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Dann folgte in der WM-Vorbereitung eine Hiobsbotschaft nach der anderen: Erst musste Torwart Rene Adler verletzt absagen, dann fiel Kapitän Michael Ballack (l.) nach Foul von Kevin-Prince Boateng ebenfalls für die WM aus. Sein Kurbesuch im Trainingslager auf Sizilien konnte die trübe Stimmung kaum aufhellen
Joachim Löw (M.) löste Jürgen Klinsmann nach der WM 2006 als Bundestrainer ab © getty

Das DFB-Team macht in Mainz erste Gehversuche auf dem ungewohnten Kunstrasen. Joachim Löw reist "selbstbewusst nach Russland".

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Mainz - Es war ein ungewohntes Bild am Dienstagmorgen in Mainz. Ungewohnt für alle Beteiligten.

Der ortsansässige Bundesligist hatte hohen Besuch, denn nie zuvor hatte die deutsche Nationalmannschaft am Bruchweg ihre Aufwartung gemacht.

Und für zahlreiche DFB-Akteure war die Begegnung mit dem dort auf einem Nebenplatz verlegten Kunstrasen ebenfalls Neuland.

Entsprechend vorsichtig fielen die ersten Gehversuche aus. ?Erstmal hat Platzgewöhnung angestanden?, berichtete Bundestrainer Joachim Löw.

Das bedeutete zunächst mal, dass die 22 Nationalspieler verschiedene Schuhmodelle ihrer Ausrüster ausprobierten, um einen vernünftigen Stand zu haben.

Ballack: "Noch nie auf Kunstrasen gespielt"

"Ich habe noch nie auf Kunstrasen gespielt und auch nur sehr selten darauf trainiert", gestand Michael Ballack, mit 95 Länderspielen der mit Abstand erfahrenste Profi im Kader.

Zwischen den Zeilen konnte man deutlich heraushören, dass der deutsche Kapitän gerne auf die Begegnung auf synthetischem Untergrund am Samstag (ab 16.30 Uhr LIVE) in Moskau verzichtet hätte.

Doch bei der DFB-Auswahl hat man vor dem Gruppenfinale gegen die einen Punkt zurückliegenden Russen die Devise ausgegeben, gute Miene zum möglicherweise bösen Spiel zu machen.

"Selbstverständlich ist es eine Umstellung, an die wir uns gewöhnen müssen und auch schnell gewöhnen werden", meinte Löw. "In zwei, drei Tagen ist das kein Thema mehr."

Schnelle Umstellung schwierig

Da nahezu sämtliche Fachleute etwas anderes behaupten, darf man die Aussagen des Bundestrainers allerdings durchaus bezweifeln. "Es ist schwierig, sich in nur drei Tagen umzustellen", sagt Gastgeber Thomas Tuchel, Trainer von Mainz 05.

Doch davon will Löw nichts wissen. "Ich werde den veränderten Bedingungen keine allzu große Bedeutung beimessen", meinte er.

Allerdings widersprach er sich wenig später selber, als er nach den Schwerpunkten bei den fünf Einheiten in Mainz bis zum Abflug nach Moskau am Donnerstag gefragt wurde.

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"Passpräzision, Ball-Annahme und -Mitnahme sowie Organisation im Defensiv- und Offensiv-Verhalten", nannte er - und vor allem die ersten beiden Aspekte sind hauptsächlich dem ungewohnten Boden geschuldet.

Genaue Zuspiele und defensive Ordnung wichtig

Denn genaue Zuspiele sind auf Kunstrasen ebenso wichtig wie eine gut sortierte Abwehr, weil es sonst speziell für die langen Per Mertesacker und Heiko Westermann gegen einen wendigen Dribbler wie Arsenals Andrej Arschawin böse enden könnte.

Der dritte Punkt zeigt aber, dass die deutsche Elf durchaus selbstbewusst im mit 81.000 Zuschauern ausverkauften Luschniki-Park auftreten will.

"Wir wollen die Russen mit Kontern und schnellem Spiel nach vorne in Schwierigkeiten bringen", kündigte Löw seine Marschroute an.

Neben der Tatsache, dass der Gegner für die direkte WM-Teilnahme unbedingt gewinnen muss, nimmt der 49-Jährige seine Zuversicht aus der minutiösen Beobachtung des EM-Halbfinalisten in den vergangenen Monaten.

"Wir haben einen klaren Plan"

"Wir haben einen klaren Plan, werden selbstbewusst nach Russland reisen und dort unsere Chance nutzen", sagte er.

Dabei setzt er neben der Fitness der verbliebenen Akteure nach den Absagen der verletzten Stuttgarter Serdar Tasci und Sami Khedira vor allem auf die Siegermentalität seines Teams:

"Wir haben in den entscheidenden Spielen immer bewiesen, dass wir zu 100 Prozent da sind."

Auch Kapitän ist zuversichtlich

Genauso sieht es auch Ballack. "Wir haben es immer geschafft, die richtigen Ergebnisse zu erzielen, wenn es darauf ankam", erklärte der 33-Jährige vom FC Chelsea.

"Das ist eine besondere Mentalität, die die deutsche Mannschaft auszeichnet. Sie kann sich in wichtigen Spielen auf den Punkt konzentrieren. Deshalb sind wir auch diesmal zuversichtlich."

Nun darf nur keiner ausrutschen in Moskau. Aber Ballack vertraut darauf, bis Samstag den richtigen Tritt gefunden zu haben.

Er werde als Anführer vorangehen, kündigte der Kapitän. Schließlich habe Kunstrasen "auch Vorteile: Der Platz ist eben und der Ball rollt besser".

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