Der Sport1.de-Blog: Waren Sie schon mal in Russland? Dann kennen Sie das. Allen anderen sei gesagt: So schlimm ist es nicht.

Waren Sie schon mal in Russland? Dann kennen Sie das. Allen anderen sei gesagt: So schlimm ist es nicht.

Die Rede ist von der Einreise ins einstige Zarenreich.

Denn dazu benötigt man ein Visum - und das bekommt man nur nach persönlicher Vorsprache im zuständigen Konsulat.

Entsprechend froh war ich, dass mein Wohnort nicht hunderte Kilometer entfernt vom nächsten Konsulat entfernt liegt.

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Denn ich war mir aufgrund der Flut von Formalien sicher, dass ich mindestens einmal unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden würde.

Krankenkassenbescheinigung, abgestempelter Original-Gebühreneinzahlungsbeleg (heißt wirklich so!), Arbeitsauftrag, Passfoto, Reisepass (den ich mir natürlich auch noch besorgen musste, da der alte abgelaufen war) und natürlich ein "exakt ausgedrucktes Antragsformular".

Am Konsulat dann der befürchtete Anblick: Eine lange Warteschlange.

Doch offenbar wollen die Russen mal allen besserwisserischen Westeuropäern zeigen, dass sie auch ganz anders können und winken den Deutschen freundlich an den anderen Wartenden vorbei zum Schalter.

Dort weist der Beamte erstmal darauf hin, dass das Antragsformular falsch ausgedruckt sei. Macht aber nichts, sagt er, und hilft auch sonst schnell und unbürokratisch (!) bei allen offenen Fragen.

Eine Woche später habe ich das gültige Visum und würde den Reisepass nach dem Herauslaufen an der Warteschlange vorbei am liebsten wie ein Pokal in die Höhe reißen.

Doch seitdem plagt mich Verlustangst. Einmal habe ich es sogar tatsächlich geträumt: Ich stehe am Gate zum Abflug nach Moskau und plötzlich fehlt der Reisepass - zu Hause im Schreibtisch liegengelassen.

Ich habe also gleich mehrfach daran gedacht, Visum und Pass einzustecken. Seitdem bin ich so sensibel, dass ich permanent Situationen entdecke, wo die lebenswichtigen Unterlagen wegkommen könnten:

Durch Diebstahl von Koffer, Jacke oder Laptoptasche, beim Kopieren oder durch schnöde Vergesslichkeit. Nun sitze ich am Gate und - Moment! - alles noch da.

Und die Herren Nationalspieler? Die haben solche Sorgen nicht. Vorsorglich wurde allen DFB-Akteuren der Reisepass schon vorher weggenommen, damit es nicht am Gate ein böses Erwachen gibt.

Auch sonst wurde die Mannschaft in der Vorbereitung in Mainz alles abgenommen, inklusive Kontakten zur realen Welt:

Abgeschottet im malerisch am Rhein gelegenen einzigen Fünf-Sterne-Hotel der rheinland-pfälzischen Hauptstadt gab es keine Sponsorentermine, fast keine Medienarbeit und schon gar keinen Kontakt zum Fan.

Sogar der Blick aufs Training auf dem Kunstrasen des ortsansässigen Bundesligisten wurde den Anhängern mit Planen verhängt. Die Einheiten waren übrigens so geheim, dass sie am nächsten Tag in der "Bild"-Zeitung standen.

Doch nun droht der DFB-Auswahl in Moskau der Realitäts-Schock: Fünf Grad und Regen statt spätsommerliches Sommerwetter wie in Mainz, fremde Stadt, feindselige Fans, ungewohnter Kunstrasen, unangenehmer Gegner.

Bin gespannt, wie sich Jogis Jungs dabei schlagen. Vorher muss ich allerdings noch die Einreiseprozedur überstehen. Wo ist nochmal mein Reisepass?

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