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Joachim Löw hält dicht: Über die Aufstellung will er spontan entscheiden © getty

Vor dem entscheidenden WM-Quali-Spiel in Russland wird über Aufstellung und Taktik der Deutschen gerätselt. Löw hält dicht.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Moskau - Der Blick geht auf die Zwiebeltürme des Kreml und den Roten Platz, das Ambiente ist luxuriös.

Doch für die Annehmlichkeiten im Moskauer Fünf-Sterne-Hotel "Baltschug Kempinski" direkt an der Moskwa gelegen haben die deutschen Nationalspieler keinen Blick.

"Man spürt, dass die Anspannung und die Konzentration bei den Spielern Stunde um Stunde steigt", beschrieb Bundestrainer Joachim Löw die Stimmung bei der DFB-Auswahl.

Und auch Philipp Lahm verdeutlichte auf der letzten Pressekonferenz am Freitag, dass der Fokus nur aufs Gruppenfinale um die direkte WM-Qualifikation gegen Russland (Sa., ab 16.30 Uhr LIVE) gerichtet ist: "Das ist ein absolutes Topspiel und das wichtigste Länderspiel in diesem Jahr. Darauf freut sich jeder Spieler."

"Alles Menschenmögliche getan"

Auch Löw geht zuversichtlich ins Duell mit dem EM-Halbfinalisten, weil "wir alles Menschenmögliche getan haben".

Da die Einstellung auf den ungewohnten Kunstrasen im ausverkauften Luschniki-Park fast ausschließlich hinter verschlossenen Türen stattfand, muss aber über Aufstellung und Taktik bis kurz vor dem Anpfiff gerätselt werden.

Wobei bei der Formation fast sicher mit einem 4-2-3-1 gerechnet werden kann. Damit soll die Defensive verstärkt werden, um nicht von den schnellen russischen Gegenangriffen überrascht zu werden.

Defensive Marschroute

"Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass wir nicht unbedingt gewinnen und auf Teufel komm raus alles auf eine Karte setzen müssen", erklärte Löw seine Marschroute.

"Auch mit einem Unentschieden haben wir gute Chancen auf die direkte WM-Qualifikation. Das ist Ausschlag gebend für die Taktik."

Offen ist dagegen, ob bei Löws Aufstellung technisches Können auf dem ungewohnten Untergrund, Tagesform oder Routine den Ausschlag geben werden.

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"Es gibt noch zwei, drei Möglichkeiten", meinte er lediglich. "Das werde ich nach dem Abschlusstraining in Ruhe entscheiden."

Drei Positionen noch umkämpft

Die genannten offenen Positionen betreffen die rechte Abwehrseite, das defensive und das linke Mittelfeld.

Auf rechts spricht vieles für ein Debüt von Shootingstar Jerome Boateng vom HSV. Sollte Löw das Risiko aber dennoch zu groß sein, wird Arne Friedrich trotz seiner Formkrise auflaufen.

Friedrich kommt deshalb aber in der Innenverteidigung nicht in Frage, wo Heiko Westermann den Vorzug erhält.

Rolfes wohl nur Ersatz

Im defensiven Mittelfeld ist Simon Rolfes eindeutig besser in Schuss als Thomas Hitzlsperger. Dennoch wird wohl der Stuttgarter Kapitän spielen, da Löw volles Vertrauen in ihn hat und Hitzlsperger daher in allen acht WM-Qualifikationsspielen in der Startelf stand.

Auf links dürfte Piotr Trochowski wegen seiner besseren Qualitäten nach hinten die Nase vor Lukas Podolski haben, wenn auch knapp. Und im Sturm spricht fast alles für die Routine von Miroslav Klose.

"Die Erfahrung ist ein wichtiger Faktor", gab Oliver Bierhoff einen Hinweis.

Gesetzt sind Rene Adler im Tor, Per Mertesacker und Philipp Lahm in der Viererkette sowie Kapitän Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil im Mittelfeld.

Sport1.de-Noten ergäben andere Startelf

Damit wird Löw wie zu erwarten war seinen eigenen Eindrücken den Vorzug vor der Form der Spieler in den Vereinen geben. Denn nimmt man die Noten aus dem Sport1.de-Bundesligamanager zugrunde, sähe die Anfangself etwas anders aus.

Im Tor liegt Tim Wiese (Durchschnittsnote 2,6) knapp vor Manuel Neuer (2,7) und Adler (2,8). In der Abwehr sind neben Mertesacker (3,0) und Lahm (3,3) Boateng (3,1) und Andreas Beck (3,2) die Besten.

Und im Mittelfeld rangieren Özil (notenbester Feldspieler mit 2,5), Rolfes (2,7) und Marko Marin (3,1) klar vor Schweinsteiger (3,5), Trochowski (3,6) und Hitzlsperger (3,7).

Das Sturm-Quartett mit Torflaute schwächelt dagegen komplett, wobei Podolski (3,6) sowie Gomez und Cacau (beide 3,8) noch deutlich vor Klose (4,3) liegen.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Adler - Boateng (Friedrich), Mertesacker, Westermann, Lahm - Ballack, Hitzlsperger - Schweinsteiger, Özil, Trochowski (Podolski) - Klose.

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