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Oliver Bierhoff ist seit 2004 Teammanager der deutschen Nationalmannschaft © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Teammanager Oliver Bierhoff über die Anspannung vor dem Russland-Spiel und die Kunstrasen-Problematik.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

München - Das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (Sa., ab 16.30 Uhr LIVE) steht vor der Tür.

Ein Sieg in Moskau, und die deutsche Nationalmannschaft wäre sicher bei der WM-Endrunde in Südafrika dabei. Bei einem Remis könnte die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch darauf gegen Finnland die Schäfchen ins Trockene bringen.

Teammanager Oliver Bierhoff ist davon überzeugt, dass Deutschland gegen Russland "Werbung in eigener Sache" machen wird.

Im Interview mit Sport1.de spricht Bierhoff über die Anspannung vor dem Russland-Spiel und die Vorbereitung auf Kunstrasen. Dazu erläutert er, warum er der WM-Endrunde in Südafrika entspannt entgegenblickt.

Sport1.de: Noch drei Tage bis zum großen Spiel gegen Russland. Kribbelt es auch bei Ihnen?

Oliver Bierhoff: Ja, die Anspannung wächst von Tag zu Tag. Wir wussten ja von Anfang an, dass das Aufeinandertreffen in Moskau wahrscheinlich das entscheidende Spiel sein wird.

So ist die Qualifikation dann auch gelaufen: Die Entscheidung fällt nun gegen Russland und Finnland - das sind zwei Endspiele.

Sport1.de: Was macht Sie optimistisch, dass das Team der Aufgabe gewachsen sein wird?

Bierhoff: Es hat die Mannschaft immer in den letzten Jahren ausgezeichnet, dass sie gerade gegen starke Gegner auf den Punkt ihre optimale Leistung abrufen kann.

Alle Spieler, die nach den Absagen von Tasci und Khedira jetzt dabei sind, sind fit. Auch Michael Ballack hat seine Wadenverletzung überwunden. Und deshalb glaube ich, dass wir die bessere Qualität haben.

Sport1.de: Wie wichtig ist Michael Ballack als Anführer in so einem entscheidenden Spiel?

Bierhoff: Er ist enorm wichtig, weil er als Kapitän vorne weg geht und schon einige solcher Situationen erfolgreich bestanden hat.

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Gerade in den letzten Länderspielen hat er seine Rolle überzeugend ausgefüllt und ich gehe davon aus, dass das auch gegen Russland der Fall sein wird.

Sport1.de: Bei den vier nominierten Stürmern herrscht aktuell Torflaute, besonders bei Miroslav Klose und Mario Gomez. Wie sehen Sie als ehemaliger Stürmer die Situation?

Bierhoff: Natürlich ist es wichtig, dass sie das Vertrauen des Trainers haben und regelmäßig zum Einsatz kommen.

Als Stürmer muss man bei großen Klubs wie dem FC Bayern aber auch mal häufiger pausieren, was bei der Mehrfachbelastung und mit Blick auf die WM vielleicht manchmal gar nicht so schlecht ist.

Ich denke aber, dass beide im Laufe der Saison ihre Einsätze bekommen werden.

Sport1.de: Es war bis jetzt eine erfolgreiche, aber auch mühsame Qualifikation, viele Fans waren mit den Leistungen gegen Liechtenstein oder Aserbaidschan nicht zufrieden. Kann das Team nun mit einer überzeugenden Vorstellung Wiedergutmachung betreiben?

Bierhoff: Wir wissen auch, dass das Jahr 2009 spielerisch nicht so gut war wie die Jahre davor seit 2004. Aber wir sind mit 22 von 24 Punkten absolut im Soll.

Trotzdem ist solch ein Highlight wie das Spiel in Moskau eine besondere Chance, Werbung in eigener Sache zu machen.

Sport1.de: Sie möchten wahrscheinlich danach gegen Finnland auch eine Situation wie 2001 vermeiden, als die Mannschaft mit Ihnen als Spieler gegen denselben Gegner nach einem Nervenspiel die direkte WM-Qualifikation verpasste.

Bierhoff: Ja, wir wollen natürlich das geringste Risiko eingehen und die Playoffs unbedingt vermeiden. Außerdem wollen wir beweisen, dass wir die Nummer 1 in der Gruppe sind.

Insofern wäre ein Sieg in Russland wunderbar, weil wir dann sicher in Südafrika dabei sind.

Sport1.de: Ist die mögliche Relegation bis nächsten Donnerstag ein Tabu-Thema bei der Nationalelf?

Bierhoff: Wir beschäftigen uns nicht konkret mit dem Thema und werden auch nicht die Angst vor einem Scheitern ansprechen. Jeder weiß, was auf dem Spiel steht.

Unsere Aufgabe ist es jetzt, der Mannschaft eine positive Einstellung dafür mitzugeben.

Sport1.de: Wie groß ist der Heimvorteil der Russen auf dem ungewohnten Kunstrasen?

Bierhoff: Es hilft uns ja nicht weiter, wenn wir uns diese Tatsache schon vorher als Entschuldigung bereitlegen. Deshalb wollen wir auch das gar nicht erst thematisieren.

Jeder unserer Spieler muss ebenso wie auf einem schlecht zu spielenden Boden auch auf Kunstrasen in der Lage sein, gegen jeden Gegner zu bestehen.

Sport1.de: Trotzdem sind Sie zur Vorbereitung extra nach Mainz gegangen, weil es dort einen nahezu identischen Untergrund gibt.

Bierhoff: Wir haben uns natürlich frühzeitig Gedanken gemacht, wie wir uns auf diese besondere Situation vorbereiten.

Die Spieler sollen ein Gefühl für den Kunstrasen bekommen und auch die richtigen Schuhe darauf ausprobieren. Dafür war Mainz ideal, weil der Kunstrasen die gleiche Beschaffenheit wie in Moskau hat. (Huub Stevens im Interview)

Sport1.de: Die Hinrunde ist etwa zur Hälfte vorbei. Wie hat sich der deutsche Fußball bislang präsentiert?

Bierhoff: Ich denke, bis jetzt haben sich die deutschen Mannschaften in den europäischen Wettbewerben vielleicht mit Ausnahme von Hertha BSC gut präsentiert. Und mit der Nationalmannschaft haben wir die direkte WM-Teilnahme selber in der Hand.

Sport1.de: Mit Blick auf Südafrika haben sich in den letzten Wochen einige Spieler wie Bayerns Müller und Badstuber in den Vordergrund gespielt, die bis zum Sommer noch keiner auf dem Zettel hatte. Droht Joachim Löw bei der WM-Nominierung die Qual der Wahl?

Bierhoff: Das glaube ich schon. Der Konkurrenzkampf ist für uns nur positiv, denn er treibt alle zu Höchstleistungen. Von den jungen Spielern, etwa aus der U-21-Europameistermannschaft, haben wir ja schon einige bei uns eingebaut. Da hoffen wir natürlich, dass es so weitergeht.

Sport1.de: Wenn die Mannschaft spätestens nächsten Mittwoch die WM-Teilnahme perfekt macht - zählt sie dann automatisch zu den Favoriten in Südafrika oder kann man das acht Monate vor dem Anpfiff noch gar nicht sagen?

Bierhoff: Wir sind WM-Dritter und EM-Zweiter und haben die letzten beiden Qualifikationen souverän gespielt. Das sind die nüchternen Fakten, da stehen wir äußerst positiv da. Deshalb blicke ich ganz entspannt auf die WM, denn Deutschland war immer eine Turniermannschaft.

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