vergrößernverkleinern
Der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger (l.) mit Sport1.de-Redakteur Martin Volkmar © SPORT1

Im Sport1.de-Interview spricht Thomas Hitzlsperger über die Gefährlichkeit der russischen Mannschaft und seine Situation beim VfB.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Mainz/Moskau - Die Spannung vor dem Spiel des Jahres gegen Russland (Sa., ab 16.30 Uhr LIVE) steigt - die DFB-Elf wie auch die Gastgeber stehen gehörig unter Druck.

Einer, der sich mit solchen Situationen bestens auskennt, ist Thomas Hitzlsperger. Das Mittelfeld-Ass hatte es auch in der Bundesliga beim VfB Stuttgart in der letzten Zeit nicht immer leicht.

Bei der 0:2-Niederlage gegen Köln stand er nicht einmal im Kader.

Im Sport1.de-Interview erklärt der 27-Jährige, wie die Sbornaja der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gefährlich werden kann und warum er seinen Einsatz im Russland-Knüller nicht gefährdet sieht.

Außerdem nennt er Gründe, warum es beim VfB im Moment nicht läuft und er sich nicht als Sündenbock dafür abstempeln lässt.

Sport1.de: Herr Hitzlsperger, wie würden Sie die Stimmung in der Mannschaft vor dem Spiel gegen Russland beschreiben?

Thomas Hitzlsperger: Der Trainer hat von Anfang an von uns volle Konzentration verlangt. Wir sollen die kurze Zeit auf Kunstrasen optimal nutzen, damit wir Samstag nicht kalt erwischt werden. Wenn wir jetzt nachlässig sind, kann es ein böses Erwachen geben. Das hat jeder verinnerlicht, deshalb sind wir konzentriert und angespannt, aber auch voller Vorfreude auf so ein Highlight.

Sport1.de: Können Sie etwas aus dem 2:1 im Hinspiel mitnehmen?

Hitzlsperger: Wir wissen dadurch, dass wir die Russen schlagen können. Aber es ist ein Auswärtsspiel, da wird eine ganz andere Atmosphäre herrschen. Und auf Kunstrasen zu spielen ist ebenfalls eine Umstellung, auch wenn wir das bei einer Niederlage nicht als Ausrede anführen werden. Es herrscht außerdem Endspiel-Charakter. Alles in aAllem also eine brisante Situation. Aber mit diesem Druck müssen wir klar kommen.

[image id="4e0cd03f-65db-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Sport1.de: Was muss besser werden?

Hitzlsperger: Wir müssen im Gegensatz zum Hinspiel bis zum Schluss voll konzentriert sein. Die Russen werden auch bei einem Rückstand weiter nach vorne spielen, denn da haben sie ihre Qualitäten. Da müssen wir höllisch aufpassen und immer damit rechnen, dass ein Spieler wie Arschawin plötzlich wie aus dem Nichts da ist.

Sport1.de: Der Ball wird sehr schnell auf Kunstrasen. Ein mögliches Mittel zum Erfolg, gerade für Sie?

Hitzlsperger: Genaues Passen ist wichtig. Die Bälle müssen flach in den Fuß gespielt werden, weil jeder hohe Ball schwer zu verarbeiten ist. Lange Bälle in die Spitze sind eigentlich gleich weg. Und im Zweikampfverhalten darf man nicht zu schnell auf den Gegner gehen. Aber klar: Wenn ich den Ball auf nassem Boden richtig treffe und er noch aufsetzt, sind die Chancen gut, dass er drin ist, wenn ich schieße.

Sport1.de: Dazu müssten Sie spielen. Aber viele sehen Simon Rolfes im Moment als stärker an. Was sagen Sie denen?

Hitzlsperger: Bei vielen Experten stand ich in den letzten Jahren nicht in der Stammformation. Trotzdem habe ich am Ende immer gespielt: Bei allen acht WM-Qualifikationsspielen war ich von Anfang an dabei und wir haben einmal Unentschieden gespielt und den Rest gewonnen. Also kann es nicht so verkehrt gewesen sein.

Sport1.de: Der VfB Stuttgart mit Ihnen als Kapitän steckt aber im Moment in der Krise...

Hitzlsperger: Wenn man in der Nationalmannschaft immer nur Spieler aufstellen würde, deren Vereine gerade in der Tabelle oben stehen, müsste man permanent die Startelf ändern und das wäre auch nicht gut. Ich wäre natürlich lieber mit besseren Ergebnissen hierher gekommen. Trotzdem zählen für mich jetzt nur die beiden Länderspiele und da kann ich die Situation im Verein gut ausblenden.

Sport1.de: Warum läuft es beim VfB nicht?

Hitzlsperger: Es ist bei uns im Moment leider so, dass viele Spieler nicht ihre Topleistung abrufen. Dazu gehöre ich auch. Ich bemühe mich zwar, aber ich muss akzeptieren, dass es derzeit nicht in die richtige Richtung geht. Es gibt viel Kritik, aber da muss ich durch. Das ist keine schöne Situation, aber ich lasse mich von Widerständen nicht von meinem Weg abbringen. Grundsätzlich gilt für alle: Wir müssen jetzt mit der Mannschaft Lösungen finden.

Sport1.de: Wie könnten diese Lösungen aussehen?

Hitzlsperger: Wir waren letzte Saison Dritter und haben ja in den paar Monaten nicht das Fußball spielen verlernt. Also müssen wir die Unsicherheit bekämpfen, viel trainieren und konkrete Fortschritte erarbeiten. Allerdings warten in den nächsten Wochen schwere Gegner auf uns. Doch wir dürfen uns nicht aus der Bahn werfen lassen.

Sport1.de: Das Publikum in Stuttgart bewertet Sie derzeit nicht besonders positiv. Fühlen Sie sich als Sündenbock?

Hitzlsperger: Einige Medien sehen das offenbar so und verbreiten, dass ich als Führungsspieler nicht die richtigen Kommandos gebe. Aber das ist mir viel zu plump. Man muss mich daran messen, ob ich meine Aufgaben im Spiel gut oder schlecht umsetze. Ende letzter Saison war ich ein guter Führungsspieler, jetzt soll ich ein schlechter sein. Dabei mache ich jetzt als Kapitän viel mehr. Von daher finde ich die Vorwürfe absurd.

Sport1.de: Denken Sie deshalb vielleicht darüber nach, Ihr Kapitänsamt zur Verfügung zu stellen?

Hitzlsperger: Nein, absolut nicht. Ich sehe das als Herausforderung. Im Moment kommt es knüppeldick, aber das nehme ich an. Wenn ich da gestärkt herauskomme, ist es für mich der nächste Schritt nach vorne. Deshalb belastet mich die Kapitänsbinde auch nicht.

Sport1.de: Ihr Ex-Teamkollege Mario Gomez hat aktuell ein ähnliches Problem in München.

Hitzlsperger: Ja, das stimmt. Das ist wirklich schade, denn ich wünsche ihm nur das Beste. Sicher hat er hat gerade einen schwierigen Stand bei Bayern. Ich glaube aber, dass ihm so eine schwere Phase weiterhilft und halte ihn für stark genug, da wieder herauszufinden. Vielleicht schon gegen Russland.

Sport1.de: Wie geht es Samstag aus?

Hitzlsperger: Ich bin zuversichtlich, dass wir mindestens ein Unentschieden holen und spätestens am Mittwoch gegen Finnland die WM-Qualifikation klar machen werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel