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Auf dem russischen Kunstrasen entwickeln sich laut Löw "ungewohnte Situationen" © getty

Für die Partie gegen Russland erwartet Joachim Löw "ein komplett anderes Spiel". Keeper Robert Enke läuft die Zeit davon.

Frankfurt/Main - Mit einer Frist für Robert Enke und großem Respekt vor dem Kunstrasen in Moskau hat Bundestrainer Joachim Löw vier Wochen vor dem "Endspiel" gegen Russland den Countdown in der WM-Qualifikation eingeläutet.

"Ob er spielen wird, hängt davon ab, wie er sich fühlt, wann er wieder ins Training einsteigen kann", sagte der 49-Jährige dem "kicker"

"Wenn er erst eine Woche vor der Abreise nach Russland das Training aufnimmt, wird er in Moskau eher nicht spielen."

Damit erhöhte Löw den Druck auf den derzeit erkrankten Schlussmann von Hannover 96.

"Denn um optimale Leistung bringen zu können, braucht man neben körperlicher Fitness auch den Rhythmus regelmäßiger Einsätze", so Löw.

Keine ansteckende Krankheit

Doch wann der 32-Jährige wieder in den Kasten zurückkehren kann, steht derzeit noch in den Sternen.

Zwar konnte nach im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin durchgeführten Bluttests eine ansteckende Krankheit ausgeschlossen werden, dennoch sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Enke selbst möchte nach einem ausführlichen Belastungstest möglichst schnell zumindest wieder mit individuellem Training beginnen.

Enke unter Druck

Damit wird der Kampf um die Nummer eins im deutschen Tor für Enke ein Wettlauf mit der Zeit.

Sollte beim Spiel in Russland am 10. Oktober erneut Rene Adler den Vorzug vor Enke erhalten, hätte der Leverkusener beste Aussichten, auch bei der WM 2010 das deutsche Tor zu hüten.

Die Ergebnisse von Enkes Blutuntersuchung im Hamburger Tropeninstitut werden am Dienstag erwartet.

T-Frage bleibt offen

Wer in den abschließenden beiden WM-Qualifikationsspielen das deutsche Tor hüten wird, bleibt damit vorerst weiter offen.

Der krankheitsbedingte Ausfall von Enke und die starken Leistungen von Adler gegen Südafrika (2:0) und Aserbaidschan (4:0) haben Löw offenbar zum Nachdenken gebracht 150210 (Die Bilder).

Hannovers Schlussmann Enke war ursprünglich für die Spiele in Russland und gegen Finnland gesetzt, nun hängt dessen Einsatzgarantie aber von der Entwicklung der kommenden Wochen ab.

"Komplett anderes Spiel"

Doch Löw, der in Russland wohl wieder auf ein System mit drei defensiven Mittelfeldspielern setzt, bereitet nicht nur die offene T-Frage sorgen.

Auch die Tatsache, dass die DFB-Auswahl in Moskau erstmals in ihrer Historie auf Kunstrasen antreten muss, bereitet dem Bundestrainer Kopfzerbrechen.

"Im Grunde genommen entsteht auf Kunstrasen ein komplett anderes Spiel. Die Bälle springen anders, es entwickeln sich ungewohnte Situationen."

"Weil wir alle wenig Erfahrung mit Kunstrasen haben, muss ich noch herausfinden, wie man sich am schnellsten darauf einstellt", sagte Löw.

Austausch mit Stevens

Der Vize-Europameister wird sich in der Woche vor dem Spiel bei Verfolger Russland intensiv bei Bundesligist FSV Mainz 05 auf das vermeintliche Endspiel in der WM-Qualifikationsgruppe 4 vorbereiten.

Die Mainzer haben einen Kunstrasenplatz, dessen Material exakt dem des Untergrundes im Moskauer Luschniki-Stadion gleicht.

"Für uns ist ein Spiel auf Kunstrasen sicher ungewohnt. Aber die Anlage in Mainz bietet uns optimale Bedingungen", sagte Löw.

Er wolle sich sich zudem mit dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Huub Stevens in Verbindung setzen, "der mit Red Bull Salzburg ja permanent auf Kunstrasen spielt".

Vogts will keine Ausreden hören

Derweil kann Berti Vogts die Aufregung um das erste Spiel einer DFB-Auswahl auf Kunstrasen nicht nachvollziehen.

"Deutschland ist der Topfavorit und wird sich qualifizieren. Man darf nur nicht nach Entschuldigungen suchen, nur weil man auf Kunstrasen spielt. Das ist Quatsch", sagte Vogts.

Am letzten Spieltag trifft er mit Aserbaidschan auf Russland, während das DFB-Team am 14. Oktober in Hamburg gegen Finnland bestehen muss.

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