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DFB-Sportdirektor nahm als Profi an der WM 1994 in den USA teil © getty

DFB-Sportdirektor Sammer kritisiert die FIFA und bringt unmittelbar vor dem Turnierstart eine neue Schärfe in die Diskussion.

München - Die Diskussionen um die U20-WM hält seit Wochen Fußball-Deutschland auf Trab, doch der DFB-Sportdirektor bringt unmittelbar vor dem Turnierstart eine neue Schärfe in die Diskussion.

Als Trainer Horst Hrubesch nach einem noch nie erlebten Abstellungs-Theater am Dienstag mit nur 15 Spielern nach Ägypten aufbrechen musste, kochte bei Sammer die Wut verständlicherweise über.

Insgesamt 25 Spielern hatten die Vereine die Freigabe verweigert, zwei weitere sind verletzt, zwei bleiben auf Abruf in der Heimat. Hrubesch startet mit Handicap 29.

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Der Trainer kämpft in der ihm gegebenen Art darum, das Selbstwertgefühl der Spieler zu steigern und sie als Einheit zusammenzuschweißen.

Super-Gau ist eingetreten

Ganz nach der Methode "good guy, bad guy" übernimmt Sammer dafür die Rolle des Anklägers und richtet sie an den Verursacher des Chaos: Die FIFA.

"Für uns ist der Super-Gau eingetreten. Das, was jetzt passiert, ist nur noch peinlich. Ich habe keine Lust mehr, mich veralbern zu lassen", sagte Sammer dem "kicker" und ergänzte:

"Ich glaube, bei der FIFA lachen sie sich kaputt über uns."

Katastrophale Turnier-Terminierung

Der Weltverband hatte die am Freitag beginnende WM, in die Deutschland am Samstag in Suez gegen die USA einsteigt, mitten in die Saison statt wie sonst in die Sommerpause gelegt.

Daraufhin hatte Sammer bereits am Mittwoch in der Bild-Zeitung erklärt, er "schäme sich gegenüber unserem Trainer und den Spielern. Die ganze Angelegenheit ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten."

Den Boykott hat der DFB offensichtlich nie erwogen, denn die Situation war spätestens seit dem Gipfeltreffen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und den Vereinen Anfang August absehbar.

"Müssen Streik erwägen"

Sollte sich diese Konstellation wiederholen, müsse man einen Streik laut Sammer für die Zukunft aber zumindest erwägen.

"Was wäre denn gewesen, wenn kein Verein irgendeinen Spieler abgestellt hätte", meinte er:

"Das hätte mich interessiert, was dann passiert. Kann uns die FIFA wirklich bestrafen, zumal ihre inkonsequenten Vorgaben die Situation erst ermöglicht haben?"

Hrubesch schweigt

Hrubesch will sich dazu nicht äußern, er hat genug damit zu tun, nach abgesagtem Lehrgang und ständigem Personalwechsel eine Mannschaft zu formen.

"Es wurde in den letzten Wochen genug gejammert. Jetzt ist der Tag X gekommen", sagt er.

"Richtig gute Jungs mit großer Qualität" habe er, versichert der Europameister von 1980, der im Vorjahr diesen Jahrgang und vor drei Monaten die U21 zu Europameistern formte.

Sieben Talente fehlen

Aus dem Titel-Hattrick wird aller Voraussicht nach aber nichts werden.

Während andere Nationen außer mit Abstrichen England auf fast alle Wunschspieler zurückgreifen können, fehlen der DFB-Auswahl Talente wie Holger Badstuber, Thomas Müller (beide Bayern München), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Timo Gebhart (VfB Stuttgart), Savio Nsereko (AC Florenz), Christoph Moritz (Schalke 04) oder Sven Bender (Borussia Dortmund).

Dessen Zwillingsbruder Lars (Leverkusen) ist neben dem Schalker Lewis Holtby der namhafteste der am Ende 18 Verbliebenen, spielte mit Bayer aber noch im DFB-Pokal und reiste erst am Donnerstagabend an.

Kein WM-Favorit mehr

"Wenn wir alle beisammen hätten, wären wir sicher als Favorit nach Ägypten geflogen", meinte Hrubesch, der sich nun auf andere Ziele konzentrieren muss:

"Wir wollen uns durch die Vorrunde kämpfen. Und ab dem Achtelfinale muss man sehen, was möglich ist."

Die ersten beiden jeder Gruppe sowie die vier besten der sechs Gruppen-Dritten erreichen das Achtelfinale.

Finale in Kairo

Deutschland spielt in der Vorrunde außer gegen die USA noch gegen Südkorea (29. September in Suez) und Kamerun (2. Oktober in Ismaila).

Das Finale findet am 16. Oktober in Kairo statt. Den bisher einzigen Titel holte Deutschland 1981 in Australien.

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