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Michael Ballack hat 95 Länderspiele und 42 Tore auf seinem Konto © imago

Es wird ein schwerer Gang für die Nationalmannschaft in Russland. Entsprechend wichtig wird die Rolle von Michael Ballack sein.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Moskau - Es wird ein schwerer Gang für die deutsche Nationalmannschaft am Samstag in Russland (ab 16.30 Uhr LIVE).

Entsprechend wichtig wird die Rolle von Michael Ballack als Anführer sein.

"Ich bin als Kapitän gefragt und werde vorneweg gehen", kündigt der 33-Jährige selbstbewusst an.

Ballack kann im Moskauer Luschniki-Park die passende Antwort geben auf die Kritiker, die sich rechtzeitig zum Gruppenfinale um die direkte WM-Teilnahme gemeldet haben.

Doch mindestens ebenso groß ist die Zahl seiner Fürsprecher.

Sport1.de lässt beide Seiten zu Wort kommen, analysiert die Fakten und bezieht ebenfalls Stellung.

Das sagen die Kritiker:

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus: "Die Dominanz früherer Leader hat Ballack sicherlich nicht."

DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler: "Dass Ballack ein Anführer in dem Sinn ist, sieht man auf dem Platz nicht. Man kann vielleicht sagen, dass er mehr der Entscheider ist als der Anführer."

Das sagen die Fürsprecher:

Ex-Bundestrainer Rudi Völler: "Michael hat in den entscheidenden Momenten stets seine Weltklasse und Ausnahmestellung gezeigt. Wenn es in wichtigen Spielen darauf ankommt, ist er da. In Moskau wird er wieder unser Fahnenträger sein."

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff: "Michael ist enorm wichtig, weil er als Kapitän vorne weg geht und schon einige solcher Situationen erfolgreich bestanden hat. Gerade in den letzten Länderspielen hat er seine Rolle überzeugend ausgefüllt und davon gehe ich auch gegen Russland aus."

Das sagt der Gegner:

Russlands Nationalcoach Guus Hiddink: "Ballack ist eine große Persönlichkeit und seit Jahren Weltklasse. Er macht den Unterschied aus und kann mit seinen Toren Spiele alleine entscheiden."

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Arsenal-Stürmer Andrej Arschawin: "Ballack hält alles zusammen, er integriert das Team. Die deutsche Mannschaft ist eine völlig andere, wenn er mitspielt."

Das sagen die Fakten:

Verein: Ballack gehörte in seinen Klubs bislang immer zu den Führungsspielern: Bayer Leverkusen führte er 2002 ins Finale der Champions League und zur Vize-Meisterschaft.

Beim FC Bayern gewann er in vier Jahren dreimal das Double und wurde vor allem nach seinem Abschied vom Rekordmeister 2006 in der ersten Saison schmerzlich vermisst.

Beim FC Chelsea hat er nach Jose Mourinho, Avram Grant und Guus Hiddink auch beim neuen Coach Carlo Ancelotti einen Stammplatz.

Allerdings scheiterte er auch mehrfach kurz vor dem Ziel, was ihm in einigen Medien den Ruf des "ewigen Zweiten" eingebracht hat.

Nationalmannschaft: Die EM 2000 kam für den damals erst 23-Jährigen zu früh, um das blamable Vorrunden-Aus zu verhindern. Doch schon bei seinem zweiten großen Turnier spielte sich Ballack in die Weltklasse.

Dank seiner Siegtreffer im Viertelfinale gegen die USA und im Halbfinale gegen Südkorea zog die Völler-Elf ins Endspiel gegen Brasilien (0:2) ein, in dem Ballack aber wegen einer Gelbsperre fehlte und schmerzlich vermisst wurde.

Individuell seine beste Endrunde spielte er bei der EM 2004, als er drei überragende Vorrundenspiele zeigte.

Völlers Nachfolger Jürgen Klinsmann machte Ballack dann 2004 zum Kapitän und der dankte es, indem er sich vor allem bei der WM im eigenen Land in den Dienst der Mannschaft stellte.

Ballacks wesentlich defensivere Spielweise gab der zuvor wackeligen Abwehr Sicherheit, ging aber eindeutig zu Lasten seiner Torgefährlichkeit.

Er spielte eine gute, aber keine herausragende WM - was sein erster Profi-Coach Otto Rehhagel und andere danach zum Anlass für massive Kritik nahmen.

Licht und Schatten zeigte er bei der EM 2008: Schwach bei den Niederlagen gegen Kroatien und im Finale gegen Spanien, ganz stark nicht nur wegen seiner Treffer gegen Österreich und vor allem Portugal.

Das sagt Sport1.de:

Ballacks großer Vorteil ist auch sein Nachteil: Er ist so vielseitig im Mittelfeld einsetzbar, dass seine mannschaftsdienliche Spielweise meistens auf Kosten seiner eigenen Bewertung geht.

Die Hochachtung seiner Rivalen wie Hiddink, Arschawin oder auch Wayne Rooney ("Ballack ist Weltklasse") sprechen aber ebenso Bände wie seine für einen Mittelfeldspieler phänomenale Torquote von 42 Toren in 95 Länderspielen.

Daher ist Ballack als Kopf und Herz der deutschen Mannschaft zumindest bis zur WM 2010 unverzichtbar.

Gleichwohl hat er speziell seit der EM zu wenig Glanzpunkte im DFB-Team gesetzt und war daher mitverantwortlich für die vielen mäßigen Auftritte 2009.

Das Spiel in Russland wird also nun ein erster echter Gradmesser, welche Rolle Ballack noch für die Nationalmannschaft spielen kann.

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