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Jürgen Röber war von 2008 bis 2009 Cheftrainer bei Saturn Moskau © getty

Bei Sport1.de erklärt Russland-Experte Jürgen Röber, wie Deutschland die "Sbornaja" knackt - und welche Debatte nervt.

Von Matthias Fiedler

München - Vor dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (Sa., ab 16.30 Uhr LIVE) ist der Rummel um den ungewohnten Kunstrasen und seine Beschaffenheit groß.

Da werden neue Schuhe ausprobiert, um auf dem synthetischen Boden bloß nicht den Halt zu verlieren - und am Ende gar in eine Pleite zu schlittern. (Oliver Bierhoff im Sport1.de-Interview)

Dabei ist sich Jürgen Röber sicher: "Der Platz wird sicher nicht spielentscheidend sein."

Im Sport1.de-Interview erklärt der frühere Bundesliga-Trainer, worauf es gegen Russland wirklich ankommt und wie die "Sbornaja" der DFB-Elf gefährlich werden kann.

Zudem äußert sich der 55-Jährige zur Situation bei Ex-Klub Hertha BSC um Neucoach Friedhelm Funkel und erklärt, warum er bei seinem derzeitigen Arbeitgeber Ankaraspor keine Zukunft mehr sieht.

Sport1.de: Herr Röber, Sie haben bei Saturn Moskau gearbeitet, kennen die russische Spielkultur. Wie stark sind die Russen wirklich?

Röber: Ich denke, sie sind immer so stark, wie es der Gegner verlangt. Gegen Finnland haben sie das Nötigste getan. Nur wenn der Druck größer wurde, haben sie zugelegt. Die Russen haben Potenzial und mit Syrjanov, Semshov und Arshavin sehr gute Leute. An einem guten Tag können sie also jeden schlagen.

Sport1.de: Es wird viel über den Kunstrasen gesprochen, Sie haben in der Liga selber darauf gespielt. Was gibt ein Trainer seinen Spielern da mit auf den Weg?

Röber: Auf Kunstrasen zu spielen ist heute kein Problem mehr, denn der kommt fast einem Teppich gleich, auf dem man sich kaum verbrennen kann. Das lässt sich mit früheren Kunstrasenplätzen gar nicht mehr vergleichen.

Sport1.de: Trotzdem haben Löws Spieler neue Schuhe getestet...

Röber: Ich denke, dass die Nationalmannschaft sich nicht übermäßig damit beschäftigt. Es ist egal, ob man mit Nocken oder Stollen spielt. Für technisch gute Fußballer eignet sich der Untergrund hervorragend, weil der Ball richtig gut läuft. Zwar gibt Kunstrasen in manchen Situationen nicht so optimal nach - aber er macht gerade bei Nässe mehr Spaß.

Sport1.de: Also ist das Gezeter um den Rasen pure Panikmache?

Röber: Eigentlich schon. Einzig und allein beim Schießen kann es passieren, dass man den Ball nicht ganz so optimal trifft. Aber ich denke, damit werden wir keine größeren Probleme haben. Im Kopf ist es eine kleine Umstellung, aber die Mannschaft hat ja bereits in Mainz darauf trainiert und sich vorbereitet.

Sport1.de: Wie sind die Russen zu bezwingen?

Röber: Für mich liegt der Knackpunkt in der Innenverteidigung, dort sind sie nicht immer die Schnellsten. Ich denke, die Sieg-Chancen stehen 50:50. Aber die Löw-Elf weiß ja um die Wichtigkeit des Spiels.

Sport1.de: Wie können die Russen den Deutschen gefährlich werden?

Röber: Wenn man die Russen ins Spiel kommen lässt und ihnen Räume gibt, kann das zum Problem werden. Entscheidend wird auch die Stimmung sein. Ein Hexenkessel kann Wunder wirken. Aber das deutsche Team hat seine eigenen Qualitäten und weiß, wie man in solch einer Situation bestehen kann.

Sport1.de: Sie selbst waren vor kurzem wieder mal bei Hertha im Gespräch, am Ende wurde aber Friedhelm Funkel Nachfolger von Lucvien Favre. Eine gute Wahl?

Röber: Ich kenne Friedhelm Funkel sehr gut und denke, dass er zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Trainer ist. Ich weiß von früheren Gesprächen, dass es immer sein Traum war, in Berlin tätig zu sein. Die Mannschaft ist sicherlich besser, als ihr jetziger Tabellenplatz es aussagt.

Sport1.de: Muss bei der Hertha nicht aber noch mehr geschehen, als nur den Trainer zu wechseln?

Röber: Das müssen die zuständigen Leute selbst einschätzen. Hertha war in der letzten Saison ganz oben. Jetzt sind wichtige Spieler nicht mehr da, und durch die verpasste Champions-League-Qualifikation fehlt das nötige Geld. Ein Fehlstart kommt so schnell zustande. Sicher gab es aber auch die ein oder andere Partie, die sie hätten gewinnen können - und dann wäre die jetzige Situation eine ganz andere.

Sport1.de: Wie geht es bei Ihnen weiter nach dem Zwangsabstieg Ihres Klubs Ankaraspor?

Röber: Es kann sein, dass ich irgendwo hier in der Türkei bleibe oder zurück nach Deutschland komme. Das steht im Moment aber noch nicht fest. Sollte ich hier bleiben, werde ich nicht in Ankara arbeiten können, denn ausländischen Trainern ist ein Engagement in Liga zwei verboten. Ich habe lange überlegt, ob ich vielleicht etwas als Sportdirektor mache, aber das weiß ich noch nicht. Mich ärgert es vor allem, die Stadt mit ihren herzlichen Menschen zu verlassen. Außerdem war meine Mannschaft hier eine super Truppe.

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