland und Wales."

Bereits am 11. Oktober tritt die Nationalmannschaft in Dortmund gegen Russland an, vier Tage später empfängt das DFB-Team Wales in Mönchengladbach.

Russland, das sich zuletzt 2:1 gegen die Waliser durchgesetzt hatte, gilt als Hauptkonkurrent um den Sieg in der Gruppe vier und damit um die direkte WM-Qualifikation.

DFB-Präsident Theo Zwanziger begrüßt Aussprache

"Es war notwendig, die Meinungsverschiedenheiten der jüngsten Vergangenheit offen zu thematisieren, auszuräumen und sich für die Zukunft darauf zu einigen, unterschiedliche Auffassungen, die es zwischen wichtigen Führungspersönlichkeiten immer wieder geben kann, ja geben muss, intern zu lösen", sagte Zwanziger und fügte hinzu:

"Ich vertraue darauf, dass diese unverzichtbare Basis für Erfolg wieder gefunden ist."

Ständige Scharmützel

Zuletzt war dieser Versuch allerdings gescheitert. Der DFB hatte am Rande des Abschiedsspiels für Oliver Kahn das Ende des Disputs verkündet, wenig später flammten die Diskussionen jedoch erneut auf.

Ballack hatte gereizt auf Bierhoffs Aussage reagiert, wonach die Mannschaft auch ohne ihren Kapitän gute Spiele gezeigt habe.

Sie sei unabhängig von einzelnen Personen, hatte Bierhoff erklärt.

"Die Nationalmannschaft hat schon gewonnen, als Oliver Bierhoff noch nicht ihr Manager war. Und auch zukünftig wird es für den Erfolg nicht entscheidend sein, ob Bierhoff Manager ist oder nicht", erklärte der 31 Jahre alte Ballack vom FC Chelsea daraufhin bissig.

Rat von allen Seiten

Die Sorge wuchs, dass der augenscheinlich vorschnell für beendet erklärte Streit die Stimmung in der Nationalelf vergiftet.

Franz Beckenbauer forderte unter dem Hinweis, man sei "doch nicht im Kindergarten", zuletzt einen Fiedensgipfel.

"Man sollte solche Auseinandersetzungen sofort beenden", sagte der "Kaiser" und ergänzte: "Für die Mannschaft ist das tödlich."

Streit nach EM-Finale

Der Streit zwischen Ballack und Bierhoff war am 29. Juni nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien in Wien (0:1) eskaliert.

Bierhoff hatte Ballack mehrfach aufgefordert, als Dankeschön an die Fans ein Dreh-Transparent in die Kurve des Ernst-Happel-Stadions zu tragen.

Daraufhin soll Ballack Bierhoff unflätig beschimpft haben. Trotz einer Entschuldigung des Mittelfeldspielers für seine Wortwahl blieb das Verhältnis der beiden früheren Teamkollegen angespannt.

Nun soll das Thema endgültig beendet sein.

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